Ein Leben hinterm Tresen / Die beliebte Wirtin vom Münchner Hof wird 70

„Die Christel“ feiert Geburtstag

Geburtstagskind Christel Herbert zeigt ein Foto mit ihrem Mann Heinrich.

Groß-Zimmern - (bea) „Ich kann eigentlich nur von der Wirtschaft erzählen“, sagt Christel Herbert, Wirtin des Münchner Hofs. Mehr oder weniger ist sie in einer Gastwirtschaft aufgewachsen und hat ihr ganzes Arbeitsleben hinter dem Tresen und in der Küche verbracht. Am morgigen Dienstag wird die „Christel vom Münchner Hof“, wie sie überall in Zimmern heißt, 70 Jahre alt.

1944 starben ihre Eltern, da war sie fünf Jahre alt. Trotzdem: „Ich hatte eine gute Kindheit“, sagt die Zimmnerin, die mit ihren zwei Schwestern Helga und Gisela bei den Großeltern aufwuchs. Erst ganz zum Schluss des Gesprächs schränkt sie ein: „Es ist schon hart, ohne Eltern aufzuwachsen.“ Über das ganze Gesicht strahlt sie vielsagend, als sie berichtet: „Ich war Omas Jüngste, Schönste, Beste und Bravste“. In der Gastwirtschaft ihrer Großeltern, „zur Rose“ in der Gartenstraße, half sie schon früh mit. „Mit 14 Jahren habe ich schon bedient, mit 15 habe ich meinen Mann Heinrich kennen gelernt“.

Der stammte ebenfalls aus einer Gastwirtschaftsfamilie, seine Eltern betrieben den „Münchner Hof“ in der Jahnstraße. Fortan bediente Christel nicht mehr in der „Rose“, sondern im „Münchner Hof“, den sie mit 35 Jahren ganz übernahm. Gatte Heinrich half abends mit, tagsüber arbeitete er als Bauschlosser.

„Hauptsächlich Einheimische, darunter viele Jahrgänge, besuchten meine Kneipe“, erzählt die Wirtin.

Die Liebsten waren ihr die vom Jahrgang 1904/05 und der Kerbborschtejahrgang 61/62. Den hat sie sozusagen adoptiert. „Die waren der Jahrgang von meiner ältesten Tochter“, erklärt sie. Die Kerbborschte sind auch die einzigen, die noch heute ihr berühmtes „Hähnchen mit Füllsel“ regelmäßig bekommen. An jedem Kerbfreitag werden vor der Garage Bänke aufgestellt. „Ich koch, die restliche Arbeit mache mei Bube“, erklärt sie stolz.

Einmal noch hat sie sich nach der Aufgabe des Münchner Hofs im Mai 2002 so richtig ins Zeug gelegt. Da hat sie mit der Hilfe von ihren „Buben“ für 340 Männer Hähnchen gemacht, auf dem Roten Platz fand das „große Essen“ mit viel Tamtam statt.

„Was machen Sie heute?“, ist die Frage an die allseits beliebte und hoch angesehene Zimmnerin. „Heute stehen wir auf, wann wir wollen. Ich betreue die Enkelchen, wasche für sieben Personen (die eine Tochter wohnt mit Familie im gleichen Haus) und koche immer noch leidenschaftlich gern“, ist die Antwort.

Die Wassergymnastikfrauen werden von ihr auch zusammen gehalten. Sie treffen sich regelmäßig in Christels Partykeller. „Wenn am Samstag schönes Wetter ist, dann setz ich sie in den Garten“.

Aber am Schönsten ist für die Christel immer noch die Erinnerung an ihre Zeit als Wirtin. Ein ganzes Fotoalbum hat sie allein vom letzten Abend im Münchner Hof.

Ihre „Bube“ haben geholfen und der AGV, der sich regelmäßig nach der Singstunde in ihrer Kneipe traf, sang ein selbst gedichtetes Abschiedsständchen.

Auf die Frage, warum sie dann schon mit 63 Jahren in den „Unruhestand“ ging, antwortet sie: „Mein Heinrich hat gesagt, Christel, ich werde 65, wir haben genug gearbeitet“. Mit schwerem Herzen verabschiedete sich Christel Herbert von ihrer Gastwirtschaft. „Ich habe sie meinen Töchtern angeboten, aber die haben nicht die Partner dazu. Für mich war es eine wirklich schöne Zeit.“

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