Bis 1959 mit der Lok nach Zimmern

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Margarete und Lothar Heinrich Danz feierten im Februar ihre Diamantene Hochzeit.

Groß-Zimmern - Bereits am 27. Februar feierten Margarete und Lothar Heinrich Danz Diamantene Hochzeit (60 Ehejahre), waren jedoch im Urlaub. Kennen gelernt haben sie sich, beide Jahrgang 1932, beim Tanzen. Ein Klassiker, dennoch war es in ihrem Fall ungewöhnlich. Von Ulrike Bernauer

Lothar Danz war zweiter Tenor bei der Sängervereinigung Groß-Zimmern und im Jahr 1950 startete der Gesangverein mit drei Omnibussen und rund 130 Zimmernern in den Spessart, in das Örtchen Streit. Dort gab es ein Mittagessen, das in dem Dorf mit gerade mal 200 Einwohnern, nicht nur in der Gastwirtschaft, sondern auch in den Nachbarküchen gekocht wurde. Anschließend war Tanz angesagt, zu dem die Sänger auch die Dorfschönheiten einluden, die gerade vom Kirchgang kamen. Fast hätte es zwischen Frieda und Lothar nicht geklappt, denn die beiden waren sich zwar gleich sehr zugetan, aber etwas zögerlich beim Adressen austauschen. Nachdem das erledigt war, schrieben sie viele Briefe und Lothar besuchte seine Frieda zweimal mit dem Fahrrad, bei einer einfachen Strecke von 55 Kilometern. 1952 wurde es dann ernster und 1954 wurde geheiratet. Lothar, ein waschechter Zimmerner, hatte sich 1952 um einen Bauplatz beworben und auch den Zuschlag bekommen, obwohl er keinen „roten Pfennig“ besaß. Direkt nach der Hochzeit spuckten die beiden in die Hände und begannen im April mit dem Ausschachten für den Keller. „Ohne Bagger nur mit der Schaufel“, erinnert sich Frieda. Sie staunt noch heute darüber, dass sie das geschafft haben. Von den 25 D-Mark Wochenlohn, die Lothar verdiente, wurde immer gleich die Hälfte für den Hausbau abgezwackt. An Kerb war das Dach auf dem Haus, im Sommer 1955 konnten sie in ihr selbst gebautes Haus einziehen.

Lothar Danz begann schon im Jahr 1946, da war er noch keine 14 Jahre alt, bei der damaligen Reichsbahn eine Lehre als Maschinenschlosser. Der Bahn blieb er treu bis zu seiner Frühpensionierung aus Krankheitsgründen. Er blieb nicht Maschinenschlosser, sondern war auch Heizer und später Lokomotivführer. Den Zimmerner Bahnhof hat er oft angefahren, bis im Jahr 1959 der Personenverkehr dort eingestellt wurde. Gattin Frieda hätte gerne Friseurin gelernt, fand im Spessart aber keine Lehrstelle. So arbeitete sie im Familienbetrieb, einer Schneiderei, mit. „Das hat mir auch später geholfen. Für die Kinder habe ich alle Kleider selbst genäht.“

Frieda kümmerte sich um die Erziehung der drei Kinder, Tochter Waltraud kam 1955 auf die Welt, Sohn Peter 1960 und Nachzügler Markus 1975. Das Ehepaar freut sich heute über acht Enkelkinder, von denen einige schon bald für Urenkelchen sorgen könnten. Die Modellfliegerei war das große Hobby von Lothar Danz, so war er Gründungsmitglied der Dieburger Modellflieger, später wechselte er nach Groß-Umstadt, wo er knapp 20 Jahre Vorsitzender war. Fast 30 Jahre betätigte er sich als ehrenamtlicher Ausbildungsleiter bei der Luftsportjugend des Deutschen Aero Club. Im Hause Danz wird die Musik groß geschrieben, Lothar spielt auf dem Keyboard seine Lieblingsschlager und seine Frau singt dazu. Frieda Danz trat schon 1954 in den Turnverein ein, noch heute geht sie regelmäßig zur Gymnastik und zum Schwimmen.

„Aber mein schönstes Hobby ist das Motorradfahren“, sagt sie. Mit 67 Jahren kaufte sie sich den ersten Roller, den Aktuellen hat sie gerade gestern nach der Winterpause neu bei der Versicherung angemeldet. „Wenn ich fahre, da jodel, sing und pfeif ich und freue mich bei dem Gedanken, dass keiner weiß, dass unter dem Helm jemand meines Alters sitzt.“ Es ist also immer viel los. „Ich habe ja gedacht, wenn mein Mann in Rente ist, dann haben wir mehr Zeit, aber wir werden nie arbeitslos“, seufzt sie und lacht sogleich. In Rente ist Gatte Lothar Heinrich schon lange, aber zu tun haben beide mehr als genug. Die Enkel kommen regelmäßig, Garten, Haus und Hof wollen versorgt werden. Da ist es gut, dass beide noch sehr gut auf den Beinen sind. Einen Herzenswunsch haben die beiden rüstigen 81-Jährigen noch: „Wir wollen noch ein paar Jahre zusammen erleben."

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