Ehrenbürgermeister: Dieter Emig

„Meistens gewinnt dann doch das Buch“

+
Umringt von Büchern: Ehrenbürgermeister Dieter Emig.

Groß-Zimmern - Dieter Emig (65) war von 1993 bis 2005 Bürgermeister in Zimmern. Zuvor war er acht Jahre lang Gemeindevertreter und hat 2011 wieder ein Mandat im Parlament übernommen. Das hat er nun nach seiner Ernennung zum Ehrenbürgermeister niedergelegt.

Redakteurin Gudrun Fritsch fragte ihn nach Gründen und Zukunftsplänen.

Wussten Sie, dass die SPD für Sie den Titel als Ehrenbürgermeister beantragt hatte?

Ich hatte bereits angekündigt, dass ich mit 65 Jahren gerne aufhören würde. Der Antrag war mir bekannt und selbstverständlich redet man mit den anderen Fraktionen darüber. Dass nicht alle zugestimmt haben finde ich in Ordnung. Ich schätze ehrliche Positionen.

Warum hören Sie jetzt auf?

Vor meiner Zeit in Groß-Zimmern war ich schon fünf Jahre in Wixhausen Gemeindevertreter. Ich habe reichlich 40 Jahre Kommunalpolitik auf dem Buckel und so ziemlich jedes Amt und Gremium kennengelernt. Mit 65 bin ich in einem Alter, in dem man sich aus dem Tagesgeschäft rausnehmen und Jüngeren Platz machen sollte. Außerdem finde ich, dass ich meine Stunden für die Allgemeinheit abgeleistet habe.

Wie fühlt man sich als Ex- und jetzt Ehrenbürgermeister in Groß-Zimmern?

Immer noch sehr wohl, aber ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr nachts bei jedem Brand aus dem Bett oder bei Hochwasser sofort in die Gummistiefel springen muss. Obwohl die Reflexe teilweise noch da sind. Nach Starkregen schaue ich schon mal nach den Pegelständen. Aber jetzt viel gelassener erst am nächsten Tag. Die Retentionsräume waren eben mein Baby. So etwas lässt dich nicht los, und ich bin stolz und zufrieden dazu beigetragen zu haben, dass es jetzt in Zimmern keine Überschwemmungen mehr gibt.

Mit welchen anderen Projekten sind Sie ähnlich verbunden?

Nun, ich freue mich, dass die Bebauung am Schlädchen in Angriff genommen wird. Ich war schon immer dafür, diese Lücke zu schließen. Dass jetzt die „späte Vernunft“ gesiegt hat, ist für mich eine Bestätigung, in die richtige Richtung gedacht zu haben. Dabei geht es mir nicht um Genugtuung. Ich habe meine Arbeit immer sehr selbstkritisch betrachtet, gleichwohl freuen einem deshalb auch späte Entwicklungen, die in die Richtung gehen, in die man selbst gedacht hat. Ähnlich sehe ich auch die Entwicklung des Jugendzentrums, das ebenso wie die Personalie Tom Hicking anfangs sehr umstritten war.

Werden Sie sich jetzt ganz aus dem politischen Geschehen raushalten?

Natürlich nicht. Ich bleibe im Kreisausschuss. Aber das ist etwas anderes, bei 23 Gemeinden hat man mehr Distanz. In Zimmern bin ich inzwischen eher ein aufmerksamer Beobachter. Wo man zwölf Jahre die Position des Bürgermeisters inne hatte, sollte man später besser die Finger vom Tagesgeschäft lassen. Es gibt genügend Beispiele in der Nachbarschaft, die nicht sehr ermutigend sind.

Was machen Sie, wenn die Parteifreunde Ihren Rat suchen?

Als Ex-Bürgermeister bin ich sowieso mit beratender Stimme im Vorstand vertreten. Schließlich bin ich seit fast 50 Jahren in der SPD und werde Antwort geben, wenn ich gefragt werde. Auch wenn mir nicht immer alles gefällt, gibt es doch genügend Gründe, in der Partei zu bleiben. Das Interesse ist natürlich weiter vorhanden. Aber ich werde mich nicht mehr aktiv einmischen.

Werden Sie bei der nächsten Wahl nicht für die SPD antreten?

Ausgeschlossen ist das nicht. Aber wenn, dann nur ganz hinten auf der Liste. Obwohl das bei dem heutigen Wahlrecht ja auch nichts nützt. Vielleicht werde ich einfach eine Anzeige schalten und so die SPD unterstützen.

Sind Sie noch berufstätig?

Ja. Ich bin selbständiger Kommunalberater im Auftrag einer Wohnungsbaugesellschaft, inzwischen auch auf EU-Ebene, deshalb reise ich auch viel. Ich finde meine Arbeit sehr spannend. Sie hat viel mit demographischem Wandel und auch mit klassischen sozialdemokratischen Fragestellungen zu tun. Ich kann dabei an mein Politikstudium anknüpfen. Schon damals habe ich mit Architekten und Bauingenieuren zusammen gearbeitet. Das Recht auf Wohnung ist schließlich auch ein ur-sozialdemokratisches Thema. Hinzu kommt, dass ich Herr meiner eigenen Zeit bin. So ist die Arbeit einfach ein Teil von mir.

Apropos Reisen. Sie haben sich seinerzeit sehr für die Partnerschaft mit St. Fargeau-Ponthierry eingesetzt. Die liegt jetzt auf Eis. Wie finden Sie das?

Solche Partnerschaften hängen von vielen Kleinigkeiten ab, von Personen und andere Zufälligkeiten. Letzte Woche erst hat sich mein Freund Roland Guerra aus Frankreich gemeldet. Der neue Bürgermeister in der französischen Partnerstadt würde den Kontakt gerne wieder beleben. Aber das ist inzwischen recht kompliziert und der Ball liegt jetzt erst mal in deren Feld.

Haben Sie weitere Beziehungen zum europäischen Austausch?

Ja, in den 70er Jahren habe ich mit Freunden in Bonn das Institut für Kommunikationsforschung in der außerschulischen Bildung gegründet. Hier bin ich weiterhin im Vorstand tätig. Der Verein ist sehr aktiv in der politischen Jugendarbeit und internationalen Austauschprogrammen. Derzeit läuft beispielsweise mit französischen Partnern ein Projekt in Tunesien. Ich glaube, auf diese Weise kann man einiges zum Frieden in Europa beitragen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Einige Ämter habe ich bereits abgegeben. Die Leistungsfähigkeit lässt im Alter einfach nach. Ich nehme mir schon jetzt viel Zeit für meine beiden Enkel und für die Familie. Zu meinem Geburtstag waren wir alle zusammen zehn Tage mit der Aida auf dem Mittelmeer unterwegs. Das war wunderschön. Natürlich habe ich noch viele Kontakte, vor Ort etwa das Salonorchester oder das Altherren-Team, ich bin in etlichen Vereinen, fahre im Winter regelmäßig Ski, spiele Tennis und fahre Rad, mein Enkel kann jetzt auch schon mitfahren. Außerdem arbeite ich gerne am Haus und gehe mit meiner Frau spazieren. Oft denke ich: setz dich mal hin zum Angeln - doch da gewinnt dann doch meistens ein Buch, das ich noch lesen will.

Anglerfest in Groß-Zimmern

Anglerfest „Teich in Flammen“ in Groß-Zimmern

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion