Eigene Hühner sorgen für reichlich frischen Dünger

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Noch wächst der Spargel auf dem Feld. Voraussichtlich wird hier im nächsten Jahr die Auslauffläche für Bio-Hühner sein.

Klein-Zimmern - „Es ist keine spontane Entscheidung, Teile meines Betriebes auf biologische Landwirtschaft umzustellen“, sagt Thomas Schaffer (32) vom Birkenhof. Von Ulrike Bernauer

Schon vor 15 Jahren, beim ersten Besuch der Biofachmesse, keimte die Idee bei dem Klein-Zimmerner Landwirt auf. In den letzten zwei Jahren hat sich Schaffer Junior mit dem Gedanken ernsthaft beschäftigt und nun ist es soweit. 60 seiner insgesamt 150 Hektar Land will er künftig ohne konventionelle Düngung und Spritzung bewirtschaften. Dafür wird er Einen eigenen Betriebszweig gründen, denn der Bio-Verband „Naturland“, dem sich Schaffer angeschlossen hat, verlangt die strikte Trennung von konventioneller Produktion. Schaffer hat sich für den biologischen Betrieb auch einen neuen Partner gesucht, Norman Jaensch (26), mit dem er die Technikerschule besucht hat.

Behutsam will der Klein-Zimmerner die Umstellung angehen, schließlich birgt sie auch ein Risiko. Die Erträge sind geringer als bei konventioneller Bewirtschaftung und das Know-How muss Schaffer erst noch vertiefen. Und bei manchen Kulturen lohnt sich die Umstellung gar nicht. „Erdbeeren werde ich auch weiterhin konventionell erzeugen“, sagt Schaffer. „Die verkaufen wir viel als Selbstvermarkter und ich weiß nicht, ob die Kunden einen Euro mehr bezahlen würden“. Zudem ist der Bioanbau arbeitsintensiver. Da nicht gespritzt wird, müssten die Pflanzen im teuren Folientunnel angebaut werden. Zuckerrüben würde er gerne biologisch anbauen. Aber auch das ist nur mit erhöhtem Arbeitsaufwand machbar. Wird sonst gegen das Unkraut gespritzt, müsste künftig gehackt werden und das rund drei Mal in der Vegetationsperiode. „50 bis 150 Stunden braucht ein Mann für einen Hektar. Darüber, wie ich die Arbeitskräfte organisiere, muss ich mir noch Gedanken machen“. Dass biologische Zuckerrüben gefragt sind, davon ist er überzeugt. Zwei Jahre lang darf der Bauer die Äcker, die für biologischen Anbau reserviert sind, nicht konventionell düngen oder spritzen. Erst dann gelten die darauf erzeugten landwirtschaftlichen Produkte als Bioware - so schreibt es die Erzeugergemeinschaft Naturland vor, die künftig seine Kartoffeln, das Getreide und den Mais vermarkten wird.

Hier geht´s zur Homepage des Birkenhofs in Klein-Zimmern.

Mit diesen drei Produkten will Schaffer auf dem Biomarkt einsteigen. „Die Anfangszeit wird hart. Ich werde weniger erzeugen, kann aber beispielsweise den Weizen in der zweijährigen Übergangszeit nicht als biologisch zu einem höheren Preis verkaufen“, erklärt Schaffer. Allerdings gibt es in der Umstellungsphase Unterstützung vom Land Hessen. 180 Euro pro Hektar erhält der Birkenhof über fünf Jahre. Das Geld ist auch notwendig, denn Bio-Saatgut ist erheblich teurer. „Die Fruchtfolge muss beim biologischen Landbau abwechslungsreicher sein“, berichtet Schaffer. Einen genauen Plan hat er: Wo jetzt Kartoffeln stehen, wird als Zwischenfrucht eventuell Senf gesät, danach Ackerbohnen oder Mais. Wo derzeit Weizen wächst, wird der Landwirt Triticale aussäen, eine Mischung aus Weizen und Roggen. So genannte Leguminosen - also Klee, Lupinen und Erbsen, die den Stickstoff im Boden binden - wird Schaffer als Zwischenfrucht und Dünger wohl häufiger anbauen.

Biologischer Dünger soll auch selber hergestellt werden. Hühner sollen für den Stickstoffdünger sorgen, einen neuen Legehennenstall will er bereits im nächsten Jahr bauen. Neben dem Dünger gibt es so auch noch Bio-Eier und biologische Suppenhühner. „Hier kommt wahrscheinlich die Auslauffläche hin“, zeigt Schaffer auf einen Spargelacker direkt neben dem Hof. Den Spargel will er vorläufig noch konventionell anbauen. „Der ist anfällig für Pilzkrankheiten und muss wenigstens einmal im Jahr gespritzt werden“, erklärt Schaffer. Wenn die Umstellung gelingt, will er auch hier auf biologische Erzeugung umstellen.

Ideen hat der junge Landwirt, der den Hof 2005 von seinem Vater übernommen hat, noch viele. Auch über Biokräuter hat er schon nachgedacht. Da könnte er sich von Prinz Felix Löwensteinberaten lassen, dem Betreiber des naheliegenden Hofguts Habitzheim. Aber das ist noch Zukunftsmusik. „Gestern waren gut vier Stunden lang Kontrolleure hier, die meinen Hof für Naturland und die EU überprüft haben“, erzählt Schaffer. Solche Untersuchungen, die der Landwirt selber bezahlen muss, werden wohl noch häufig auch unangemeldet durchgeführt. „Geschenkt wird einem nichts“, sagt Schaffer und lacht. „Aber Bio ist ein Markt mit Zukunft“, sagt der Klein-Zimmerner Landwirt überzeugt.

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