„Der Boden ist hart wie Beton“

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Die Kartoffeln sind teilweise schon erntereif, können aber zurzeit nicht aus dem Boden geholt werden, weil der hart wie Beton ist. Im Bild Landwirt Dressel bei der Ernte 2012.

Groß-Zimmern - Agrarexperten erwarten in diesem Jahr eine überdurchschnittliche Getreideernte. Die kühl-feuchte Witterung der vergangenen Monate sei für die Entwicklung der Pflanzen vorteilhaft gewesen, teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn mit. Von Ulrike Bernauer

Nicht zufrieden ist jedoch Landwirt Jörg Dressel mit dem Wetter. In Deutschland werde mit einer Weizenernte von knapp 24 Millionen Tonnen gerechnet, was elf Prozent mehr wären als im Vorjahr. Auf den Feldern mit Wintergerste waren bereits die Mähdrescher unterwegs. „Das Frühjahr war viel zu kalt, noch jetzt ist die Vegetation zwei Wochen zurück und wird diese Verzögerung auch nicht mehr aufholen“, sagt hingegen Dressel.

Nun könnte der Laie sagen: „das macht doch nichts, dann wird eben zwei Wochen später geerntet“, aber so einfach ist die Sache nicht. Die Tage werden schon wieder kürzer und die Pflanzen orientieren sich nicht nur an Nährstoff- und Wasserangebot sowie den Temperaturen, sondern eben auch daran, wann die Sonne auf- und untergeht.

Auswirkungen zeigen sich auch im Dresselladen

„Beim Mais könnten die Pflanzen von der vegetativen Phase in die generative Phase übergehen und kein Grün mehr produzieren, sondern nur noch die Kolben“, befürchtet Dressel. Das wäre vor allem bei Silomais für die Bauern keine gute Entwicklung, denn hier wird die ganze Pflanze verwendet, die nicht entwickelten Blätter und der Höhenzuwachs fehlen also.

Kritisch beobachtet Dressel auch die derzeitige Trockenheit. „Eigentlich könnten wir von der Reife her schon die ersten Kartoffeln ernten, aber der Boden ist hart wie Beton. Wenn wir jetzt mit der Maschine auf das Feld fahren, beschädigen wir mehr Früchte, als wir unbeschädigt aus dem Boden herausholen können.“ Die unmittelbaren Auswirkungen zeigen sich auch im Dresselladen. Das Angebot an eigenen Kartoffeln, in anderen Jahren um diese Zeit schon groß, ist ausgesprochen dünn.

Mit Einbringen noch ein paar Tage warten

Beim Weizen rechnet der Landwirt mit einer guten Ernte, der reife auch gut und gleichmäßig durch. Mit dem Einbringen wird sowohl Dressel als auch Bio-Landwirt Thomas Schaffer noch ein paar Tage warten. „Ich war gestern auf dem Feld und habe die Körner geprüft, sie sind noch nicht ganz reif“, sagt Schaffer, der normalerweise um diese Zeit schon Getreide einfährt.

Geerntet wurde schon bei Klein-Zimmern. Die Wintergerste ist inzwischen in der Scheune.  

Die abgeernteten Felder, die man in der Landschaft um Groß-Zimmern herum sieht, trugen Wintergerste. Roggen, Hafer und Weizen sind noch nicht soweit. Nun hoffen alle Landwirte, dass nicht ein Unwetter die Ernte noch gefährdet. Regen, allerdings nicht als Starkregen oder Hagel, erhoffen sich alle in Groß-Zimmern nicht nur für Kartoffeln und Mais, sondern auch für die Zuckerrüben. Noch sind diese durch die große Hitze und die Trockenheit nicht geschädigt, aber in der Mittagshitze schlappen die Pflanzen sichtbar, das heißt sie lassen die Blätter hängen.

„Der feuchte Frühsommer hat die Pflanzen verwöhnt, sie mussten ihr Wurzelwerk nicht weit ausbilden, um an Wasser zu kommen“, sagt Dressel. Das könnte sich nun rächen. Noch erholen sich die Pflanzen über Nacht, auch deshalb weil noch Tau gebildet wird.

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