27-Jährige und Feuerwehrmann bei Brand in der Friedhofstraße verletzt

„Crash-Rettung“ in der letzten Minute

Großeinsatz mit drei Rettungs- und zwei Notarztwagen sowie vier Streifen der Polizeistation Dieburg. Foto: FFW

Groß-Zimmern (guf) - . . „Feuer im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, eine Person noch im Gebäude, ruft um Hilfe!“ Mit dieser Meldung der Leitstelle Dieburg wurden die ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehr Groß-Zimmern am Montagabend gegen 23. 10 konfrontiert.

„Dass es nun besonders schnell gehen musste, war allen sofort klar“, beschreibt Pressesprecher Tobias Lang die routinierten Abläufe nach dem Alarm: Mit dem Privat-PKW zum Feuerwehrhaus, Einsatzkleidung anlegen, Fahrzeuge besetzen, nach Alarmplan ausrücken.

Die Feuerwehr Dieburg war ebenfalls mit alarmiert worden - sie hat eine Drehleiter und kann somit für eine Menschenrettung aus dem zweiten Obergeschoss äußerst hilfreich sein. Die Kameraden aus Dieburg waren schnell - sie hatten im Feuerwehrhaus aufgrund der Fastnacht Bereitschaft.

Auf der Reinheimer Straße begegneten sich die Löschzüge. Auch Polizei und Rettungsdienst eilten zur Einsatzstelle in der Friedhofstraße.

Beim Eintreffen der ersten Fahrzeuge kommt Rauch aus dem gekippten, zur Straße zeigenden Wohnzimmerfenster. Eine Person ruft laut um Hilfe – hinter ihr ist ein leichter Feuerschein wahrnehmbar. „Das war schon eine erschreckende Situation“ beschreibt der stellvertretende Wehrführer Marcel Goeden die ersten Eindrücke. Sofort begannen der Aufbau der Drehleiter aus Dieburg und die Vorbereitungen für den „Innenangriff“ der Groß-Zimmerner Wehr.

Gemeindebrandinspektor James Bennett gab den Befehl: „Sofort ein Trupp unter Atemschutz zur Menschenrettung ins Gebäude!“

Bereits auf der Anfahrt mit Pressluftatmern ausgerüstet, waren drei Feuerwehrleute schnell im Dachgeschoss. „Als wir an der brennenden Küchenzeile vorbei im angrenzenden Wohnzimmer ankamen, stand die Frau noch am Fenster“, berichtet Truppführer Marcus Paschke.

Zunächst wollten die Feuerwehrleute das Fenster öffnen, um die Rettung über die Drehleiter zu ermöglichen – doch das war nicht möglich und im folgenden Moment sackte die Bewohnerin bewusstlos zusammen.

Da die Drehleiter zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Stellung gebracht war und es in dieser Situation um Leben oder Tod ging, entschied Paschke, die Frau am Feuer vorbei mit einer „Crash-Rettung“ über das Treppenhaus aus dem Gebäude zu tragen. Damit rettete er der 27-Jährigen vermutlich das Leben.

Ein Mann aus dem Atemschutztrupp koppelte auf halbem Wege vorübergehend seine Luftversorgung ab, um der Bewusstlosen frische Luft zukommen zu lassen. Dadurch erlangte sie das Bewusstsein wieder und erleichterte so das Verlassen der stark verrauchten Wohnung.

„Man hat nichts gesehen außer schwarzem Rauch“, berichtet Goeden, der den Löschtrupp unter Atemschutz anführte. „Genau diesen Extremfall üben wir zwar regelmäßig, aber in einer realen Situation ist es doch etwas Anderes“, ergänzt er. Das Feuer in der Küchenzeile war dann schnell gelöscht.

Wegen einer schweren Rauchgasintoxikation wurde die Patientin unter notärztlicher Begleitung ins Druckkammerzentrum Wiesbaden gebracht, sie wird die nächsten Tage noch im Krankenhaus verbringen müssen. Ein Feuerwehrmann wurde bei der Aktion leicht verletzt.

Im Rahmen der Nachlöscharbeiten wurden auch mehrere Kleintiere aus der Wohnung gerettet. Der Gebäudeschaden wird auf über 10 000 Euro geschätzt.

Wie die Polizei berichtet, war der Brand durch den technischen Defekt eines Küchengerätes entstanden. „Eine häufige Ursache, die nicht zu unterschätzen ist“, sagt Pressesprecher Lang und weist darauf hin, dass ein Rauchmelder (Kosten ab fünf Euro) vermutlich früher gewarnt und ein Verlassen der Wohnung ermöglicht hätte.

Bereits am Vormittag des gleichen Tages hatte die Zimmerner Feuerwehr nach einer anstrengenden Woche mit insgesamt zehn Alarmierungen (Jahresschnitt: 70 Einsätze) den Rettungsdienst beim Transport einer Patientin unterstützt. Auch hier war die Drehleiter aus Dieburg zum Einsatz gekommen.

Weitere Informationen, Einsatzberichte und Bilder unter: www.feuerwehr-zimmern.de.

Kommentare