Bienen rüsten sich für Winter

Drohnenschlacht im Bienenstock

Gross-Zimmern - Im Spätsommer wird der Speisezettel der Bienen eintöniger, die Tafel ist nicht mehr so reich gedeckt.

„In Regionen, in denen keine Waldtracht, Heide oder Springkraut wachsen, benötigen die Bienen nun ihr Winterfutter“, berichtet der Groß-Zimmerner Imker Manfred Maiwald. Unnötige Fresser, die männlichen Drohnen, werden aus dem Stock geworfen.

Neben dem Winterfutter ist auch eine gute Pollenversorgung wichtig. Während im Garten noch spät blühende Stauden Nektar und Pollen bieten, sieht es in der Agrarlandschaft häufig anders aus.

„Der Imker muss nun dafür sorgen, dass seine Bienen einen genügend großen Wintervorrat anlegen können.“ Er füttert ihnen Zuckerwasser, das die Bienen in Winterfutter umwandeln. Pro Volk sind rund zwölf Kilo Zucker nötig. Damit die Vorräte möglichst lange halten, werden unnötigen Fresser, die männlichen Drohnen, aus dem Stock geworfen.

Dabei gehen die Arbeiterinnen keineswegs zimperlich vor. Mit Beißen, Zerren und Stechen werden die Männchen vor das Flugloch geschafft und der Rückweg verwehrt. Die Drohnen haben im Spätsommer kein Betätigungsfeld mehr, da das Volk keine jungen Königinnen mehr aufzieht. Daher spricht der Imker von der Drohnenschlacht.

Jetzt ist auch die Zeit, den gefährlichsten Parasiten, die Varroa- Milbe, zu bekämpfen. Diese wurde vor gut 40 Jahren aus Ostasien nach Europa eingeschleppt und hat sich auf alle Bienenvölker verteilt. Die europäische Honigbiene hat keine Abwehrmechanismen dagegen, sodass die Völker ohne Fremdhilfe nach spätestens drei Jahren zugrunde gehen würden.

Die Milbe legt ihre Eier in die Brutzellen, wo die geschlüpften Milben sich an den hilflosen Bienenmaden durch Blutsaugen ernähren. Außerdem wird die Bienenmade mit Viren infiziert.

So geschwächt schlüpft die junge Biene, ist teilweise verkrüppelt und unfähig, ihre Arbeitsaufgaben im Bienenstaat zu erfüllen. Tritt dies beim Großteil der schlüpfenden Jungbrut auf, ist der Bestand des Volkes gefährdet. Der Imker versucht mit den verschiedensten Mitteln, die Milben des befallenen Volkes zu dezimieren: mit Ameisensäure, Oxalsäure oder Thymianöl. Diese Methoden beseitigen die Milbe nur teilweise, sie wird nie ganz ausgerottet. Deshalb ist Kontrolle nötig, um die Behandlung notfalls zu wiederholen.

Die Prozedur ist für die Bienen nicht angenehm. Bei falscher Dosierung kann man die Bienen auch schädigen. Viele wissenschaftliche Institute forschen nach neuen Bekämpfungsmöglichkeiten. Die Methode muss aber einfach, billig, praktikabel und für die Bienen schonend sein. So untersucht gerade der amerikanische Chemiekonzern Monsanto, mit Hilfe genetischer Manipulation die Milbenpopulation zu reduzieren. „Eigentlich sollte klar sein, dass die Konzerne, die Honigbienen mit Pestiziden, Herbiziden und industrieller Landwirtschaft an den Rand ihrer Existenz gebracht haben, zuerst ihre Hausaufgaben machen, und die Lebensbedingungen der Bestäuber insgesamt verbessern helfen sollten“, fordert Manfred Maiwald. „Das Versprechen, Allheilmittel gegen Varroa und andere Bienenkrankheiten bereitzustellen, ist ein Ablenkungsmanöver und soll ein neuer Geschäftszweig werden.“ Er argwöhnt: „Nach patentierten gentechnisch veränderten Pflanzen auf den Äckern soll damit eine nächste Phase der Monopolstellung mit denselben verheerenden ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen herbeigeführt werden.“

Täglich bekommt der Vorsitzende des Roßdorfer Bienenzuchtvereins Anrufe besorgter Bürger: „Wir haben Bienen im Rollladenkasten – ist das gefährlich und wie werden wir diese los?“ Die Antwort ist meistens: „Es handelt sich um Wespen.“ Diese nisten sich an ungestörten, trockenen Orten ein. Spätestens im November ist das Nest verlassen und wird nicht neu bezogen. „Versuchen Sie, Abstand zum Einflugloch zu halten und keine lauten Maschinen wie Rasenmäher oder Staubsauger in der Nähe laufen zu lassen“, rät der Fachmann, „das macht Wespen aggressiv.“ Die Insekten seien zwar lästig, hätten aber auch ihre Aufgabe in der Natur (Aasfresser). Am Marmeladenbrot sollten sie mit ruhigen Bewegungen verscheucht werden, Wespenfallen locken sie nur an. Die Tiere ertrinken qualvoll, aber es werden immer wieder neue kommen. „Leben Sie mit der Natur, nicht dagegen“, betonen die Imker, die das Leben der Insekten in unserer Kulturlandschaft fördern.

Ein sehr interessantes Hobby, dessen kulinarische Krönung die eigene Honigernte ist. Der Bienenzuchtverein Roßdorf und Umgebung unterstützt alle Imker, und die, die es werden möchten, mit Rat und Tat. Der Verein bietet auch Vorträge für Schulklassen, Kindergärten oder sonstige Gruppen an. Kontakt: www.kreisimker.de.

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