Hindernis Kosten-Nutzen-Faktor

Alternativen sollen Diskussion um Tram wieder in Gang setzen

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Die neue Darmstädter Stadtbaurätin Cornelia Zuschke bei der Amtseinführung als Vorstandsvorsitzende der Dadina. Sie wechselt sich mit dem Kreisbaudezernenten Christel Fleischmann ab.

Groß-Zimmern - Die Diskussion um die Straßenbahn von Groß-Zimmern nach Darmstadt ist festgefahren, weil mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von nur 0,52 keine Finanzierung für das auf 120 Millionen Euro taxierte Projekt in Aussicht steht.

Zwar hat die Dadina-Verbandsversammlung jetzt einstimmig beschlossen, beim Land wegen einer Änderung der Kriterien vorstellig zu werden, aber mit der selben Vorlage auch eine Prüfung von Alternativen in die Wege geleitet.

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Über Kombination reden

Mit einbezogen werden soll dabei die von Stadt- und Kreis-CDU unlängst präsentierte „Kombilösung“. Nachdem am Donnerstag die charmante neue Darmstädter Baustadträtin Cornelia Zuschke, in deren Zuständigkeit auch der städtische Anteil am Dadina-Verkehr fällt, in ihr temporäres Amt als Vorstandsvorsitzende eingeführt war - ein feierlicher Akt inklusive Amtseid - bekam CDU-Verkehrsexperte Uwe Schuchmann Gelegenheit, das unlängst von Stadt- und Kreis-CDU präsentierte Konzept den Delegierten der Verbandsversammlung zu erläutern.

Verkehrskollaps auf Direktbuslinien droht

Hintergrund aller aktuellen Überlegungen zur besseren Vernetzung zwischen Stadt und (östlichem) Landkreis ist die Tatsache, dass mit den vielen und gut angenommenen Direktbuslinien auf dem Darmstädter Luisenplatz inzwischen der Verkehrskollaps droht. Das eben an diesem Platz heimische Regierungspräsidium Darmstadt hat inzwischen sogar schon Entlastung angemahnt, ein weiterer Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) auf der Basis konventioneller Busverbindungen scheint damit ausgeschlossen. Die Situation ist durch die Beerdigung der Darmstädter Nord-Ost-Umgehung zusätzlich verschärft worden.

Zwischen Groß-Zimmern und Darmstadt gab es einmal eine einspurige Eisenbahnverbindung, die Trasse ist noch bis etwa zum Ende des aktuellen Jahrzehnts freizuhalten. Da der Busverkehr an Kapazitätsgrenzen stößt, ist die Ergänzung durch eine Straßenbahnlinie geprüft worden - mit ernüchterndem Ergebnis. Schon bei dieser Prüfung hatte die CDU den Einbezug einer alternativen Lösung durch eine normalspurige Stadt-Land-Bahn gefordert, wie sie seit vielen Jahren beispielsweise in Karlsruhe erfolgreich Umland und Stadtzentrum verbindet - war aber an der Mehrheit von SPD und Grünen in der Verbandsversammlung gescheitert.

Widerstand aus Roßdorf

Eine solche Stadt-Land-Bahn spielt jetzt auch im neuen CDU-Konzept wieder eine entscheidende Rolle. Aus Roßdorf gab es großen Widerstand gegen die Straßenbahnlösung, die auf einer ortskernfernen Trasse am nördlichen Ortsrand einen Bogen um die Kerngemeinde gemacht und gleichzeitig wohl den innerörtlichen Busverkehr ausgedünnt hätte.

Selbst die Roßdörfer Bürgermeisterin Christel Sprößler, Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag Darmstadt-Dieburg, hat aber inzwischen eine Prüfung des neuen CDU-Vorschlags befürwortet, wenn auch mit der in der Presse zitierten Anmerkung: „Anders kriegen wir das ja nicht vom Tisch“. Offen für eine Prüfung zeigte sich in der Verbandsversammlung jetzt auch der Pfungstädter Bürgermeister Patrick Koch (SPD). „Hört sich zu gut an, um wahr zu sein“, war seine erste Einschätzung.

Kosten-Nutzen-Faktor angezweifelt

Eine gewisse Skepsis hinsichtlich eines besseren Nutzen-Kosten-Faktors war beim grünen Verkehrsexperten Felix Weidner herauszuhören. Schuchmann hatte dazu den Verzicht auf ein zweites Gleis und die Elektrifizierung, die höhengleiche Kreuzung mit der Odenwaldbahn und den Anschluss von fünf statt nur zwei Kommunen ins Feld geführt und eine Kostenkalkulation von rund 80 Millionen Euro präsentiert.

Weidner hingegen favorisiert ziemlich offensichtlich den Elektro-Sammelbus, zumindest als eine weitere Zwischenlösung bis zu einer wie auch immer gearteten schienengebundenen Anbindung des östlichen Darmstadt-Dieburg. Für die FDP lobte Klaus-Jürgen Hoffie das vorgelegte Konzept in hohen Tönen. So stand dem einstimmigen Beschluss zum Einbezug in die Untersuchung (vorbehaltlich einer Kostenermittlung) nichts im Wege. Einbezogen wird nun auch - auf Wunsch Kochs - eine Sammelbusverbindung zwischen Darmstadt und Weiterstadt.

(sr)

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