Zwischenbilanz: Beratungs- und Hilfsangebote für Betreuende müssen weiter ausgebaut werden

Demenzbetreuung ist weiblich

Bei der Vorstellung einer Begleitstudie zur Arbeit des Demenzservicezentrums in Groß-Zimmern werden zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen geehrt. Foto: sr

Kranichstein/Groß-Zimmern (sr) - Gleich bei der ersten Gruppenehrung wird augenscheinlich, wie die Rollen verteilt sind: Ausschließlich Frauen sind es nämlich, die in den Demenzbetreuungsgruppen Atempause (Eppertshausen), Lichtblick (Groß-Umstadt) und Vergissmeinnicht (Groß-Bieberau) ehrenamtliche Arbeit leisten.

Männer – so wird später bei den Ehrungen für die Brücke (Babenhausen/Schaafheim), den Modau-Treff (Ober-Ramstadt) die Spurensuche (Münster) und die hauseigene Gruppe des Demenzservicezentrums im Groß-Zimmerner Mehrgenerationenhaus deutlich – sind die Ausnahme und engagieren sich auch eher im logistischen Beiwerk wie den Fahrdiensten. .

Das Bild dieser Ehrungen ist am Donnerstag im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung in Kranichstein eine schlaglichtartig aufblitzende Facette der Demenzbetreuung im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Demenz ist ein Thema von wachsender Bedeutung. Darin sind sich alle Redner einig, die sich zur Zwischenbilanz des vor dreieinhalb Jahren im Groß-Zimmerner Mehrgenerationenhaus eingerichteten Demenzservicezentrums (DSZ) äußern.

Aktueller Anlass zum gut besuchten Treffen ist die Vorstellung einer Studie der Evangelischen Hochschule Darmstadt. Ein Team der Hochschule hat die Arbeit des DSZ wissenschaftlich begleitet. Jetzt liegt ein 320 Seiten starker Abschlussbericht vor, den die Professoren Margret Flieder und Michael Schilder für diesen Nachmittag in eine Powerpoint-Präsentation komprimiert haben.

Diese Präsentation macht deutlich, dass angesichts der zunehmenden Zahl an Demenz erkrankter Menschen (sie wird im Landkreis Darmstadt-Dieburg derzeit auf 3 600 beziffert) Angebote wie die Beratung durch das DSZ und die stundenweise Betreuung dementer Menschen in ehrenamtlichen Gruppen an Bedeutung gewinnen werden und weiter ausgebaut werden müssen.

Das haben einleitend im Grundsatz auch schon Rosemarie Lück, Sozialdezernentin und Vizelandrätin des Landkreises, und Uwe Glaum, Geschäftsführer des DSZ-Trägers Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg, betont.

Das bestätigt detailreich eine bekannte Problemlage: Viele Demente werden über Jahre in häuslicher Gemeinschaft betreut, oft so lange, bis der psychische und physische Zusammenbruch der pflegenden Angehörigen droht. Insbesondere in ländlichen Gebieten kommt hinzu, dass „der Opa, der nicht mehr ganz richtig im Kopf ist“, manchmal aus sozialer Scham versteckt wird und die Hilfsangebote deshalb nicht angenommen werden. Generell werden die Entlastungsangebote positiv, aber in ihrer Summe als „nicht ausreichend“ bewertet. Und als weiterführenden Arbeitsauftrag sieht es DSZ-Beraterin Martina Müller, das Angebot des Zentrums so „niederschwellig“ wie möglich zu gestalten, um Hemmnisse der Betroffenen abzubauen.

Müller kann sehr drastisch formulieren: „Pflege macht krank.“ Was damit gemeint ist, machen die Schilderungen zweier pflegender Angehöriger deutlich: Elisabeth Förster aus Dieburg und Gisela Moritz aus Groß-Zimmern. Insbesondere Förster, deren Pflegmartyrium inzwischen länger als ein Jahrzehnt währt, hat den Zusammenbruch schon erlebt und beschreibt sich selbst nach einer mehrwöchigen Kur als völlig ausgelaugt.

Seit nunmehr eineinhalb Jahren wird ihr dementer Gatte im Pflegeheim betreut. Dieser Weg vom persönlichen Engagement bis an die Grenzen der Selbstaufgabe und zur Erkenntnis, dauerhaft keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung leisten zu können, ist eine weitere an diesem Nachmittag schlaglichtartig beleuchtete Facette der Gesamt-Problematik.

Angesichts der Kosten für stationäre Betreuung wird damit noch einmal deutlich, wie wichtig Entlastungsangebote sind. 120 ehrenamtliche Demenzbetreuerinnen sind im DSZ seit seiner Gründung ausgebildet worden, 102 engagieren sich aktuell im Landkreis. Für viele von ihnen gibt es dafür zum Abschluss der Veranstaltung eine Urkunde und Blumen.

‹ Weitere Informationen:http://dw-darmstadt.de/arbeitsbereiche/gemeinwesenarbeit/demenzsevicezentrum.

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