Brandstiftung geht weiter

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Beim Eintreffen der Feuerwehren schlugen die Flammen bereits hoch in den Nachthimmel.

Groß-Zimmern (guf) - Sirenenalarm weckt die Zimmerner am Freitagmorgen, es ist 4. 35 Uhr. „Nicht schon wieder!“, ist wohl bei fast allen der erste Gedanke.

Oft musste die Feuerwehr in den Sommermonaten bereits ausrücken, in über 20 Fällen geht die Kriminalpolizei von Brandstiftung aus. Anscheinend nimmt die Serie auch jetzt kein Ende. Besonders erschreckend ist das vielleicht nicht zufällige zeitliche Zusammentreffen mit der Beisetzung des 17-Jährigen aus Klein-Zimmern. Der in vielen Ehrenämtern engagierte, sehr beliebte Jugendliche, selber Mitglied der Feuerwehr, hat sich das Leben genommen. Er hatte in einem Abschiedsbrief eingeräumt, zuletzt ebenfalls gezündelt zu haben.

Nun brennt in der Waldstraße 77 die Halle der Schreinerei Gütte. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte - neben der Zimmerner Feuerwehr sind Kameraden aus Dieburg und Gundernhausen sowie andere rund 100 Rettungskräfte vor Ort - lodern die Flammen bereits hoch in den Himmel.

Die Einsatzstelle wird weiträumig abgesperrt, Gefahr für die Bevölkerung besteht nicht. Gegen 6 Uhr ist das Feuer dann unter Kontrolle.

„Auf jeden Fall geht es weiter“, sagt Schreinermeister Karsten Gütte. Mit Ehefrau Karin und den Mitarbeitern will er das Unternehmen möglichst bald wieder aufbauen. Foto: Fritsch

Sebastian Zwiebel, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, teilt mit, dass ein 25 Jahre alter Mann aus Dieburg zunächst beschuldigt wurde. „Er ist nicht Mitglied der Feuerwehr“, so Zwiebel. Der Mann sei bereits bei früheren Bränden aufgefallen, war wiederholt zeitnah an Tatorten und suchte das Gespräch mit der Polizei. Auch am Freitag wird er bereits bei den Absperrungsarbeiten angetroffen, was ihn verdächtig macht. Bei seiner Vernehmung habe er sich wiederholt in Widersprüche verstrickt und offensichtlich gelogen.

Am Nachmittag folgt schließlich die Meldung: „Seine Lebensgefährtin hat ihm ein Alibi geliefert.“ Die Aussagen der Frau halte die Polizei für sehr glaubhaft.

Die Kripo geht auch beim Brand in der Waldstraße von Brandstiftung aus, da die Flammen von außen nach innen eindrangen, die Ermittlungen dauern an. Der Schaden wird wegen des wertvollen Inventars auf mehrere 100 000 Euro geschätzt.

„Wovon sollen wir denn jetzt leben?“

„Wir sind von der Sirene wach geworden, dann ging gleich das Telefon“, berichtet Schreinermeister Karsten Gütte. Fünf Minuten später war er an seiner Werkstatt. Geschockt habe sein achtjähriger Sohn gefragt: „Wovon sollen wir denn jetzt leben?“

Vor zwölf Jahren hat Gütte das zweigeschössige Holzhaus selbst gebaut. Im Team wurden hier „extra Möbel“ hergestellt. Das Geschäft lief gut.

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Mit Ehefrau Karin und einem Mitarbeiter steht er am Morgen vor dem rauchenden Gebäude. „Wir bauen wieder auf. Auf jeden Fall geht es weiter“, betont der 39-Jährige gefasst. „Kein schönes Geschenk zu meinem 40. Geburtstag nächste Woche“, meint er bitter und resümiert: „Der Schaden lässt sich noch nicht richtig schätzen.“ Dann ergänzt er zu seinem Mitarbeiter gewandt entsetzt: „Die Harley, die Eisenbahn und das Surfbrett waren auch noch drin.“

Zum Glück seien seine Eltern, die im angrenzenden Wohnhaus leben, zur Zeit in Urlaub.

„Ich danke allen Einsatzkräften und bin sehr froh, dass bereits vom Unternehmer Emini eine Halle in der Röntgenstraße als Ausweichwerkstatt angeboten wurde“, berichtet Bürgermeister Achim Grimm.

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