Jens Neumann bietet regelmäßig Sprechstunden im Rathaus an

Ehrenamt im Sozialverband und Spaß am Helfen

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Jens Neumann kennt sich mit Anträgen aus und arbeitet ehrenamtlich für die Gemeinde. Er gibt Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen vieler Art.

Groß-Zimmern - Seit Juni 2015 bietet die Gemeinde Groß-Zimmern einen besonderen Service an. Jeden dritten Mittwoch im Monat können Bürger zwischen 16. 30 und 18 Uhr ins Rathaus kommen und sich Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen holen.

Jens Neumann, stellvertretender Vorsitzender des VdK-Ortsvereins, nimmt sich Zeit für diese aufwändige Arbeit – und es macht ihm sogar viel Spaß. „Es kann jeder kommen, der sich beim Ausfüllen von unterschiedlichen Anträgen schwertut“, sagt Neumann. Dabei könne es sich um Anträge auf Schwerbehinderung, Sozialhilfe, Wohngeld oder die Kontenklärung bei der Rentenversicherung handeln. Neumann ist da Fachmann, er hat viele Fortbildungen des VdK besucht. Zusätzlich ist er noch Behindertenbeauftragter im Bauunternehmen Spie, einem Nachfolger von Hochtief. Dort arbeitet er jetzt noch zu 50 bis 75 Prozent als Schwerbehindertenbeauftragter und den Rest als Servicetechniker. Doch demnächst wird er sich ganz dem Thema Behinderung widmen.

Ein Besuch beim Groß-Zimmerner VdK mit der Bitte um Hilfe nutzt allerdings nur dessen Mitgliedern. Wer keinen VdK-Ausweis vorweisen kann, wird in der Regel auch nicht beraten. Jugendpfleger Tom Hicking kam auf die Idee, eine solche Beratung bei der Gemeinde zu installieren, und man fragte Neumann, ob er sich das vorstellen könnte. „Ich helfe gerne, und mir macht auch das Ausfüllen der Anträge viel Spaß“, sagt er. Selbst im Urlaub nimmt er Bücher zur Materie mit und studiert diese dann fleißig. Deshalb ist er praktisch in allen Themen firm und kann immer auf dem aktuellsten Stand und sachkundig Auskunft erteilten.

Der Service ist für die Bürger der Gemeinde Groß-Zimmern kostenfrei, denn auch Jens Neumann arbeitet ehrenamtlich und kostet die Kommune kein Geld. Auf die Frage, was ihm an dieser trockenen Arbeit – für die meisten ist das Ausfüllen von Anträgen ja eher ein Graus – gefällt, lächelt Neumann erst einmal. „Auch meine Frau kann das nicht verstehen“, bekennt er. „Aber ich freue mich, wenn ich Leuten das Leben ein wenig erleichtern kann.“ In seiner Ausbildung als Service-Techniker hatte er mit der Materie nichts zu tun. „Das fing erst an, als ich selbst krank wurde.“ So ist er auch zum VdK gekommen und entdeckte seine Liebe zum Helfen.

Er hat auch einen Abschluss für die Aufgabe als Betreuer, die er aktuell jedoch nicht ausübt. „Ich müsste sehr viele Fälle annehmen, um davon leben zu können, dann würde mir das keinen Spaß machen.“ Er möchte für seine Klienten Zeit haben. „Vielleicht mache ich das, wenn ich in Rente bin oder im Lotto gewonnen habe.“ Konkrete Zukunftspläne bei der ehrenamtlichen Arbeit hat er dennoch.

Bei der Gemeinde soll eventuell auch noch ein Beauftragter für Barrierefreiheit berufen werden. Nicht nur zur Beratung, dafür würde Neumann noch einen monatlichen Termin auf sich nehmen, sondern auch bei der Sanierung des Rathauses. Das Verwaltungsgebäude soll schließlich nach dem Umbau auch barrierefrei sein.

„Das Helfen liegt bei uns in der Familie“, erklärt der 46-Jährige. Mit seiner Frau in zweiter Ehe hat er insgesamt vier Kinder, hinzu kommen noch zwei Pflegekinder im Alter von drei und zehn Jahren. Die eigenen Kinder sind schon groß, allerdings lebt eine Tochter mit im Haus, und ein Enkelkind haben die beiden auch schon. Viel Zeit für ein Hobby bleibt Neumann neben diesem Pensum an bezahlter und ehrenamtlicher Arbeit kaum. Allerdings schraubt er gerne an seinem Trabi. „Der ist zwar tip-top in Ordnung, aber zu tun ist da immer etwas.“ Eine Grenze zieht Neumann allerdings. Er kommt zur Beratung gerne mal zu Betroffenen nach Hause, wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen nicht ins Rathaus kommen kann. Aber sein Zuhause ist sein „Castle“ und sein Privatbereich, da finden keine Beratungen statt. Außerdem gönnt er sich zweimal im Jahr zusammen mit seiner Frau einen dreitägigen Wellnessurlaub. Für die Pflegekinder sorgt dann der Rest der Familie. (bea)

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