Seniorenvertreter für Enttabuisierung der Krankheit / Sparprogramm akzeptiert

Demenz nach außen tragen

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Im Mehrgenerationenhaus trafen sich die Seniorenvertreter zu ihrer Sitzung und informierten sich über das Demenzservicezentrum.

Groß-Zimmern (bea) ‐ Ziemlicher Lärm herrscht im Foyer des MehrGenerationenHauses (MGH). Den hören auch die Seniorenvertreter im großen Raum. Sie müssen deshalb ordentlich die Ohren spitzen, um Angelika Seidler zu verstehen. Die Vertreterin des MGHs berichtet über das angegliederte Demenzservicezentrum und bezüglich des zuweilen gehörig anschwellenden Lärmpegels sagt sie achselzuckend: „So ist hier das Leben. Die Räume sind eben sehr gut ausgelastet“.

Die Sprecher der Seniorenvereinigungen haben ihre vierteljährliche Sitzung in das MGH verlegt, weil sie mehr über das Demenzservicezentrum erfahren wollen. Eigentlich sollte Nicole Novak als Leiterin dieses Zentrums über ihre Arbeit berichten. Da sie kurzfristig erkrankt ist, übernimmt Seidler den Part. Ganz besonders interessiert die Senioren, was das Demenzservicezentrum für Groß-Zimmern bringt. „Sie haben mit Frau Novak ihre Ansprechpartnerin direkt vor Ort“, erklärt Seidler. „Zudem trifft sich hier im MGH eine neu gegründete Angehörigengruppe“. Das Tanzcafé für demente Mitbürger habe schon dreimal in den Räumlichkeiten stattgefunden und werde auch weiterhin stattfinden.

Zudem könne Nicole Novak auch für die Hilfesuchenden, die mittlerweile aus dem ganzen Ostkreis anriefen, nur der Erstkontakt sein. In ausführlichen Beratungsgesprächen versuche sie dann mit den Ratsuchenden die besten längerfristigen Ansprechpartner oder Hilfegruppen zu finden. Weiterhin habe das Demenzservicezentrum noch einen besonderen Schwerpunkt bei der Entwicklung von Projekten und Hilfeangeboten.

Einige Anregungen für niedrigschwellige Angebote wie die Demenzgruppen, beispielsweise den Lichtblick in Semd (hier treffen sich einmal wöchentlich an Demenz Erkrankte, um mal was anderes zu sehen, aber auch um die Angehörigen zu entlasten) haben die Seniorenvertreter gleich parat. In die Gruppen ein Tier mitnehmen, schlägt ein Seniorenvertreter vor. Einig sind sich alle Vertreter, dass die Krankheit Demenz enttabuisiert werden müsse. Bürgermeister Achim Grimm berichtet von zwei Gelegenheiten, bei denen er von Bürgern angesprochen wurde, deren Angehöriger an Demenz erkrankt war: „Da habe ich eine ungeheure Hilflosigkeit gespürt“.

Eine Frage betrifft auch noch die Versorgung mit Neurologen, die die Krankheit zweifelsfrei feststellen und unter Umständen auch für eine medikamentöse Versorgung sorgen können. „Wir sind im Landkreis eindeutig unterversorgt“, betont Seidler und verweist auf die evangelische Fachhochschule in Darmstadt, die das Demenzservicezentrum drei Jahre begleiten wird, um den Politikern anschließend Empfehlungen geben zu können.

Auf Kürzungen finanzieller Mittel auch im Seniorenbereich bereitet Grimm zudem die Seniorenvertreter vor. Der Kalender mit den Veranstaltungsterminen in gedruckter Form sei den Einsparungen bereits zum Opfer gefallen. Die Veranstaltungen für 2010 werde es künftig nur in elektronischer Form auf der Homepage der Gemeinde geben. Bereits bekannte Termine für das kommende Jahr können schon jetzt eingesehen werden. „Für die, die kein Internet haben, werden die aktuellen Termine auch immer in den Schaukästen der Gemeinde aushängen, am Rathaus und in Klein-Zimmern am Feuerwehrhaus“, erklärt Grimm. Der Seniorennachmittag werde erhalten bleiben, allerdings habe man sich entschlossen, den Ausflug, der im zweijährigen Turnus stattfand, zu streichen und die Nachmittage immer in der Mehrzweckhalle zu veranstalten. Auch über eine Kostensenkung denke die Gemeinde hierbei nach. Eventuell würden die Gutscheine für Senioren wegfallen, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Entschieden sei bereits, dass ab Januar die Fahrten ins Thermalbad nach Bad König nicht mehr stattfinden. „Angesichts eines Haushaltsdefizits von drei Millionen Euro müssen wir vor allen Dingen an den freiwilligen Leistungen sparen“. Verständnisvoll stimmen die Senioren dem notwendigen Sparprogramm zu und Elfriede Burger erklärt: „Wenn an den Seniorennachmittagen bei Essen und Trinken ein wenig gespart wird, ist das nicht so schlimm. Hauptsache ist, wir können weiterhin zusammen kommen“.

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