„Ein Burgherr kehrt zurück“

Billy, ein Biber aus dem Spessart, verlor den ungleichen Kampf Biber gegen Auto. Nun tingelt der ausgestopfte Billy (die Präparation erfolgte mit Genehmigung des Regierungspräsidiums Darmstadt) bei Informationsveranstaltungen durch die Lande. Zu sehen war er auch bei einer Veranstaltung der NABU-Ortsgruppe Groß-Zimmern.

Groß-Zimmern ‐ Der Biber breitet sich seit einigen Jahren entlang der hessischen Flüsse wieder aus und wird seit zwei Jahren auch am Reinheimer Teich und an der Gersprenz vermehrt beobachtet. Aus diesem Anlass lud die NABU-Ortsgruppe Groß-Zimmern kürzlich zu einem Vortrag ein, mit dem Titel „Der Biber, ein Burgherr kommt zurück“. Von Ulrike Bernauer

Während der NABU Hessen zusammen mit einer Werbeagentur am vergangenen Wochenende in Frankfurt mit einer eher provokanten Öffentlichkeitsaktion „Der Biber ist zurück“ warb, ging es bei dem Vortrag von Fritz Fornoff vom NABU-Ueberau im Glöckelchen eher sachlich zu.

Zunächst beschrieb Fornoff das lange Miteinander von Biber und Mensch und stellte dann den 25 bis 30 Kilo schweren Biber als größtes Nagetier Europas vor: „Mit bis zu einem Meter Körperlänge und einem dreißig Zentimeter langen Schwanz erreicht er eine beträchtliche Größe“, so Fornoff. Ganz typisch sei der flache Schwanz, die so genannte „Kelle“, die den Biber von Bisam und Nutria unterscheidet. Mit ihr schwimmt der Nager nicht nur, sondern steuert und reguliert seine Körperwärme.

 Besonders angetan zeigte sich der Naturschützer aus Ueberau von dem Biber als Baumeister, denn das Tier gestaltet seinen Lebensraum, die Auenlandschaft, nach eigenem Geschmack. „Der Biber ist ein wirkungsvoller Verbündeter im Einsatz für naturnahe Auen und durch seine Dammbauaktivitäten kehrt eine Dynamik in die Bachtäler zurück, die ansonsten nur mit teurem Maschineneinsatz erreicht werden kann“, hob Fornoff hervor.

Mit eindrucksvollen Bildern wurden einige der vielen Tiere und Pflanzen an Bächen und Flüssen vorgestellt, die davon profitieren, dass aus langweiligen begradigten Bächen wieder viel verzweigte Fließgewässer wurden.

Große Nachkommenschaft: Aus 18 wurden 150

In der Vergangenheit war der Biber in Hessen ausgestorben, in großen Teilen Deutschlands fast ausgerottet. Sein Verschwinden hing mit der intensiven Bejagung zusammen, daneben galt er als beliebte „Fastenspeise“, weil er aufgrund seines geschuppten Schwanzes den Fischen zugerechnet wurde. Aber auch sein dichtes Haarkleid bedingte, dass es ihm ans Fell ging.

Die letzte Meldung eines lebenden Bibers in Hessen stammt aus dem Jahr 1596 von der Gersprenz bei Stockstadt. In ganz Deutschland überlebten bis 1947 nur 100 Tiere an der mittleren Elbe. Die in den letzten beiden Jahren beobachteten Spuren in den Hergershäuser Wiesen und am Reinheimer Teich gehen laut Fornoff auf Nachkommen der in den Jahren 1987 und 1988 achtzehn angesiedelten Tiere im Spessart zurück. Ihre Nachkommenschaft ist bis heute auf fast etwa 150 Biber angewachsen. Von dort geht aller Wahrscheinlichkeit nach die Wiederbesiedlung auch entlang der Gersprenz aus. Hier findet der Biber in den zurück gebildeten Auenbereichen wieder Nahrung. Er frisst mit seinen großen, durch Eiseneinlagerungen gehärteten Nagezähnen - die übrigens niemals aufhören zu wachsen - die Rinde von Bäumen und fällt diese oft auch ganz, um an die frischen Blätter und Zweige der Baumkronen zu kommen. Das übrige harte Holz verwendet der Bauherr für die Errichtung seiner Staudämme oder Burgen. Im Sommer fressen Biber auch Ufer- und Wiesenkräuter, für den Winter legen sie sich unter Wasser „Holzlager“ an, denn sie halten keinen Winterschlaf.

Im Laufe seines Vortrages zeigte Fornoff nicht nur Bilder vom Lebensraum, sondern auch Fraßspuren aus den Hergershäuser Wiesen und vom Reinheimer Teich.

Besonders interessant waren Schilderungen von Beobachtungen einiger Jungbiber an der Gersprenz, die er auch im Bild festhalten konnte. So scheint der Biber zumindest von einigen Bereichen der Gersprenz als Lebensraum angetan, wenn auch seit letztem Frühjahr kein Tier oder entsprechende Spuren mehr direkt am Reinheimer Teich zu sehen waren. Die Naturschützer hoffen, dass die natürliche Ausbreitung weiter vorangeht und die Jungbiber im Alter von zwei Jahren, wenn sie die Eltern verlassen, sich neue Reviere in der Region erobern.

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