Seit 30 Jahren gibt es den „Gemeinsamen Mittagstisch“ in Groß-Zimmern

Damit niemand alleine zuhause isst

Horst und Renate Schwarz beim Mittagstisch im evangelischen Gemeindehaus. Das Angebot existiert bereits seit 30 Jahren. Fotos: Just

Groß-Zimmern – Seit dem 29. Juni 1989 findet im evangelischen Gemeindehaus jeden Donnerstag der „Gemeinsame Mittagstisch“ statt. Das Angebot, das dafür sorgen soll, dass keiner alleine zuhause essen muss, blickt also 30 Jahre zurück. VON MICHAEL JUST

Seit seinem Renteneintritt vor 17 Jahren kümmert sich Horst Schwarz mit seiner Frau Renate ehrenamtlich um die Durchführung. Unsere Zeitung hat sich mit beiden über den Ablauf und die Zukunft unterhalten.

Wer hat sich zuvor um den Mittagstisch gekümmert?

Das war über lange Zeit ein engagierter Frauenkreis, der sogar selbst gekocht hat. Aus Altersgründen ließ man die Kochlöffel nach 13 Jahren ruhen. Wir konnten dann für einen nahtlosen Übergang sorgen. Aus organisatorischen Gründen wird nicht mehr selbst gekocht. Das Essen kommt fertig aus einer Küche in Reinheim. Um es auf die Teller und an die Tische zu bringen haben wir Helfer aus dem Teilnehmerkreis. Jeder wird bedient, auch bei den Getränken.

Wie funktioniert der gemeinsame Mittagstisch genau?

Wir erhalten vier Gerichte zur Auswahl. Durch Ankreuzen teilt jeder mit was er essen möchte. Die Mehrheit entscheidet. Der Beitrag von fünf Euro ist mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch mehr als angemessen. Zum Trinken gibt es Sprudelwasser, Tee oder Apfelsaft. Beim Essen fällt die Wahl meist auf ein Fleischgericht. Vegetarische oder exotische Gerichte haben bisher noch nie eine Mehrheit gefunden. Das letzte Mal hatten wir Kartoffel-Riesling-Suppe, Rippchen mit Apfelwein-Sauerkraut und Kartoffelstampf sowie als Nachtisch Orangencreme mit Pistazien.

Wer darf das Angebot wahrnehmen?

Kommen kann jeder. Wir sind überkonfessionell, katholisch oder evangelisch ist nicht wichtig. Das Angebot ist keine Suppenküche oder auf Bedürftige bezogen, weshalb es nicht kostenfrei ist. Vielmehr geht es darum, Gemeinschaft zu praktizieren und zu erleben.

Welche Leute kommen?

Wir haben in der Regel ein gehobenes Alter, das von Mitte 60 bis über 90 Jahre reicht. Die minimale Zahl der Teilnehmer lag bisher bei 20, als Höchstzahl hatten wir schon 36. Die Männer sind in der Unterzahl.

Ihr Engagement hängt mit Ihrem Glauben zusammen.

Der christliche Glaube ist die Grundlage für unsere Motivation. Deshalb sehen wir in dem Angebot mehr als eine Station zum Essen. Vielmehr geht es um gelebte Gemeinschaft, der die Botschaft des Abendmahls zugrunde liegt. Mit einem Tischgebet leiten wir das Essen ein.

Stimmt es, dass nach dem Essen noch ein kleines Programm wartet?

Das ist richtig. Im Anschluss an den Nachtisch folgt das Vorlesen eines Gedichts, einer Geschichte, oder es wird gesungen. Gegen 13.30 Uhr löst sich die Tischrunde auf.

Auch Geburtstagskinder werden nicht vergessen.

Diese erhalten ein Geschenk und ein Ständchen. Finanziert wird das aus den fünf Euro, von denen nach der Abrechnung mit Reinheim meist noch ein kleiner Betrag übrig bleibt. Auch ein kleines Weihnachts- und Ostergeschenk gibt es. Je nach Kassenstand spenden wir auch.

Sogar am 24. Dezember kommt der Mittagstisch zusammen. Können Sie das erklären?

Neben dem Essen ist es unser Ziel, die Stunden bis zum Beginn der Gottesdienste und Christmetten am späten Nachmittag zu überbrücken. Das ist vor allem für Alleinstehende wichtig. An Weihnachten wartet stets ein besonderer Gaumenschmaus, wie etwa Gänsebraten. Wir hatten auch schon Maronen als Delikatesse. Diese erschienen jedoch vielen am Tisch als fremd und wurden nur verhalten angenommen.

Alleine der Tischschmuck ist bereits ein Gedicht.

Wir versuchen stets, dass die Details stimmen. Im Sommer bringen wir Blumen aus unserem Garten mit, und auch sonst soll der Schmuck den Jahreszeiten entsprechen. Die Teilnehmer finden Tischkärtchen mit Namen und ihrem Foto vor.

Setzt der gemeinsame Mittagstisch in der Ferienzeit aus?

Nein, er findet jede Woche das ganze Jahr statt. Selbst an den Donnerstagen, wenn Feiertage mit Fronleichnam oder Christi Himmelfahrt anstehen. Sind wir mal nicht da, fällt das sofort auf. Kürzlich waren wir eine Woche im Urlaub, was gleich für Nachfragen und Spekulationen gesorgt hat.

Seit 17 Jahren engagieren sie sich nun. Mit 81 und 75 Jahren stellt sich natürlich die Frage, wie lange Sie Ihren ehrenamtlichen Einsatz noch aufrechterhalten möchten.

Solange wir können. Wenn gesundheitlich nichts dazwischen kommt, machen wir weiter. Manchmal fragen wir uns selbst, wie es möglich ist, so lange durchzuhalten. Einer der Hauptgründe sind die treuen Teilnehmer, die seit vielen Jahren kommen. Sie schätzen die Sache und sind sehr dankbar. Letzten Endes sind es die Leute, die uns Woche für Woche zum Weitermachen bewegen.

Infos

Neue Teilnehmer sind willkommen. Es wird um Reservierung beim Ehepaar Schwarz gebeten: z 06071 41891.

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