„Wände strahlen Klarheit und Kraft aus“

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Noch viel zu tun am kirchlichen Projekt Bischof-Ketteler-Haus. Am 19. August soll in Dieburg der Unterricht beginnen.

Klein-Zimmern/Dieburg - Elf Jahre lang - seit der Aufgabe als Exerzitienhaus für Priester der Diözese Mainz - lagen das Bischof-Ketteler-Haus und das gesamte Konvikt-Gelände in Dieburg im Dornröschen-Schlaf.  Von Jens Dörr

Die Pläne des Vereins Theresien Kinder- und Jugendhilfezentrum und St. Josephshaus (siehe unten) weckten Immobilie und Areal - beides im Besitz der Kirche - vor einiger Zeit auf.

Ab diesem Sommer erweitert die Dieburger Internatsschule für Hochbegabte das Portfolio des katholischen Vereins. Am 19. August soll der erste Schultag sein. Das war am Donnerstagnachmittag zu erfahren, als Architekt und -Bauingenieur Michael Peters den Stand der Bauarbeiten im Rahmen einer Veranstaltung im Klein-Zimmerner St. Josephshaus und bei einer späteren Begehung des bischöflichen Konvikts erläuterte. Wer sich in diesen Tagen die Baustelle ansieht, wird das Ziel der Eröffnung nach den hessischen Sommerferien als ambitioniert einstufen. Noch bleibt viel zu tun, bisher wurde in erster Linie am Hauptgebäude gearbeitet. Den Nebengebäuden und Grünflächen sieht man an, dass sie mehr als ein Jahrzehnt sich selbst überlassen waren. Nun hat allerdings der Baumschnitt begonnen. Auf der östlichen Seite hat das 1869 eingeweihte Hauptgebäude mit Keller, drei Vollgeschossen und Dachgeschoss bereits einen schmalen Anbau erhalten. Ihn wird man auch künftig zuerst erblicken,denn die Zufahrt wird auch weiterhin vom Konviktsweg her erfolgen.

Schon bis 1975 als Internat geführt

Bislang wurden weder der Eingangsbereich gestaltet noch die Fassade gestrichen. Der Plan aber, mit dem Schuljahr 2013/2014 an die Vergangenheit anzuknüpfen, steht. Das Bischof-Ketteler-Haus wurde bis 1975 als Internat geführt, ehe es als Exerzitienhaus genutzt wurde. Etwas mehr als sechs Millionen Euro werden die Bauarbeiten kosten. Damit gibt es bei den Ausgaben zum ursprünglich kalkulierten Betrag Abweichungen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

60 Schulplätze soll es hier künftig geben. Etwas mehr als die Hälfte der Schüler wird zugleich im Dieburger Süden wohnen. Drei Wohngruppen werden jeweils elf bis zwölf jungen Menschen Platz bieten, so Peters. Die Schüler werden im Westflügel wohnen, über zwei Geschosse verteilt. Den Zimmern schließen sich Wohnküche und Gemeinschaftsräume an. „Um in den Schulbereich zu gehen, müssen die Kinder das Gebäude zuerst verlassen und weiter östlich wieder betreten“, erläuterte Peters. Es sei bei der Planung wichtig gewesen, dass Wohnungen und Schule räumlich strikt getrennt sind.

Zwölf Klassenräume für 60 Schüler

Im Schulbereich wird im - leicht erhöht liegenden - Erdgeschoss die Aula im Zentrum dominieren. Zwölf Klassenräume wird es für die 60 Schüler geben, was sehr kleine Lerngruppen ermöglicht Auch sind eine Lehrküche und ein Bewegungsraum vorgesehen. Im ersten Obergeschoss befindet sich wie im Erdgeschoss ein Teil der Klassenräume, hinzu kommen dort Lehrerzimmer und Toiletten. Das Interieur sollen laut Peters „klare, weiße, unprätentiöse Wände“ bestimmen, die „Klarheit und Kraft“ ausstrahlen. Zum Beten oder Meditieren bleibe auch die kleine Kapelle erhalten. Die Aula sei „von Süd bis Nord lichtdurchflutet“. Das Wichtigste: „Wir wollen schöne Räume schaffen, in denen sich die Kinder wohlfühlen, in die sie gerne gehen.“

„Die Kinder“, das werden in Dieburg Hochbegabte sein, die teils Defizite in ihrer Sozialkompetenz aufweisen und in Regelschulen deshalb Probleme haben. Ihnen soll der Haupt- und Realschulabschluss und anschließend extern auch das Abitur ermöglicht werden. Die Nachfrage aus der ganzen Bundesrepublik sei bereits seit dem vergangenen Jahr groß, ist vom Träger zu erfahren. Ebenfalls seit mehreren Monaten wird am inhaltlich-pädagogischen Konzept gearbeitet. Das Internat im Dieburger Bischof-Ketteler-Haus wird neben aktuell sieben staatlichen Schulen sowie einer privaten (PTID in der Altheimer Straße) die neunte Schule der Stadt sein.

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