Verwaiste Bühne beim Weihnachtsmarkt

Budenzauber, aber wenig Programm

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Marie (links) und Cheyenne wollten eigentlich auf der Bühne singen, aber das Mikrophon erschreckt sie ein wenig.

Groß-Zimmern - „Die Zimmerner stehen spät auf“, sagt kategorisch ein Kerbborscht vom Jahrgang 1958/59 und kommentiert damit die Tatsache, dass kurz vor der offiziellen Eröffnung des Weihnachtsmarkts am Samstag nur wenig los ist auf dem Roten Platz. Von Ulrike Bernauer 

Das ändert sich auch nicht sonderlich, als Bürgermeister Achim Grimm mit den sprechern des Schwarzen Bocks, Roland Cöster und Matthias Göbel, zur offiziellen Begrüßung auf die Bühne kommt. Grimm bedankt sich ganz besonders bei den Vereinsaktiven, die den Markt überhaupt erst möglich machen. Dank ihres ehrenamtlichen Engagements hätten die Zimmerner das Vergnügen, den vorweihnachtlichen Markt in entsprechender Atmosphäre besuchen zu können. Die drei Herren freuen sich, als sie auf einmal Verstärkung erhalten. Marie (4) und Cheyenne (6) sind auf die Bühne gestiegen und wollen etwas vortragen. „Wann kommt endlich der Weihnachtsmann“ und „Schmückt den Baum mit Mispelzweigen“ haben sie sich vorgenommen, doch als Göbel ihnen das Mikrophon hinhält, verlässt die Mädchen doch der Mut und ihr Gekicher schallt über den Platz.

An einem Stand haben sich die vier Gemeindekindergärten zusammen geschlossen und verkaufen Plätzchen, Schmandwaffeln und Orangensaft. „Wir haben im Kindergarten gebacken, allerdings ohne Kinder, nur die Mütter“, sagt Melanie Bae von der Kita Hörnertweg. „Letztes Jahr sind wir beim Turnverein untergekommen, diesmal haben wir einen Spender gefunden, der die Standmiete für uns bezahlt hat. Sonst wären wir nicht gekommen, das wäre uns zu teuer gewesen.“ Von dem auf dem Weihnachtsmarkt erzielten Erlös wollen sie Spielmaterialien für die Gemeindekindergärten kaufen.

Vier Kerbborschtejahrgänge haben Stände aufgebaut, neben dem Schwarzen Bock vertreten sind der Jahrgang 1958/59 - hier gibt es die leckeren Kartoffelpuffer - der Jahrgang 1971/72 - der verkauft ganz traditionell Würste und Steaks vom Schwenkgrill - sowie der Jahrgang 1961/62 - die Herren bieten Feuerzangenbowle, Kinderpunsch und heißen Slibowitz an. Beim Schwarzen Bock gibt es natürlich Glühwein, der auch angereichert werden kann. „Für die Ladies gibt es Amaretto in den Dornfelder, die Herren bekommen Brandy-Verschnitt dazu“, erläutert Andreas Geier, der für Inge Klieber gerade einen Women-Glühwein zubereitet. „Der ist lecker, davon trinke ich vielleicht noch einen zweiten“, lacht Klieber.

Kunsthandwerk sucht man auf dem Roten Platz vergebens. „Die Hobbykünstler haben in der Mehrzweckhalle einen Stand im Warmen“, sagt Göbel. Leider ist nach seiner Auskunft auch der Stand mit den Weihnachtskrippen nicht mehr vertreten, der Schnitzer hat sein Geschäft aufgegeben. Göbel appelliert an die Zimmerner Vereine: „Der Aufbau ist für uns überhaupt kein Problem. Wir sind inzwischen ein solch eingespieltes Team, dass wir die Hütten locker an einem Tag stellen.“

Weihnachtsmarkt auf dem Roten Platz

Weihnachtsmarkt auf dem Roten Platz

Was dem Schwarzen Bock Sorgen macht, ist das Rahmenprogramm. Immer weniger Vereine stellen sich zur Verfügung, um auf der Bühne etwas zur Unterhaltung der Marktbesucher beizutragen. Pech hatte der Schwarze Bock bei seiner Samstagabend-Verpflichtung. Eigentlich sollten Los Veteranos aus Groß-Umstadt spielen, die gerade wieder eine neue Weihnachts-CD aufgenommen haben. Aber ganz kurzfristig haben die Musiker abgesagt, denn zwei von ihnen sind erkrankt. „Wir wünschen uns wirklich, dass sich im nächsten Jahr mehr Vereine bereit erklären, einen Beitrag zum Programm zu leisten. Alleine können wir das kaum noch stemmen“, so Göbel.

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