Durchfahrtsverbot und Tempo 30

Morgens früh um vier ist die Nacht vorbei

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An der Reinheimer Straße ist es eng und laut. Anwohner wollen eine Tempo-30-Zone.

Groß-Zimmern - Die meisten Nächte sind kurz für die Bewohner der Reinheimer Straße: Gegen vier Uhr rumpeln die ersten Laster über den Asphalt, auch Schwerlastverkehr, der eigentlich gar nicht durch den Ort fahren dürfte. Von Julia Glaser 

Die Route für diese Lkw führt eigentlich über die B 26 und die K128 zur Waldstraße Richtung Gewerbegebiet Groß-Zimmern - ein Umweg, den viele aus Zeit- und Kostengründen nicht machen wollen. Ab halb sechs geht es weiter mit dem Berufsverkehr. Viele Fahrzeuge kommen aus dem Odenwald über Reinheim. Auch sie könnten die Umgehungsstraße nutzen, nehmen aber lieber die Abkürzung durch Zimmern.

Möchten die Anwohner aus ihrer Hofeinfahrt fahren, werden sie durch endlose Autoschlangen oft auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Auch die Bewohner der angrenzenden Wilhelm-Leuschner- und Bertha-von-Suttner-Straße, sind von den Problemen betroffen. „So nicht!“, entschieden einige Bürger und beschlossen, etwas gegen das stetig anwachsende Verkehrsaufkommen zu unternehmen. Rita Swetlik und Peter Hoffmann initiierten im November ein erstes Treffen der Anwohner.

Zuspruch und Motivation groß

Der Zuspruch war groß, die Motivation, etwas zu ändern, ebenfalls. „Es geht ja nicht nur um die vielen Autos. Dazu kommen auch die wachsende Lautstärke und die Feinstaubbelastung. Die Problematik ist ähnlich wie in der Heinrichstraße in Darmstadt, in der inzwischen eine Nacht-30er-Zone eingerichtet ist“, sagt Hoffmann. Das Ziel der Initiative: Ein striktes Durchfahrtsverbot für Lkw und die Einrichtung einer 30er-Zone vom Ortseingang aus Richtung Reinheim bis zum Ortsausgang Richtung Dieburg. Das Durchfahrtsverbot sei auch sehr wichtig, weil das in der Planung befindliche Großlager Fiege in Dieburg bald noch mehr Lkw-Verkehr mit sich bringen wird.

Mehr Kontrollen sollten ebenfalls stattfinden. Drei festinstallierte Blitzer auf der 30er-Strecke könnten dafür sorgen, dass die Geschwindigkeit eingehalten wird. Weil man die Geräte auch leasen kann, würden sich die Kosten für die Gemeinde in Grenzen halten. Als Beispiel zitieren sie auch hier die Stadt Darmstadt mit ihren Blitzanlagen. „Es geht nicht darum, die Autofahrer abzuzocken“, sagt Swetlik. „Wenn man sich an die Geschwindigkeit hält, gibt es keinen Knollen.“ Außerdem wäre es ein Zeichen der Rücksichtnahme gegenüber den Anwohnern.

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Die Problematik an den Lösungsvorschlägen: Die Reinheimer-, Wilhelm-Leuschner- und Bertha-von-Suttner-Straße sind Landesstraßen, sie sind Teilstrecken der L 3114. Das bedeutet, dass die Verwaltungsbehörde Hessen mobil darüber entscheiden muss, ob und was sie tun kann, um die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Inzwischen hat die Gruppe Unterschriften in Groß-Zimmern gesammelt, die an Bürgermeister Achim Grimm übergeben wurden. Rund 230 Menschen unterstützen die Initiative, die betont, keine politische Agenda zu verfolgen. Bürgermeister Grimm ist offen für die Pläne der Bürger und wird sich damit beschäftigen. Ob die Wünsche umgesetzt werden können, liegt jedoch hauptsächlich in den Händen von Hessen mobil. Ein erster Schritt für einen beruhigteren Ortskern und somit für mehr Lebensqualität an den Durchfahrtsstraßen ist jedoch getan.

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