„Der FSV darf einfach nicht kaputt gehen“

+
Regelmäßig treffen sich die FSV-Vorstandsmitglieder (von links) Johnny Conner, Stefan Herbert, Jens Reinhard, Reinhold Obertshauser und Harald Herbert. Es fehlt Norbert Wurtz.

Groß-Zimmern ‐ „Lange Zeit war nicht sicher, ob der Verein das Jubiläumsjahr noch überleben würde“, sagt Jens Reinhard. 1919 wurde der FSV Groß-Zimmern gegründet, 2009 wäre nach 90 Jahren um ein Haar Schluss gewesen. Von Jens Dörr

Wegen der Altlasten mussten wir schwierige Entscheidungen treffen, hinzu kam eine sehr angespannte Liquiditätslage“, sagt der Mann, der das Finanzielle beim FSV federführend in die Hand genommen hat. Denn seit dem 9. Oktober 2009, dem Tag der Außerordentlichen Mitgliederversammlung, ist Reinhard eine von sechs Personen, die den neuen Vorstand des Fußballsportvereins bilden, wobei Reinhard Vorsitzender der Finanzverwaltung ist. Einer von sechs, ohne die es den Groß-Zimmerner Fußballverein heute wohl nicht mehr gäbe.

400 Mitglieder, darunter 120 Jugendspieler und 30 Aktive – sie alle hätten sich vielleicht einen neuen Verein suchen oder auf ein Wunder hoffen müssen. Stattdessen soll es nun wieder bergauf gehen beim FSV.

Neben Jens Reinhard haben fünf weitere, allesamt schon seit langem dem Verein verbundene Männer, die große Herausforderung angenommen: Reinhold Obertshauser erhielt dabei die Aufgabe des Jugendleiters, Johnny Conner den Vorsitz des Spielbetriebs. Harald Herbert ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und zudem Vorsitzender des Geschäftsbetriebs. Stefan Herbert fungiert als Abteilungsleiter der Alten Herren mit ihren 80 Personen, Norbert Wurtz bringt sich im Vorstand als Protokoll- und Schriftführer ein.

Die Wahl dieser Vorstandsform ohne ersten und zweiten Vorsitzenden, sondern mit gleichberechtigten Mitgliedern, soll unser geschlossenes Auftreten auch nach außen verdeutlichen“, erklärt Reinhard. Das heiße nicht, dass man dadurch Risiken abwälze: „Der Vorstand haftet weiterhin“, so Reinhard. Harald Herbert ergänzt derweil: „Jedes Vorstandsmitglied soll als Ansprechpartner für ein Spezialgebiet da sein.“ Die Mitglieder sollten gleich wissen, bei wem sie mit ihren Belangen und Anliegen richtig sind.

Viele Ausgaben belasten das Vereinskonto

Auf früheren Versammlungen war zunächst kein neuer Vorstand als Nachfolger für den alten, aufhörenden in Sicht. „Erst jenseits der Versammlungen war die Suche erfolgreich“, klärt Stefan Herbert auf. Ihm - wie auch den anderen, die sich nach langer Zeit doch noch zusammenfanden - sei klar gewesen, dass es einfach weitergehen müsse. „Wir sind dem Verein alle seit Jahrzehnten verbunden“, sagen die Vorstandsmitglieder unisono. „Der FSV darf einfach nicht kaputt gehen.“

Nichtsdestotrotz konnten auch die engagierten FSVler nicht die Augen davor verschließen, was sich abspielte, hinter den Kulissen ihres Vereins. „2009 gab es so viel Negatives, was die Sache beschleunigt hat“, berichtet Obertshauser. Zinszahlungen, die Instandhaltung des FSV-Heims – und neben diesen außergewöhnlichen Belastungen ließ auch die Einnahmenseite stark nach. „Die war nicht so, wie wir sie gerne gehabt hätten“, sagt Obertshauser. „Auch die Pachtausfälle beim Vereinsheim haben uns getroffen.“ Die Eigenbewirtschaftung in der Zwischenzeit habe aber gut funktioniert, spricht Stefan Herbert den beteiligten Mitgliedern in diesem Zusammenhang ein dickes Lob aus. Ab Samstag, 9. Januar, – Tag der großen Neueröffnung – ist damit Schluss: Dann übernimmt ein italienischer Profi-Gastronom die FSV-Gaststätte.

Auch dessen Pachtzahlungen sollen dafür sorgen, dass am Ende des Jahres 2010 „eine schwarze Null“ steht, wie Finanz-Chef Reinhard es ausdrückt.

Ab 2011 möchte der FSV Schulden abbauen: Es drückt ein Schuldenberg in Höhe von 100 000 Euro. „Zum Glück waren unsere Gespräche mit den Banken erfolgreich“, atmet Reinhard durch. Eine Umfinanzierung der Schuldenlast sorgt dafür, dass es definitiv weitergeht bei den Kickern von der Waldstraße. Dennoch müsse man dringend neue Sponsoren gewinnen: „Am Ende waren kaum noch welche da“, sagt Pressesprecher Herbert.

Dank der neuen Vorstandsmitglieder kann der Ball weiter rollen beim FSV. 2009 blickte der Verein tief in den Abgrund, verhinderte in höchster Not aber den Absturz.

Wegen der angespannten Wirtschaftslage gestalte sich die Suche nicht leicht. Optimistisch blicken trotz der schwierigen Situation und weiterhin hoher Kosten für die Außenanlagen, das Flutlicht, den Jugendspielbetrieb, die Häuser und Energie sowie für Wasser dennoch alle der Vorstandsmitglieder in die Zukunft. Toll, wenn man sich wie beim FSV in solch einer Zeit auf die anpackenden Hände der Senioren verlassen kann. Überhaupt merke man so langsam, dass sich dank des Zukunfts-Konzepts des neuen Vorstands wieder mehr Mitglieder einbringen wollen. „Wir haben da ja noch Helfer hinter uns und stemmen das nicht ganz allein“, sagt Obertshauser. Wenig Geld, viel Fußball – sportlich sieht es gegenteilig zur Finanzlage aus beim FSV. Johnny Conner ist mit dem dritten Platz der ersten Mannschaft in der A-Liga zufrieden, bis auf die A- und B-Junioren sind in Groß-Zimmern alle Nachwuchsklassen besetzt.

16 Trainer coachen insgesamt sieben Mannschaften. Bergauf ging es auf jeden Fall bereits mit der Geselligkeit im Verein: Das Oktoberfest war ein Erfolg, rund 100 Leute aller Altersgruppen des Vereins kamen zusammen. „Das gab es schon lange nicht mehr beim FSV“, sagt Harald Herbert. So etwas soll aber noch öfter folgen: So gibt es beispielsweise am Freitag, 5. Februar, einen Kappenabend in der Athletenhalle und im März soll eine Après-Ski-Party gefeiert werden besonders ausgelassen, vermutlich, denn der FSV Groß-Zimmern kann endlich wieder guter Hoffnung sein, auf sein hundertjähriges Jubiläum zuzusteuern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare