Auch mit 63 Jahren ist der Groß-Zimmerner Altbürgermeister ein (sozial-)politischer „Hans Dampf“

Dieter Emig - Kein Typ fürs Sofa

Wichtigstes Organ Groß-Zimmerns ist die Gemeindevertretung. Hier werden Planungen für die Entwicklung der Gemeinde diskutiert und Beschlüsse zu deren Umsetzung gefasst. Haushaltspläne und Änderungen in der Verwaltungsstruktur müssen von diesem Gremium bestätigt werden. Wer sind die 37 Gemeindevertreter? Die Wahl im März hat einige Neue ins Parlament gebracht, viele sind geblieben. Der Lokal-Anzeiger stellt die Kommunalpolitiker in lockerer Folge vor.

Groß-Zimmern - Groß-Zimmern - Auf der politischen Bühne der Gemeinde agieren Neulinge neben „alten Hasen“. Sozialdemokrat Dieter Emig gehört hier sicherlich in die Liga der erfahrenen Praktiker, denen keiner ein X für ein U vormacht. Von Ursula Friedrich

So recht gedrängt hatte es den Altbürgermeister nicht, in die vorderen Reihen als Kandidat für die Kommunalwahl 2011 zu ziehen. Doch kummulieren und panaschieren sei Dank, auch von Platz 37 der Kandidatenliste wurde der Wahlzimmerner in die Gemeindevertretung katapultiert.

Einem Ausschuss gehört er nicht an. „Wir haben genug junge Leute. Ich freue mich über die Verjüngung in unserer Partei und helfe gerne“, schmunzelt er, gemütlich im Schreibtischstuhl seines Büros Platz nehmend. Hier ist er in seinem Reich, zwischen einer kostbaren historischen Büchersammlung und moderner technischer Ausstattung.

Dieter Emig wurde am 2. Mai 1974 in Wixhausen geboren und machte 1967 in Darmstadt sein Abitur. Nach seinem Studium der Politikwissenschaft und Geographie an der Technischen Hochschule in Darmstadt, zog es ihn nach Groß-Zimmern.

Schon 1968 wurde die SPD seine politische Heimat. Bereits 1972 hatte er sich die Sporen in der Gemeindevertretung Wixhausens verdient. Zwölf Jahre später begann die erste Amtsperiode als Gemeindevertreter Groß-Zimmerns.

Beruflich war er inzwischen zum wissenschaftlichen Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft tätig – privat in den Hafen der Ehe eingeschifft. Die Liste von Ehrenämtern und Mitgliedschaften in kommunalen Zweckverbänden, Partei, Vereinen und politischen Gremien füllt inzwischen Seiten. Dieter Emig ist aktuell Mitglied des Kreisausschusses des Landeskreises Darmstadt-Dieburg, engagiert sich außerdem als Vorstand im Institut für Kommunikationsforschung – privat als glücklicher zweifacher Opa.

In Groß-Zimmern ist er vielen Bürgern vor allem als Bürgermeister und Verwaltungschef bekannt. 1992 hatte die SPD den „auswärtigen“ Genossen als ihren Kandidaten nominiert. Ein Jahr später setzt er sich gegen zwei Mitbewerber durch und wurde Bürgermeister. 1999 wurde Emig mit 65 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Gegen Achim Grimm verlor er 2005 knapp die Bürgermeisterwahl und ist seitdem als selbstständiger Unternehmensberater tätig. „Ich war nicht der Schmusetyp“, schmunzelt der passionierte Tennisspieler, Skifahrer und Musiker. Und sagt weise: „Politik ist Macht auf Zeit.“

Fragt man junge Sozialdemokraten, wird Emig oft als politischer Ziehvater angeführt. Politische Schelte mag er nicht ausüben, kann sich aber ein paar Spitzen nicht verkneifen: „Die finanzielle Situation der Gemeinde ist teilweise hausgemacht. Und die Kinderbetreuung, naja, da wurde einiges dramatisch verschlafen.“ Seine politische Arbeit kommentiert er, „ich bin ergebnisorientiert.“

Privat lebt er mit seiner Familie als Mitglied eines „Mehrgenerationenhauses“ vor, wie die soziale Herausforderungen einer stets älter werdenden Gesellschaft gestemmt werden könnten. Die Oma im Parterre, Tochter mit Ehemann und zwei Enkelkindern im zweiten Teil der Doppelhaushälfte – ein Mehrgenerationenmodell mit Rückzugsraum. „Wie entwickelt sich unsere Gesellschaft im Hinblick auf Wohnen?“ Eine Fragestellung, die privat wie beruflich ein breites Spektrum in Emigs Überlegungen einnimmt.

In einem kann man sicher sein: er ist ein Energiebündel, ob als Sozialdemokrat oder Privatmann. Fazit: „Ich war noch nie ein Typ fürs Sofa“.

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