Überall duftet es nach heißen „Gequellten“ und Fisch

Bismark oder Matjes

Die Frauen der Klein-Zimmerner Wehr verwöhnten am Aschermittwoch ihr Publikum mit mehreren Rezeptvarianten des Grätentiers. Fotos (3): Friedrich

Groß-Zimmern - . In Bayern werden am Aschermittwoch kräftige Verbalattacken gegen politisch Andergesinnte gefahren – in Zimmern wird hingegen die Gemütlichkeit zelebriert. Von Ursula Friedrich

Vom evangelischen Gemeindehaus bis ins Klein-Zimmerner Feuerwehrhaus, vom Anglerheim bis ins Glöckelchen, überall machte sich der Duft heißer „Gequellter“ und deftigen Grätentiers breit.

„Für uns ist es ein Versuchsballon“, sagte Klein-Zimmerns Ortsvorsteher und Feuerwehrchef Markus Geßner, der mit seinen Männern diesmal den Durst der Gäste löschte. Die Küche im Feuerwehrhaus lag fest in den Händen der Wehr-Frauen. Mit 65 Portionen Fisch hatten sie sich für den Appetit der Besucher gewappnet. Früher habe der Schützenverein das Heringsessen ausgerichtet, so die Küchenbrigade. Jetzt habe man diese Veranstaltung jedoch dankbar an die Wehr übertragen. Um allen Geschmäckern gerecht zu werden, war im Vorfeld gar ein Probeheringsessen unter dem sechsköpfigen Küchenteam veranstaltet worden. Bismark oder Matjes, Joghurt oder Sahne? Zu guter Letzt gab es Heringe in mehreren Variationen, ja sogar Kostverächter durften auf ein Würstchen hoffen. Trotz Tresendienst gab es unter den Floriansjüngern bei diesem Einsatz ein Durchatmen. Noch am Rosenmontag war die Einsatztruppe zu einem Brand in einer Dachwohnung ausgerückt, wo gar eine eingeschlossene Frau vor Feuer und Rauch gerettet werden musste.

Weil sie sich stets nachmittags treffen hatten die Männer der ökumenischen Ruheständlerrunde bereits zur Kaffeezeit Heringe geschlemmt. Küchenchef Erich Fritsch hatte im evangelischen Gemeindehaus für die komplette Männerrunde samt Pfarrer Michael Merbitz-Zahradnik das Traditionsessen zubereitet.

Dass bei den Anglern am Aschermittwoch frischer Fisch auf den Tellern landet, klingt selbstverständlich. Bereits kurz nach der Einweihung des Anglerheims 1971 wurde die Veranstaltung für Mitglieder, Freunde und Gäste der Angler eingeführt – und ist heute eine liebgewordene Tradition. Küchenfee Brigitte Schnarr wirbelte durch ihr kleines Reich, um rund 50 Gäste nach Herzenslust zu verwöhnen. „Bei mir gibt es Matjes nach Hausfrauen Art“, verriet sie. Im Sahnesößchen tummelten sich Zwiebeln, Äpfel und frischer Dill. Um es allen recht zu machen, buck die Küchenchefin gar Schnitzel und Rumsteaks, servierte Blutwurst, Presswurst und Gequellte.

Urgemütlich war auch das Heringsessen im Gewölbekeller des Glöckelchens. Hier lag die Bewirtung fest in Männerhand des gastgebenden Kerbvereins. Auf die Gräte genau wog Küchenmeister Ralf Knierieme die Fischportionen ab, während Thomas Beutel mit Tellern und Schüsseln durch den Keller wirbelte. „Isch hoff’, ihr hebt die Fastnacht gut rumgebracht“, begrüßte Vereineschef Beutel seine Gäste und schürte die Freude auf den frischen Gaumenschmaus mit dem Hinweis auf den ansässigen Fischfachmann: „Der Fisch kommt wie alle Joahr vom Geo.“

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