Mit dem „Erzählcafé“ genau den Bedürfnissen der Besucher entsprochen

„Des waas isch noch wie heut“

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Lebhafte Erinnerungen aus der lokalen Historie wurden bei Besuchern des Erzählcafés im Mehrgenerationehaus ausgetauscht.

Groß-Zimmern (ula) ‐ „Vorm Kieg durften katholische Mädsche nicht turnen“, erzählt Gretchen Grohe inbrünstig, „da gab es vom Pfarrer die Fuhr´“.

Solche und andere Episoden gab die waschechte Zimmernerin beim Genuss süßen Erdbeerkuchens mit Sahne zum Besten.

Das Bistro des Mehrgenerationenhauses hatte beim ersten „Erzählcafé“ den Charakter einer universalen Kommunikationsstätte. Schnell sprang der Funke über unter den 30 Gästen, die mit Erinnerungen und Anekdoten einige unterhaltsame Stunden füllten.

Insbesondere die Zimmerner Kerb „anno dunnemals“ war heißes Gesprächsthema unter den Gästen.

Da hatte der Vater Brombeeren gesammelt um einen süffigen Wein anzusetzen, ein Kaninchen geschlachtet, Kuchen war gebacken worden - kurzum die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren.

„Die Kerweredd´ musste beim Bürgermeister vorgelegt werden, damit nix gegen Hitler drinstand“, erinnert sich Gretchen Grohe – dann vereitelte der Krieg 1939 das beliebte und schöne Volksfest.

„Der Polizeidiener Hermann beschlagnahmte unser bestes Pferd“, erinnerte sich eine ältere Dame, ihr Vater war ebenfalls eingezogen worden.

„Isch war im ersten Kerbborschtejahrgang nach dem Krieg“, erzählte Karl Klober.

„Die Pullmanns Erika war damals unser Kerbmädchen“, ergänzte seine Frau Christel. Weil die entbehrungsreichen Kriegszeiten das Feiern unmöglich gemacht hatten, ließen damals gleich zwei Jahrgänge die Kerb hoch leben.

Traurige Erzählungen (Wir hatten auch schon eine Wasserkerb, da musste wegen Dauerregens abgesagt werden.“) aber auch herzerfrischende Anekdoten sorgten bei der ersten Veranstaltung dieser Art für viel Kurzweil. „Des waas isch noch wie heut“, war oft zu hören.

Die Idee für den heiteren Kommunikationsnachmittag entstammte dem Bistroteam. Eine ehrenamtliche Frauencrew zweier Generationen, die über kulturelle Grenzen hinweg Ideen für ein soziale Miteinander umsetzt.

Elke Rambach, Renate Pfeifer, Jasmin Maston, Fatma Salo und Maria Suchudolski verhalfen im Bistro, dem Herzstück des Mehrgenerationehauses, der neuen Veranstaltung zu einem guten Start.

„Super, genau so muss es laufen“, meinte Angelika Seidler vom Mehrgenerationenhaus. „Wir geben Impulse, die sich durch viele Ehrenamtliche verselbstständigen.“

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