Christel Franze-Merlau stellt in Groß-Zimmern zweibändiges Familienbuch vor

Fleißarbeit für Generationen

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Genealogin Christel Franze-Merlau stellte im Kulturzentrum Glöckelchen ihr Groß-Zimmerner Familienbuch vor.

Groß-Zimmern - Es gibt Menschen, für die es von großer Bedeutung ist, wer ihre Ur-, Ur-ur- und Ur-ur-ur-Großeltern sind, mit wem sie über ihre Ahnen verwandt sind, ob vielleicht Adlige oder Hugenotten da ihre Spuren hinterlassen haben, der Ohm Schultheiß vom Dorf war oder seit Generationen das Bäckerhandwerk gepflegt wird. Von Sebastian Richter

Diese Menschen waren in großer Zahl vertreten am Samstagabend im Kulturzentrum Glöckelchen, wo Christel Franze-Merlau aus Roßdorf ihr „Familienbuch“ für Groß-Zimmern vorstelte. Eine Roßdörferin schreibt über Groß-Zimmern? Nun ja, das hat familiäre Gründe, denn Christel Franze-Merlaus genealogische Wurzeln reichen bis in die Nachbargemeinde. So steht es im Vorwort zu den voluminösen zwei Bänden, die jetzt zum Preis von 50 Euro erworben werden können. Die Autorin hat das am Samstagabend im Glöckelchen nett erzählt. Ein Zitat aus dem Vorwort: „Merr foan mimm Zugg noch Zimmern, do däffs’de mool mit.“ Das war in den fünfziger Jahren und Franze-Merlau ein kleines, begeisterungsfähiges Mädchen, dem dieser Ausflug als besonderes Ereignis im Gedächtnis geblieben ist. Später engagierte sie sich dann im kulturhistorischen Verein ihrer Heimatgemeinde, und da entwickelte sich bereits ihr Faible für genealogische Fleißarbeit. Es ist oft schon recht mühselig, für die eigene Familie einen veritablen Stammbaum aufzustellen. Da müssen viele Quellen angezapft und insbesondere Kirchenbücher gewälzt werden, weil es ja in früheren Jahren kein weltliches Standesamt gab, in dem Eheschließungen und Geburten verzeichnet sind.

Man kann da für sich arbeiten – oder den Gedanken haben, anderen die Arbeit leichter zu machen, indem man reich sprudelnde Quellen entsprechend aufarbeitet. So hat Franze-Merlau das in Roßdorf gemacht, wo sie 2004 ein Familienbuch vorgelegt hat. Und dann hat ein für genealogische Forschungen nicht unüblicher Zufall ihren Blick nach Groß-Zimmern gelenkt. Im Vorwort liest sich das so: „Nach Fertigstellung des Familienbuchs für Roßdorf im Jahr 2004 erhielt ich einen Brief aus Australien, den ein gewisser Peter Strauß an einen Cousin meines Vaters in Groß-Zimmern geschickt hatte und der an mich weitergeleitet worden war, was die Erforschung keine eigenen Familie, die eigentlich nun folgen sollte, wieder in den Hintergrund rückte.“

Als Dank für die Öffnung der Quellen erhielt Pfarrer Michael Fornoff (rechts) von Verleger Andreas Stephan ein Exemplar des Doppelbands.

Und das: „Ein freundlicher Kontakt mit Peter Strauß, der bis heute besteht, förderte jede Menge Auswanderer-Material aus Australien zutage.“ Vielleicht wird daraus ja auch noch mal eine sozialgeschichtliche Monografie. Vor-erst aber wurde dieses Material – zusammen mit dem handschriftlichen Zimmerner Familienbuch eines Pfarrers Müller und Aufzeichnungen von Gunnar Kohl aus Reichelsheim – zur Datenbasis für das Familienbuch Groß-Zimmern, das nun, nach zwölf Jahren Arbeit, fertig geworden ist. Mancher Adelstraum wird sich beim Studium in Luft auflösen, manche Familienlinien in gemeinsame Vorfahren münden. Das ist etwas Besonderes an solchen Büchern: Man muss sie quasi rückwärts lesen, wobei es hilfreich ist, dass Franze-Merlau den Familien Nummern gegeben hat. 6000 Familien hat sie in dem Buch erfasst, über 350 Jahre, bis 1910, und es gibt auch ein Verzeichnis der Juden. Das erste Exemplar wurde Pfarrer Michael Fornoff überreicht, als symbolischer Dank für die Öffnung der Quellen. Franze-Merlau versprach, demnächst dem Glöckelchen- oder Kerbverein in Groß-Zimmern beizutreten, bekam dafür von Zimmernern zu hören: „Am besten beiden.“

Hobbyhistoriker Helmut Kriha, der in einer schwülen Sommernacht das im Internet zugängliche Archiv der Herren zu Löwenstein für sich entdeckt hat, reicherte die Buchvorstellung mit einer recht ausführlichen Anekdote aus der Geschichte Groß-Zimmerns an, die darauf beruht, dass sich hier einst drei Herrschaftsbereiche überschnitten: der löwensteinsche, der kurpfälzische und der hessen-darmstädtische. Dies führte 1740 und in den Folgejahren zu handgreiflichen Auseinandersetzungen über die Legitimität des eingesetzten Schutheißes und seiner Zinserhebungen, einer frühen Form der Grundsteuer.

So wie Kriha das aus selbst „übersetzten“ Handschriften vortrug, wurde die Sache aber schnell ein wenig unübersichtlich, und damit wurde nicht ganz klar, wer wem wann warum eins auf die Nuss gehauen hat. Das zweibändige Familienbuch Groß-Zimmern ist im Gendi-Verlag Otzberg erschienen und vorerst nur dort für 50 Euro erhältlich: Gartenstraße 2a, 64853 Otzberg, Tel.: 06162/9389809, mail@gendi.de, shop.gendi.de. Zum Verlagsprogramm gehören auch etliche weitere Familienbücher und Werke zur regionalen Geschichte.

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