Ferienaktion im Wald - ganz nach eigenen Vorstellungen der jungen Teilnehmer

Einfach spielen, ohne Programm

Anne Storm (links) zeigt, wie man aus Haselnusszweigen und Schnur einen Bogen baut, sondern auch wie man damit umgeht.

Groß-Zimmern J Nach zwei Wochen Ferienspielen im Jugendzentrum war erst einmal Pause und die meisten Familien mit Kindern waren im Urlaub. In dieser Woche gab es für die Daheimgebliebenen wieder Programm. Von Ulrike Bernauer

Die Waldschule hatte zu Ferienspielen im Zimmerner Forst eingeladen und 13 Mädchen und Jungen waren dabei.

Gar nicht so leicht zu finden waren die Kinder im Wald. Etwas abseits von den Wegen hatten sie ein Lager aufgebaut, eine Zeltplane schützte das kreisrunde Sofa vor Regen. Das war auch nötig, denn am Dienstag um die Mittagszeit regnete es tatsächlich. Dem großen Lager, in dem geschützt unter der Plane auch die Rucksäcke der Kinder lagen, wurden noch zwei kleinere hinzugefügt - eins für Mädchen und ein anderes für Jungen. Evelyn zerrte einen größeren Ast aus dem Gebüsch, er sollte die Sitzgelegenheit erhöhen, auf der sie neben Nilofar, Sofie und Kathleen für ein Foto Platz nahm. Noch war das Sofa etwas unbequem, aber schließlich befand es sich im Aufbau und die Mädchen hatten noch einige Tage Zeit, ihr Lager bequemer zu machen.

Eine kleine Barriere, ebenfalls aus Stöcken, hatten die Mädchen zwischen ihrem und dem Jungenlager errichtet, so dass ein Junge erst einmal ganz höflich symbolisch an die Tür klopfte. Zutritt für die Vertreter männlichen Geschlechts gab es nur nach Aufforderung der Mädchen.

Während die beiden Gruppen am Anfang ein wenig uneins waren, hatten sie sich nach kurzer Zeit wieder angenähert und zwar so weit, dass Evelyn einen größeren Ast, den sie übrig hatte, sogar ins Jungenlager schleppte und sozusagen verschenkte.

Zu Besuch kam auch Lotte. Die Mischlingshündin von Erzieherin und Betreuerin Claudia Wiedling hatte in dieser Woche viele Frauchen und Herrchen. Die meisten Kinder waren ganz wild drauf, mit Lotte an der Leine durchs Camp zu laufen. Lotte wollte allerdings nicht lange bleiben und nahm mit Vorliebe vom Mädchenlager aus den stacheligen Weg durch die Brombeeren.

Während die Mädchen am Lager bauten, waren Paul, Nico und Nicklas mit anderen Aufgaben beschäftigt. Sie bastelten Waffen: Pfeil und Bogen und einen Speer hatten sie bald fertig. „Wir fühlen uns bedroht“, sagten sie und deuteten auf zwei andere Jungen. Die Streitigkeiten lösten sich aber schnell auf.

Claudia Wiedling und Anne Storm, Lehramtsstudentin und Referentin an der Waldschule, hielten sich meist im „Basislager“ auf. Sie hatten sich zwar auch Spiele und Themen ausgedacht, die sie mit den Kindern durchführen wollten, aber die Hauptsache war, „die Kinder selber machen zu lassen“.

In der Tat kamen die meisten ohne Vorgaben und Ansprache aus und waren sehr zufrieden damit, Lager zu bauen oder sich einfach im Wald aufhalten zu können.

„Wir haben uns ein Programm überlegt, aber die Kinder haben eigene Vorstellungen. Und wir finden es viel besser, wenn sie die verwirklichen können.“

Sofie und Nikolas suchten hingegen auch die Ansprache. Sofie, die nach den Sommerferien in die Schule kommt, wollte wissen warum der Habicht das Eichhörnchen jagt. „Der frisst das auf“, erklärte Wiedling, „und er kann nicht wie wir in den Supermarkt zum Einkaufen gehen.“ Auch Nikolas saß gerne bei den Betreuerinnen und malte ein wenig.

Nils hatte einen verantwortungsvollen Job. Er war die Schnitzpolizei und achtete darauf, dass die Regeln mit dem Schnitzmesser eingehalten wurden. „Es darf nicht im Stehen geschnitzt werden und die Schneide des Messers muss immer vom Körper weggehalten werden. Ich sehe es eigentlich immer, wenn jemand sich nicht dran hält“, sagte Nils.

Fünf Tage dauerten die Ferienspiele im Wald und angeboten wurden sie von der Waldschule.

Wichtig war es Claudia Wiedling auch, dass die Ferienspiele der Waldschule finanziell gefördert wurden.

Die Woche lief unter dem Bildungsprogramm des Naturschutzprojektes Messeler Hügelland, Zuschüsse gab es vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das wiederum das Geld von der Lottostiftung erhalten hat.

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