Dreifacher Europameister

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Blasen, also das Gefieder spreizen, können die weißen hessischen Kröpfer von Karl-Heinz Reitzel wirklich gut. Ein Grund für seine Europameistertitel.

Groß-Zimmern - Erfolge mit seinen Tauben hat Karl-Heinz Reitzel wahrlich schon genug eingefahren. Nun war er wieder erfolgreich beim Championat der Kleintierzüchter in Leipzig. Von Ulrike Bernauer

Dass er im Dezember bei der Europaschau der Kleintierzüchter in Leipzig gleich drei Europameistertitel und ein Europa-Championat mit nach Hause nehmen durfte, ist selbst für den Zimmerner Rekordzüchter ungewöhnlich und man kann diesen Erfolg sicher als Krönung eines züchterischen Lebens bezeichnen.

„Es war ein EU-Gipfel der Tiere, der in diesem Umfang noch nicht dagewesen ist“, berichtet Reitzel. Fast 35 000 Tauben, 16 500 Zwerghühner, 9 600 Hühner, 4 700 Puten Perlhühner, Gänse und Enten, 25 800 Kaninchen und rund 640 Meerschweinchen bevölkerten laut dem Ausstellungskatalog im Format eines Telefonbuchs einer mittleren Großstadt die Messehallen. Dazu kamen noch zahlreiche Vögel und Ziergeflügel. Die fast 100 000 Tiere der 12 000 Aussteller aus 26 Mitgliedsländern wurden von über 700 Preisrichtern benotet.

Schau der Superlative

Umso erstaunlicher, wenn ein Züchter bei einer solchen Schau der Superlative mit seinen Tieren ganz oben auf dem Treppchen landet. Reitzel hatte die schönste Gruppe aus vier Tieren und weil drei der vier „weißen hessischen Kröpfer“, die Reitzel züchtet, dieselbe Bestnote hatten, wurden sie alle drei Europameister. „Das kommt sonst praktisch nie vor“, strahlt der meister auch noch anderthalb Monate nach dem Erfolg. Zu den vier Titeln, die er in seinem Keller, der mit Pokalen, Bändern und Medaillen voll gestellt und gehängt ist, kamen auch noch dreimal die Note Vorzüglich und zweimal Hervorragend hinzu. Von den 35 000 Tauben stellte Reitzel die sechs besten Tiere und bekam dafür die silberne Staatsplakette des Bundesministers.

Seit über 60 Jahren züchtet der Zimmerner Tauben. Sein Vater hatte Brieftauben, aber er selber verlegte sich, nachdem er von einem Züchterfreund ein Pärchen hessische Kröpfer geschenkt bekam, auf diese Rasse. „Ich habe schon immer Spaß an Vögeln gehabt“, erinnert er sich. 1948 trat er in den Kleintierzuchtverein Groß-Zimmern ein, dessen Vorsitzender er dann von 1976 bis 1999 war. Auch später teilte er sich das Vorstandsamt noch einmal mit Helmut Breitwieser. Inzwischen ist er Ehrenvorsitzender.

Einfühlungsvermögen für seine Tiere

Seine Erfolge erreicht er durch große Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen für seine Tiere. 50 Tauben hat er zurzeit noch, einige warten darauf, dass ein Käufer sie abholt. Bis nach Abu Dhabi verkauft er seine Tiere. Wenn die jungen Tauben schlüpfen, dann kommen wieder 50 Tiere hinzu. Reitzel steckt neben der Zeit für die Züchtung auch viel Energie in die Ausstellungsvorbereitung.

Die hessischen Kröpfer erzielen ihre Wirkung nur, wenn sie blasen, also ihr Gefieder an der Brust so aufplustern, dass sie doppelt so groß wirken und der Schnabel völlig im Gefieder verschwindet. Dieses Verhalten müssen sie vor allem dann aufweisen, wenn sie vom Preisrichter begutachtet werden. Deshalb spricht Reitzel regelmäßig mit seinen Tieren, diese blasen dann auch prompt für die Fotografin.

Inniges Verhältnis zu seinen Tauben

Frühzeitig gewöhnt Reitzel seine Tauben auch an den Transportkorb, damit der Stress vor und während einer Ausstellung für die Tiere nicht zu groß ist. Dass der Zimmerner Züchter ein inniges Verhältnis zu seinen Tauben hat, versteht sich dabei fast von selbst.

Wie lange Reitzel noch weiter züchten kann, steht in den Sternen. Seine Gesundheit ist nicht die beste und die großen Schauen sind fast schon zu anstrengend für ihn.

Glücklicherweise hat er durch seine vielen Züchterjahre überall Freunde und Kollegen, die seine Tiere auch mal für ihn auf einer Ausstellung betreuen, wenn es ihm zu viel wird. „Aber ich mache weiter, solange ich noch kann und so viel Spaß daran habe“, versichert er.

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