„Die Herausforderung will ich annehmen“

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Die Familie Oesswein.

Groß-Zimmern ‐ „Alles fing damit an, dass eine Nachbarin sagte: „Du kannst doch alles gebrauchen“, seither ist Ralf Oesswein stolzer Besitzer eines historischen MAN-Traktors. Zu dem Brummi haben sich zwei weitere „Oldies“ gesellt, die auf der Streuobstwiese oder auch zur Kerb im Einsatz sind. Von Ursula Friedrich

Ersatzteile fräst der Feinmechanikermeister in der Kellerwerkstatt seines Hauses „Am Roten Morgen“ selbst. Das Hobby hat nun auch auf Sohn Christoph (25) abgefärbt, der die computergesteuerte Fräsmaschine professionell bedient.

So vielseitig Oessweins Hobbys sind – reisen und Radwandern stehen ganz oben auf der Beliebtheitsskala – so facettenreich ist die berufliche Laufbahn des parteilosen Bürgermeisterkandidaten. Personalführung, Fachkraft für Arbeitssicherheit, Sicherheits- und Gesundheitskoordinator, Fachwirt für Gebäudemanagement, Brandschutz- und Umweltschutzbeauftragter, im Angestelltenverhältnis, aber auch selbstständig – der Lebenslauf ist umfangreich. „Alle zehn Jahre suche ich eine neue Herausforderung“, schmunzelt Oesswein.

Desolate Finanzsituation in den Griff kriegen

Die neue berufliche Etappe heißt: Bürgermeister und Verwaltungschef. Auch, wenn damit der Herzenswunsch von Ehefrau Sigi nach einer langen Australienreise auf die lange Bank geschoben wird. „Am liebsten würden wir mal ein halbes Jahr aussteigen“, schwärmt die Arzthelferin. „Aber erst nach drei Legislaturperioden als Bürgermeister“, ergänzt ihr Ehemann.

„Willst du wirklich eine Firma übernehmen, die bald zwölf Millionen Miese hat?“, hatte ein Kunde Oessweins scherzhaft gefragt und erhielt zur Antwort: „Ja, diese Herausforderung will ich annehmen.“ Die desolate kommunale Finanzsituation in Griff kriegen, vor allem ein Bürgermeister sein, der im steten Dialog mit den Menschen seiner Heimatgemeinde steht, so beschreibt er seine Absichten. Die sozialdemokratische Prägung hat Oesswein nicht abgelegt, auch wenn er als Parteiloser in den Wahlkampf geht. „Schon mein Urgroßvater hat in Weiterstadt die SPD mitbegründet und meine Mutter, Lydia Federlin, war in Zimmern politisch sehr aktiv“, erzählt der Bürgermeisterkandidat.

Als erstes den Tresorschlüssel suchen

Oesswein, der beruflich oft hunderte von Kilometern zurücklegen muss, träumt davon, zu Fuß zur Arbeit gehen zu können, „um die persönlichen Kontakte zu den Bürgern zu pflegen.“

Obwohl er nicht in Zimmern, sondern in Weiterstadt geboren ist, ist der 50-Jährige in Zimmern fest verwurzelt. „Als ich als Achtjähriger herzog, fuhren hier noch Pferdefuhrwerke“, erinnert er sich.

Seitdem hat sich seine neue Heimat freilich deutlich gewandelt. Umdenkungsprozesse will Oesswein anstoßen, immer im Kontakt mit den Bürgern. Vor allem: Den Karren aus dem Schuldensumpf ziehen. „Als neuer Bürgermeister würde ich als erstes den Tresorschlüssel suchen und Kassensturz machen.“

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