Institution auf vier Rädern

Bürgerbus feiert zehnjähriges Bestehen

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Wolfgang Bärtl ist einer der ehrenamtlichen Fahrer des Bürgerbusses. Am Donnerstag holt er Kinder vom Waldkindergarten ab und transportiert sie zur Kita Nordring.

Groß-Zimmern - Ob in die Kita, zum Seniorennachmittag oder in die nächste Arztpraxis: Der Bürgerbus ist für viele Zimmerner längst eine Institution. In diesem Sommer feiert er sein zehnjähriges Jubiläum.

 Noah, Mina und Xena fahren täglich mit dem Bürgerbus. Die drei besuchen den Waldkindergarten, der nur bis um 12.30 Uhr geöffnet ist. Die Kinder benötigen aber eine längere Betreuungszeit und werden deshalb in die Kita Nordring gefahren, wo sie nicht nur ein Mittagessen bekommen, sondern auch noch bis in den Nachmittag hinein betreut werden. Bedingt durch die Ferienzeiten sind es am Donnerstag nur drei Kinder, die in den Bus einsteigen. An anderen Tagen transportiert Wolfgang Bärtl, einer der ehrenamtlichen Fahrer bis zu sechs Kinder.

Der Bürgerbus – er feiert in diesem Sommer sein zehnjähriges Jubiläum – ist für Groß-Zimmern eine echte Bereicherung. Fünf Tage die Woche, von Montag bis Freitag, ist er unterwegs im Dienste der Bürger, neben den Kindern transportiert er auch viele ältere Leute. Bettina Göbel, die im Rathaus für den Bürgerbus zuständig ist, organisiert die Fahrten. Elf ehrenamtliche Fahrer kutschieren die Fahrgäste durch den Ort, manchmal auch etwas weiter Denn Fahrten zum Krankenhaus nach Groß-Umstadt gehören auch dazu.

Auf dem festen Fahrplan stehen auch manche Geißbergschüler. Sie werden in der Schulzeit nach Unterrichtsende zum Pfiffikus, der Nachmittagsbetreuung, gebracht. Fest eingebucht sind auch Fahrten für Senioren. Zum wöchentlichen Mittagessen, das die Diakonie anbietet, werden Gäste ins evangelische Gemeindezentrum gebracht und auch das Mehrgenerationenhaus wird zweimal in der Woche angesteuert.

Von 8 bis 16 Uhr ist der Bus unterwegs, die Krankenhausfahrten finden in der Regel ab 13.30 Uhr statt. Bürger können den Bus auch buchen. Für Einkaufsfahrten, Arztbesuche, den Weg zum Physiotherapeuten oder sonstige Erledigungen kann man ihn nutzen. Auch Vereine und Verbände können je nach Auslastung Fahrten bestellen. Die Fahrgäste werden zum gewünschten Ziel innerhalb von Groß-Zimmern sowie zum Kaufland in Dieburg befördert und auch je nach Vereinbarung wieder abgeholt. Der Fahrpreis beträgt zwei Euro, Fahrgäste zum Krankenhaus in Groß-Umstadt bezahlen 2,50 Euro. Bürger mit Schwerbehindertenausweis können den Bus kostenlos nutzen. Etliche der elf Fahrer, die im Dienste ihrer Mitbürger ehrenamtlich mit dem Bus unterwegs sind, sitzen schon seit Beginn des Services am Lenkrad. Mancher würde seine Tätigkeit allmählich gerne einstellen, deswegen sucht Göbel immer wieder Interessenten, die sich auch vorstellen könnten, einmal in zwei Wochen einen Tag auf dem Bus zu verbringen. Die Bewerber müssen sich einer gesundheitlichen Untersuchung unterziehen, den Personenbeförderungsschein erhalten sie dann von der Gemeinde. Damit Klein und Groß sicher unterwegs sind, gibt es für die Kinder auch Kindersitze in zwei verschiedenen Größen, die mit ein paar Handgriffen schnell eingebaut sind.

Vor dem Jahr 2007 gab es in Groß-Zimmern für Bürger, die selbst über kein Fahrzeug verfügen und die Ziele ansteuern wollen , die auch der Öffentliche Nahverkehr nicht bedient, das Anruf-Sammel-Taxi (AST). Eine Zeit lang existierten AST und Bürgerbus parallel, bis das Sammeltaxi im Jahr 2010 eingestellt wurde. Das herausragende Merkmal des jetzigen Systems ist, dass die Fahrer ehrenamtlich am Steuer sitzen. „Bürger fahren für Bürger“ lautet das Motto. Obwohl die Fahrer unentgeltlich chauffieren und die Fahrgäste einen Obolus entrichten müssen, legt die Gemeinde für diesen beliebten Service noch etwas drauf. Rund 6 500 Euro kostet die Gemeinde das Angebot – gut angelegtes Geld, das ist die Meinung vieler Bürger. (bea)

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