„Eigenen Urwald den Baulöwen überlassen“

Groß-Zimmern - Zum Thema „Nicht im Schatten des Schornsteins“ vom 16. April erreichte uns folgender Leserbrief:

Wie der lokalen und überregionalen Presse in den letzten Jahren zu entnehmen ist, wollte die „Immobiliengruppe Frankfurt“ an der Ziegelei eine Trabantenstadt bauen, die zum Mittelpunkt des Rhein-Main-Gebietes werden sollte. Geplant war ein Hotel mit Restaurant, Akademie, Wellness-Tempel, Lofts sowie Patiohäuser, Villen und Golf-Lodges mit einer Gesamtinvestitionssumme von 70 Millionen Euro und 200 neuen Arbeitsplätzen.

Wie ich vermute, sollte Herr Beckenbauer persönlich zur Fußballweltmeisterschaft im Jahre 2006 die Anlage einweihen. Die Bauherrschaft dachte wohl, dass wir in Groß-Zimmern in der Steinzeit leben und unsere Hose mit der Beißzange anziehen.

Geradezu märchenhaft waren denn auch Bauleitpläne, die man für die Ziegelei entworfen hatte. Die „Trabantenstadt“ liegt im Außenbereich, was in ganz Deutschland streng verboten ist, da man eine Zersiedlung der Landschaft unter allen Umständen vermeiden will. Um die Außenbereichslage vielleicht zu umgehend, wurde wohl aus taktischen Gründen das Verbindungsstück zwischen dem bebauten Ortsbereich an der Schillerstraße und der Ziegelei, das Gebiet „Im Schlädchen“, im Flächennutzungsplan als Wohn- und Mischgebiet ausgewiesen, was sich allerdings schnell als „undurchführbar“ erwiesen hat. Man hat denn auch diese Bauabsicht rasch wieder ad Akta gelegt - siehe Lokal-Anzeiger vom 20. April 2006.

Mit diesem Dreh könnte man leicht bei jedem ortsnahen Aussiedlerhof eine Trabantenstadt bauen, sagen wir bei der Schneemühle, und damit das gesamte Baurecht der Republik revolutionieren.

Märchenhaft war auch die Tatsache, dass es offenbar niemandem aufgefallen ist, dass in unmittelbarer Nachbarschaft ein Naturschutzgebiet liegt, wodurch es unerlässlich gewesen wäre, eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen.

Dabei muss man wissen, dass die Tongrube eine reiche Fauna und Flora enthält mit Wasserflächen im Innern.

Aus der Sicht der Jäger ist dort denn auch die Kinderstube des ganzen Reviers.

Da sorgt man sich lieber um den Erhalt der Urwälder in Asien und in Südamerika und überlässt den eigenen Urwald vor der Haustür den Baulöwen oder den Heuschrecken.

Mir liegt zum Beispiel ein Ablehnungsbescheid des Kreisbauamtes vom Februar 2000 vor, wo in der Nachbarschaft der Ziegelei eine Zoohandlung mit angeschlossener Tierpension gebaut werden sollte. Da hat man den Antragsteller, ein kleiner Mittelständler versteht sich, mit der geballten Staatsmacht niedergemacht. Dabei war unter anderem auch von Landschaftsschutz, Zersiedlung der Landschaft und neuem Siedlungsdruck die Rede, was allerdings für Trabantenstädte im Außenbereich nicht zu gelten scheint.

Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle Widrigkeiten der Planung an der Ziegelei darzulegen. Ist auch nicht mehr notwendig, da ohnehin völlig neu geplant werden muss, denn der alte Flächennutzungsplan, der Bebauungsplan, die Begründung und der Städtebauliche Vertrag sind mit den Bauabsichten des neuen Investors nicht in Einklang zu bringen.

Zu den Widrigkeiten zählt auch der Denkmalschutz, wenn man den Denkmalswert der Ziegelei mit demjenigen des Seitengebäudes beim ehemaligen Eco-Gelände vergleicht. Ähnlich wie dort hat man an der Ziegelei offenbar ebenfalls versehentlich wochenlang, vermutlich ohne Genehmigung, in aller Ruhe einen Großteil des Bestandes abgerissen, ausgeschlachtet und eine Ruine hinterlassen, was aber niemandem aufgefallen ist.

Man kann ja bei der erforderlichen Neuplanung alles dann besser machen, was bei der bisherigen Planung falsch gelaufen ist. Um die Frage, wer die offenbar illegal abgerissenen Gebäudeteile wieder in den alten Zustand versetzten muss, darum muss sich der Eigentümer oder der Verursacher kümmern.

Roland Buchert,

Dilp.-Ing.

Obermühle

Groß-Zimmern

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