Vorübergehende Nutzung der Wilhelm-Leuschner-Straße als Unterkunft für Asylbewerber

Einzug frühestens Ende April

Groß-Zimmern - Nachdem die Sozialwohnungen im alten Schulhaus in der Wilhelm-Leuschner-Straße geräumt wurden, hat der Landkreis das Gebäude erworben. Der Kreis als Schulträger will es für die Ganztagsbetreuung der Friedensschule nutzen. Von Gudrun Fritsch

Da die Planung noch einige Zeit dauern wird, sollen hier vorübergehend bis Jahresende Asylbewerber einziehen (wir haben berichtet).

Mit dem Beginn der Umbauarbeiten sei frühestens Anfang 2013 zu rechnen, so Schuldezernent Christel Fleischmann. „Zu 100 Prozent steht fest, dass die Asylbewerber bis Jahresende wieder ausziehen werden und dass an den Plänen für die Ganztagsschule festgehalten wird“, betonte Kreispressesprecher Frank Horneff.

Darauf hoffen auch die Eltern und das Kollegium der Friedensschule. Leiter Axel Pucknat berichtet, dass ab dem kommenden Schuljahr die pädagogische Mittagsbetreuung (PäM) auf montags bis donnerstags von 7.30 bis 14.30 Uhr und freitags bis 14 Uhr erweitert wird.

„Für die Anforderung nach dem Profil zwei, das bis 16 Uhr geht, fehlt uns voraussichtlich auch in den kommenden drei Jahren noch Geld und Personal“, erklärt Pucknat und ergänzt: „Wir wollen ab dem kommenden Sommer auf 40 Plätze erhöhen und rechnen mit einem regelrechten Run.“ Bei rund 300 Schülern ist das sehr wahrscheinlich. Pucknat hofft auch, dass die Asylbewerber im Altbau „vernünftig untergebracht“ werden.

Zuständig hierfür ist Thomas Koch, Leiter des Amtes für Zuwanderer und Flüchtlinge im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Der Kreis ist verpflichtet, in diesem Halbjahr 92 Menschen, die einen Antrag auf Asyl gestellt haben, neu aufzunehmen. Danach wird die Quote wieder neu berechnet, der Schlüssel basiert auf der Größe der Gebietskörperschaften.

Die 240 Betten in Alsbach-Hähnlein, Eppertshausen, Groß-Umstadt, Roßdorf und Pfungstadt sind belegt, weitere 270 Personen sind derzeit in Privatwohnungen oder Appartements untergebracht.

„In den nächsten Tagen werden wir die Wohnungen herrichten“, berichtet Koch dem LA auf Anfrage. Heizung und Wasserversorgung müssten gesichert werden und Möbel hinzu kommen. Wer hier einziehen wird, das wisse auch er noch nicht. Frühestens sei in drei bis vier Wochen mit den ersten Bewohnern zu rechnen.

„Die Zuweisung läuft über das Regierungspräsidium. Auch ich erfahre erst wenige Tage vorher, wie viele Flüchtlinge kommen und woher sie sind.“ Größtenteils sind die Asylantragsteller aus Afghanistan, Pakistan, Iran oder Irak. Nach ihrer Ankunft werden sie mit dem Ort und den Gepflogenheiten vertraut gemacht. „Wir sind bemüht, die Menschen möglichst verträglich einzuteilen“, berichtet Koch. Familien sollen zusammen bleiben, wenn mehrere Personen einen Raum bewohnen, sollen sie möglichst eine gemeinsame Sprache haben und natürlich werden Männer und Frauen getrennt untergebracht.

In der Wilhelm-Leuschner-Straße soll eine der acht Wohnungen als Büro genutzt werden. Hier werden von Sozialarbeitern und Pädagogen ein- bis zweimal wöchentlich Sprechstunden angeboten. Ein Deutsch-Sprachkurs ist für die Flüchtlinge nicht vorgesehen. „Solange die Menschen als Asylbewerber gelten, werden keine Integrationsmaßnahmen angeboten“, bestätigt Koch mit Bedauern.

Lediglich ein Orientierungskurs wird durchgeführt, der einen Spracherwerb auf niedrigem Niveau und Basiswissen über das Gastland vermittelt. Die Flüchtlinge erhalten 196,85 Euro monatlich, davon müssen sie leben. „Erfahrungsgemäß haben viele bereits Bekannte in der Umgebung und man hilft sich gegenseitig“, so Koch. Die Kinder sind natürlich schulpflichtig. Ab der fünften Jahrgangsstufe gibt es für sie in Dieburg Intensivklassen, Grundschüler besuchen die Regelschulen vor Ort. Ob und wie diese Kinder im Unterricht integriert werden, das ist Aufgabe des Staatlichen Schulamtes.

Man sei bemüht, in der Not zu helfen, berichtet Schulleiter Pucknat. Ebenso wie Koch vertraut auch er darauf, dass die Nutzung der Wilhelm-Leuschner-Straße für die Ganztagsschule unverändert voran getrieben wird.

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