EHEC verändert Kaufverhalten

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„Wir verkaufen viel weniger als sonst“, erklärt Elisabeth Schaffer vom Birkenhof.

Groß-Zimmern (bea) ‐ Obwohl die Zahl der Erkrankten am EHEC-Erreger im Landkreis relativ gering ist, am Freitag waren es sieben Erkrankte in Darmstadt und einer im Landkreis Darmstadt Dieburg, haben auch die Groß-Zimmerner Verbraucher ihr Kaufverhalten umgestellt.

Das bestätigen die Gemüsehändler im Ort. Salatgurken, Tomaten und Blattsalat bleiben weitgehend in den Regalen liegen oder werden schon vom Händler kaum noch bestellt. „Wir haben die drei Artikel zwar im Angebot, aber sie werden kaum gekauft“, sagt Ingrid Weickert vom Obst- und Gemüseladen. „Ich esse allerdings weiterhin alles. Ich weiß ja, wo die Ware herkommt.“ Gurken erhält die Gemüseverkäuferin von der Insel Reichenau, Salat kommt vom Bauern des Vertrauens aus der nahen Umgebung. „Die Kaufverweigerung zieht weite Kreise“, sagt Weickert. „Wir liefern normalerweise den Bäckern vorgewaschene Salatblätter, aber das ist momentan alles abbestellt.“

Auch Jasmin Dressel vom Dresselhof merkt die Auswirkungen nicht nur im Gemüseladen. In der Gastronomie hat sich das Verhalten der Verbraucher gleichermaßen geändert. Gefragt sind im Moment fast nurmehr Speisen aus dem Ofen, gut durch gegart. „Wenn einer Schnitzel bestellt, wird der Beilagensalat fast immer abbestellt.“

„Ich vertraue unseren Produzenten“

Dabei isst auch Dressel weiterhin Gurken, Salat und Tomaten und das obwohl sie schwanger ist. „Ich vertraue unseren Produzenten“, sagt sie und macht sich Sorgen um ihren Lieferanten aus Altheim. „Der hat den Salat auf seinen Anbauflächen zum Teil schon untergefräst, weil er ihn einfach nicht verkaufen kann.“ Nur noch rund zehn Prozent der üblichen Mengen werden bei Dressel verkauft.

Rosemarie Busch-Maiwald gehört zu denen, die sich beim Salat zurückhalten. „Aber mir macht das im Moment nicht viel aus. Ich bin bekennender Spargelfan.“ Auf saisonale Gemüse setzt Busch-Maiwald normalerweise, im Winter mehr Gemüse, im Sommer dafür Salat. Aber die Krankenschwester ist vorsichtig geworden.

Jasmin Dressel plädiert dafür, mehr das zu essen, was zur Zeit auch wächst. „Ich brauche keine Erdbeeren zu Weihnachten.“

Kaufverhalten ändert sich

Mehr Spargel verkauft auch der Birkenhof, dafür weniger die drei Salat- und Gemüsesorten, die tagelang in den Medien als EHEC-Träger genannt wurden.

Im Obst- und Gemüseladen entwickelt sich beim Thema EHEC auch gleich eine Diskussion. Eine Kundin erzählt, sie habe gehört, nun seien Rind- und Geflügelfleisch im Verdacht Überträger zu sein. „Was soll man da noch essen?“, ist die übereinstimmende Frage.

Thomas Hahn aus Klein-Zimmern greift bewusst weiterhin zu Salat und Gurken. „Ich kaufe extra bei Obstbau Geibel und nicht im Supermarkt. Hier weiß ich, dass die Produkte aus der Gegend kommen.“ Genauso sieht es Horst-Peter Müller, der gerade den Hofladen des Birkenhofs betritt: „Ich kaufe hier oder im Tegut, da bin ich sicher, gute Ware zu erhalten.“

Auch Firat-Market spürt Kaufzurückhaltung

Die beiden sind aber eher die Ausnahmen, denn auch der Firat-Market im Herzen Groß-Zimmerns spürt die Kaufzurückhaltung. „Dabei kommt bei mir das meiste aus Holland“, sagt Inhaber Resul Tekem und macht auch die Politik für das Desaster verantwortlich.

Einig sind sich Verbraucher und Händler in einem Punkt: Hoffentlich sind Quelle und Überträger des Erregers bald gefunden, damit die Unsicherheit ein Ende hat. Dressel empfiehlt noch: „Man sollte dem eigenen Gefühl folgen und außerdem alles gründlich waschen.“

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