„Das war Kirche zum Anfassen“

+
Die eindrucksvolle Gospelmesse war einer der Höhepunkt der Nacht der offenen Kirche.

Groß-Zimmern -  „In vielen Großstädten ist die Nacht der Kirchen bereits seit Jahren eine feste Veranstaltung“, berichtete Dekanatsjugendreferent Dieter Stab. „Vor einem Jahr hatten wir die Idee, diese Veranstaltung aufs Land zu übertragen“, so Stab weiter. Von Verena Scholze

Bald begannen die Vorbereitungen. „Wir wollten, dass die Gläubigen die Kirche einmal anders erleben und haben uns daher viele Gedanken gemacht.“

Das Programm, das die Gläubigen am Samstag in Groß-Zimmern erwartete, beinhaltete eine Vielfalt an Angeboten, Raum für Begegnung, Gespräche, Stille, Meditation und Spiritualität. Eröffnet wurde die Veranstaltung von „Trommeldonner“, Schülern der Albert-Schweitzer Schule, die mit ihren Instrumenten um die Kirche zogen. Rund 20 Kinder hörten danach biblische Geschichten und Volksmärchen.

Das Jahresthema der evangelischen Kirche lautet „Neue Wege gehen“: „Wir haben unter diesem Motto einen Weg angelegt, der vier Stationen beinhaltet“, erklärte Stab. Hier konnten die Gläubigen in sich gehen und sich Gedanken machen, was es im Kleinen und Großen für jeden einzelnen bedeuten könnte, neue Wege zu beschreiten. Auch die Lichterspirale, die wie eine Schnecke nach innen führte, sollte den inneren Weg jedes Einzelnen verdeutlichen.

Um 19 Uhr folgte eine Gospelmesse, bei der sich viele Menschen versammelt hatten. „Mir hat der Gottesdienst diesmal besonders gut gefallen, weil die Musik mal anders war“, freute sich Thomas, 10 Jahre. „Ich gehe immer mit meinen Eltern in den Gottesdienst und mein Bruder ist Konfirmand.“ Nach der Messe stand eines der Highlights auf dem Programm, die Turmbesteigung. Zwischen 40 und 50 Besucher drängten sich die engen Treppen hoch, um selbst einmal einen Blick vom Turm über Groß-Zimmern zu werfen. „Darauf habe ich mich schon sehr gefreut“, sagte die 72-jährige Karla Wichert. Auf ihren Stock gestützt kletterte die rüstige Dame die Stufen hoch.

Nach dem Orgelkonzert folgte eine Zeit der Stille

Nach dem Orgelkonzert um 21 Uhr folgte eine Zeit der Stille, um sich mit Glaubensperlen Zeit für Meditation zu nehmen. „Jede dieser Perlen hat eine unterschiedliche Bedeutung“, erklärt Stab. „Taufperle, Ich-Perle, Gottesperle oder Perle der Gelassenheit“ sollten den Glauben greifbar machen.

Nach den Geschichten für Erwachsene von Geld und Gier folgte eine Taizé-Lichterandacht. „Diese Andacht ist etwas ganz Besonderes“, erklärte Stab. Bekannt ist Taizé in Burgund vor allem durch die ökumenischen Jugendtreffen, zu denen jährlich etwa 200 000 Besucher vieler Nationalitäten und Konfessionen kommen. „Man erlebt dort große Spiritualität“, so Stab, der Taizé mehrfach mit Jugendgruppen besucht hat.

Es gab aber auch Angebote fürs „Leibliche“: So boten die Ruheständler Grillwürste an, das DRK offerierte den Gläubigen nach der Gospelmesse eine Minestrone, und um Mitternacht hatten die Besucher noch die Möglichkeit, einen Snack zu sich zu nehmen.

Wir möchten die Gedanken der Gläubigen kennenlernen und mehr über ihre Anliegen, Gedanken und Nöte erfahren“, erklärte Stab. „Auch Anregungen und Impressionen zu der Veranstaltung wünschen wir uns.“ Daher lag in der Kirche ein Gästebuch aus, in dem die Besucher Notizen hinterlassen konnten. „Ich fand es heute Abend sehr gut hier“, erklärte Karina, 15 Jahre, in ihrem Eintrag. „Das war mal Kirche zum Anfassen.“

Wir möchten, dass diese Veranstaltung fortgeführt wird“, wünschte sich Stab. „Unsere Vision für die Zukunft ist es, das sich auch Nachbargemeinden beteiligen.“

Kommentare