„Gegen Ausbeutung“

Sternsinger bereiten sich auf ihre Aussendung vor

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Von den indischen Gemeindeschwestern lernten die Teilnehmer einen fröhlichen Tanz. 

Groß-Zimmern - Es wurde getanzt, gesungen, gemeinsam gespeist und ein Film angeschaut. Was sich erst mal nach Vergnügen anhört, war nebenbei aber auch Arbeit.

Am Dienstagnachmittag bereiteten sich die Sternsinger dieses Jahres im katholischen Pfarrzentrum auf ihre Aussendung vor. Insgesamt 25 Kinder und Jugendliche wollen in Groß-Zimmern am Freitag und Samstag an die Türen klopfen, das Segenszeichen an die Tür malen und um eine milde Gabe bitten. In Klein-Zimmern werden am Samstag 14 Kinder von Haus zu Haus ziehen. „Gemeinsam gegen Ausbeutung“ ist das Motto der diesjährigen Sternsinger-Aktion; im Wesentlichen geht es um Kinderarbeit in Indien, das sozusagen als Beispielland fungiert.

Die Sternsinger begannen den Aktions-Nachmittag mit einem Kennenlern-Spiel.

Über Kinderarbeit konnten sich die Zimmerner Sternsinger anhand eines Filmes informieren. Indien ist das Land, in dem die meisten Kinderarbeiter anzutreffen sind, es sind über 60 Millionen. Jungen arbeiten oft im Steinbruch, Mädchen knüpfen Teppiche oder stellen Modeschmuck her. Die meisten dieser Kinder sind noch nie in eine Schule gegangen. Die Groß-Zimmerner Kinder lernten über den Film die achtjährige Nitu kennen, die Glasringe zusammenschmilzt. Diese Tätigkeit verrichtet sie von 5 bis 20 Uhr. Nitu begann mit sieben Jahren zu arbeiten, als ihr Vater gestorben war. Er wurde durch die schädlichen Dämpfe krank, die das Mädchen nun auch täglich einatmet.

Bevor sich die Zimmerner Kinder den Film anschauten, wurden sie gefragt, wie viel sie denn arbeiten, beispielsweise im Haushalt, um ihren Eltern zu helfen. Sie teilten sich selbst in vier Gruppen auf: In jene, die täglich helfen, jene, die wöchentlich eine Aufgabe übernehmen und dann gab es noch welche, die seltener etwas im Haushalt erledigen. Finn (11) ist wohl einer der Jungen, der am meisten arbeitet. Er deckt den Tisch, räumt auf und macht den Abwasch. Für letzteres braucht er eine Stunde. Dagegen ist das Fische füttern, für das er zwei Minuten täglich veranschlagt, eine kurzweilige Arbeit.

Salma lebt auf dem Land in Indien, auch sie muss arbeiten. Sie ist schon älter und hat das Glück, nur einen halben Tag Teppiche zu knüpfen. Sie kann vormittags zur Schule gehen, die durch Sternsinger-Aktionen gegründet wurde. Ihre Mutter wird ebenfalls unterstützt und kann es sich deshalb leisten, ihre Tochter in die Schule zu schicken. Die Kinder müssen sonst arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen, die sonst nicht einmal genug Geld für die tägliche Nahrung hätten. Salma arbeitet montags bis samstags den ganzen Nachmittag bis in den Abend. Sonntags ist keine Schule, dann knüpft sie den ganzen Tag Teppiche.

Dieses Schicksal ist den Zimmerner Kindern erspart geblieben. Lilly hilft ab und zu, sie räumt die Spülmaschine aus und deckt den Tisch. „Ich helfe vier bis fünf Stunden im Monat“, verriet die Neunjährige. Luka (8) verrichtet ähnliche Arbeiten, er verbringt eine halbe Stunde in der Woche im Haushalt. Bei seinem Namensvetter Luca kommt noch das Rasenmähen hinzu.

Die Zimmerner Kinder sahen den Film sehr aufmerksam und halfen später ohne Murren, die Stühle und Tische für ein gemeinsames Essen aufzustellen und die Tische zu decken. Nach dem Essen – die indischen Schwestern hatten indischen Gemüsereis, Kichererbsen und Fladen gekocht – spült jedes Kind seinen Teller ab.

Viele der Kinder kennen sich schon aus der Gemeinde und von Sternsinger-Aktionen der vergangenen Jahre. Einige haben vor etlichen Jahren als Knirpse begonnen und werden am Wochenende dieses Mal ihre Gruppe führen. Zu Beginn des Nachmittags machten die Teilnehmer Kennenlern-Spiele, studierten Lieder ein und fanden sich dann in den Gruppen zusammen, die von Haus zu Haus ziehen. Und auch Bewegung war angesagt: Die indischen Gemeindeschwestern leiteten einen Tanz aus ihrer Heimat an. (zba)

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