Einem Hund schaut man ins Maul

Groß-Zimmern - (bea) „Alle Kandidaten haben heute ihre Körung bestanden“, sagt Ingrid Heinz, Leiterin des Vereins für deutsche Schäferhunde Groß-Zimmern Mitte. Das bedeutet, dass die geprüften Hunde für die Zucht zugelassen wurden. Die 17 angetretenen Prüflinge waren Neulinge und wurden folglich bei der ersten Prüfung für zwei Jahre gekört. Danach dürfen sie für zwei Jahre in der Zucht eingesetzt werden.

Aktuell ist kein Zimmerner Vierbeiner auf dem Platz des Schäferhundevereins. Aus ganz Hessen kommen die Rüden und Hündinnen dieser typisch deutschen Rasse. „Bei uns im Verein haben zehn Hunde die Körung schon absolviert“, erklärt Heinz. Auch zwei ihrer Lieblinge sind zur Zucht zugelassen, „Nell von der Sandkautschneise“ und „Jasso vom Schiewer“. „Mein Vater hat noch selber gezüchtet“, sagt Heinz, „mir fehlt leider die Zeit dazu“.

Körmeister Karl-Heinz Cygadto aus Bürstadt ruft die Nummer sechs auf den Platz. Christoph Lohnes aus Reichelsheim führt „Susi vom Michelstädter Rathaus“ vor. Als erstes will der Körmeister einen Blick auf die Zähne der Hündin werfen, was dem Tier offensichtlich nicht sonderlich gefällt. Dann begutachtet Cygadto die Tätowierung im Ohr und betrachtet den Hund im Ganzen. Lohnes trabt danach mit „Susi“ noch zwei Runden um den Platz, dann hat die Hündin ihre lebenslange Körung.

Bei der ersten Prüfung erhalten die Hunde eine Zuchtzulassung für zwei Jahre, nach Ablauf dieser Frist können sie erneut vorgestellt werden. Sind sie dann wieder erfolgreich, dürfen sie lebenslang zum Züchten eingesetzt werden.

Auch „Ariel von Oxalis“ und „Atlanta“ bestehen vor den strengen Augen von Körmeister Cygadto.

Rund 80 Zuchtbetriebe gibt es in Hessen, weiß der Besitzer von Atlanta, der Landesgruppenzuchtwart Rüdiger Mai, zu berichten. Körungen werden noch einige im Laufe des Frühjahrs und des Sommers in Hessen stattfinden. Bei mancher dieser Prüfungen wird das Gebelle noch wesentlicher lauter ausfallen. „Witterungsbedingt wurden heute nicht allzu viele Hunde vorgestellt“, sagt Mai. „Es gab zu wenig Zeit zum Trainieren“.

Bevor ein Schäferhund zur Körung zugelassen wird, muss er eine Wesensprüfung, die Schutzhundprüfung und eine Schaubewertung erfolgreich absolviert haben. Körmeister Cygadto hat einige Jahre Ausbildung auf dem Buckel und befindet sich damit in illustrem Kreise. Lediglich 40 Körmeister für Schäferhunde gibt es weltweit. Deshalb ist Cygadto auch in der ganzen Welt unterwegs. „In der nächsten Woche habe ich einen Termin in Zagreb“, sagt er.

Die Hündin „Atlanta“ ist jedenfalls froh, dass der Blick ins Maul vorüber ist. Freudig rennt sie noch zwei Runden um den Platz und folgt dann schwanzwedelnd dem Ruf ihres Herrchens.

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