Janek Gola, ein „Schwarzer“ beim Naturschutzbund NABU

„Einzige echte Opposition“

Wichtigstes Organ Groß-Zimmerns ist die Gemeindevertretung. Hier werden Planungen für die Entwicklung der Gemeinde diskutiert und Beschlüsse zu deren Umsetzung gefasst. Wer sind die 37 Gemeindevertreter? Der LA stellt die Kommunalpolitiker in lockerer Folge vor.

Groß-Zimmern - „Die letzte Kommunalwahl hat gezeigt, dass die Leute mich nicht als Bürgermeister wollen, sehr wohl aber als Gemeindevertreter – also als jemanden, der die Verwaltung überwacht“, sagt Janek Gola. Von Ulrike Bernauer

Kurz vor der Wahl hatte er die CDU verlassen, der er fast 20 Jahre angehörte.

Janek Gola ist 60 Jahre alt, in Groß-Zimmern geboren und aufgewachsen. Nach dem Realschulabschluss lernte er Werkzeugmacher und Industriekaufmann bei der Firma Sigamtechnik, 1977 machte er sich selbständig mit einem Schreibwarengeschäft. Mitte der 90er-Jahre übernahm er die Leitung des Fahrradladens „baisikl“, die er heute noch innehat.

Gola ist in zweiter Ehe verheiratet mit Marina Gola-Richter, Inhaberin des Fahrradladens und Geschäftsführerin in einem metallverarbeitenden Betrieb. Aus erster Ehe hat der Kommunalpolitiker zwei Töchter.

Er hat sein Hobby praktisch zu seinem Beruf gemacht. Gola ist begeisterter Radfahrer. „Ich lege mit dem Fahrrad jährlich mehr Kilometer zurück als mit dem Auto, und ich war der erste Mountainbikefahrer hier in der Gegend in den 80er Jahren.“ Dabei ist es gar nicht sein Ding, auf der Straße zu fahren und möglichst viele Kilometer zu radeln. „Ich fahre lieber in Wald, Feld und Flur und kenne deshalb auch die nähere Umgebung in- und auswendig.“

Auch außerhalb der Politik liegt ihm der Umweltschutz am Herzen. „Ich bin vermutlich der einzige Schwarze im Naturschutzbund NABU“, sagt er lachend. Außerdem ist ihm die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche und den Vereinen wichtig, er ist beim Athletenverein, bei der Chorgemeinschaft, dem Kerb- und dem Gewerbeverein, wie auch dem Odenwaldklub und dem Orgelförderverein.

Anfang der 90er Jahre trat Gola in die CDU ein und wurde auch relativ bald, bei der Kommunalwahl im Jahr 1993, in die Gemeindevertretung gewählt. „Ich bin damals in der Partei gelandet, in die ich gehört habe“, sagt er im Rückblick. Zeitweilig saß er für die CDU auch im Kreistag, war Fraktionsvorsitzender in Groß-Zimmern und vertrat die Gemeinde in Zweckverbänden, wie dem für Abfall- und Wertstoffeinsammlung (ZAW) sowie dem Gruppenwasserwerk.

2010, nach knapp 20jähriger Mitgliedschaft, verließ er die CDU. „Weil sie zu weit nach links und hin zu multi-kulti gerückt ist. Die Partei hat eigene kulturelle Werte und Einstellungen dem Mainstream geopfert und steht jetzt da, wo früher die SPD war.“ Bei einem Kongress Christlicher Arbeitgeber lernte der Zimmerner die AUF-Partei (Arbeit, Umwelt, Familie) kennen und war dann Mitbegründer des hessischen Landesverbandes, um bei der Kommunalwahl antreten zu können.

Kritisch sieht Gola die „Rundumbetreuung“ von Kleinkindern in Kitas. „Das muss für erwerbstätige Eltern angeboten werden, aber auch weil die Entwicklung in der Gesellschaft schief läuft. Die Kommune muss, koste es was es wolle, eine U3-Betreuung in Zimmern anbieten, ohne dass der Staat sich ausreichend an der Finanzierung beteiligt“, meint er. „Außerdem stört mich der Standort, an dem der neue Kindergarten gebaut werden soll. Wir versprechen den Jugendlichen seit zehn Jahren eine Begegnungs- und Sportstätte auf dem Festplatz. Jetzt werden sie zugunsten der Pampersfraktion benachteiligt.“

Gola ist der Meinung, dass man die zusätzlichen Betreuungsplätze auch an andere Kindertagesstätten hätte andocken können oder dass an anderer Stelle Plätze geschaffen werden könnten.

„Ich bin ein absoluter Befürworter einer schienengebundenen Anbindung nach Darmstadt. Da wurde in der Vergangenheit vieles falsch gemacht. Wir können auch beim Thema Verkehr nicht einfach die Augen verschließen, weiterhin Flächen und fossile Brennstoffe verschwenden und den Menschen immer mehr Belastungen zumuten.“ Wichtig ist für ihn auch in der politischen Arbeit der Umwelt- und Naturschutz. Er begrüßt die Renaturierung der Gersprenz und des Erbsenbaches. „In der Brut- und Setzzeit hätte ich gerne eine Anleinpflicht für Hunde.“

Die Zusammenarbeit zwischen der AUF, der FDP und den Freien Wählern in der FFA-Fraktion (die drei Parteien haben sich zusammengeschlossen, um Fraktionsstatus zu erhalten und damit auch in den Ausschüssen und dem Gemeindevorstand stimmberechtigt zu sein) läuft nach seiner Ansicht gut.

„Ich würde uns derzeit als einzige echte Opposition in Groß-Zimmern bezeichnen.“

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