„Ziegelei“ bald nur noch auf dem Schild

Einzug zur Weihnacht?

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Die Fassade mit den Kunstwerken von Well Habicht bleibt zwar erhalten, aber zahlreiche, teils durchaus gelungene Graffiti-Werke gehen mit dem Abriss für immer verloren.

Groß-Zimmern ‐ „Ich bin immer wieder überrascht: Jeden Tag ändert sich das Gelände ein stückweit aufs Neue“, sagt Projektentwickler Christian Früchtenicht über die Erschießung der Alten Ziegelei. Drei Bagger, zwei riesige Radlager eine Brechmaschine sowie ein halbes Dutzend Arbeiter sind dieser Tage für dem Konsortium Früchtenicht/Aumann im Einsatz, um vor den Toren der Gemeinde die Grundlagen für ein neues Wohngebiet zu schaffen. Von Michael Just

Nach der Sprengung der beiden tonnenschweren Schornsteine Ende März sind die Überreste der Riesen und des Fabrikgebäudes beseitigt. Zu sehen ist nur noch die Backstein-Fassade, die hauptsächlich wegen der integrierten Klinker-Werke des Darmstädter Künstlers Well Habicht aus Denkmalschutzgründen erhalten bleibt.

Ganz verschwunden sind die Schornsteine und die Fabrik aber nicht: „Die liegen jetzt da hinten“, sagt Früchtenicht und deutet auf mehrere meterhohe Hügel mit kleinen, „handlich“ geschredderten Steinen. Als Fundament für den Straßenbau im Neubaugebiet kommt ihnen bald eine passende, kostensparende Weiterverarbeitung zu, bei der zudem der Abtransport eingespart wird. „Wir liegen gut im Zeitplan, maximal ein bis zwei Wochen hintendran. Gemessen an der Gesamtdauer der Baustelle ist das nicht viel.“ Wer sich mit den Einzelheiten des „Fahrplans“ beschäftigt, merkt schnell, dass für die Arbeiter Leerlauf ein Fremdwort ist.

Dafür sorgt schon der alte Boden der Ziegelei: 25 000 der 35 000 Quadratmeter sind mit bis zu 20 Zentimeter dicken Stahlbetonplatten versiegelt, die zum Entfernen gebrochen werden müssen. Ein Bagger meiselt dazu Löcher in den Grund, in die die großen Baggerlöffel greifen.

Anschließend kennt der Radlader nur ein Ziel: Ab damit als „Futter“ zur Brechmaschine, die knirschend viele kleine Steine auswirft und zusätzlich noch das verbaute Altmetall trennt.

Ende der nächsten Wochen beginnen die eigentlichen Erschließungsarbeiten. Als erstes erhält die Darmstädter Straße eine Abbieger-Spur zur Ziegelei, ähnlich wie beim Golfplatz. Verschiedene Versorgungsleitungen werden vom Kreisel her durch einen Graben an der „Darmstädter“ herangeholt. Später wird das neue Baugebiet gleich von zwei Kanälen bestimmt: Einer bringt Schmutzwasser zur Kläranlage, ein anderer Regenwasser ins nahe Naturschutzgebiet.

Damit werden die Vorstellungen von NABU und Gemeinde für ein Mischbiotop umgesetzt.

„Nach wie vor soll die Erschließung bis Oktober fertig zu sein. Das Schaffen wir“, sagt Kevin Aumann von der zuständigen Babenhäuser Tiefbaufirma zuversichtlich. Demnach könnten erste Häuslebauer eventuell schon vor Fertigstellung der Erschließungsarbeiten loslegen – sofern die Gemeinde hinsichtlich der Baugenehmigung mitspielt.

In der Regel gibt es laut Aumann diesen Stempel erst nach kompletter Fertigstellung. Sei die durch den Bauträger zu hundert Prozent gewährleistet, stehe dem Antrag, hier oder da schon einen Keller zu gießen, eigentlich nichts im Weg.

„Läuft alles so weiter, könnten Weihnachten bereits die ersten Hausbesitzer einziehen“, stellt Aumann in Aussicht. Der Verkauf der Grundstücke verläuft positiv. Drei bis fünf ernst zu nehmende Gespräche mit Interessenten gibt es derzeit wöchentlich. Von den 46 freistehenden Eigenheimen sind bereits über 30 verkauft.

Die Fassade des alten Fabrikgebäudes soll als „I-Tüpfelchen“ in ein Mehrfamilienhaus integriert werden. „Mit Glas und Stahl sind schmucke Dinge möglich“, so Aumann. „Schmuck“ soll auch auf das gesamte Neubaugebiet zutreffen. „Ich habe noch keinen Bebauungsplan gesehen, in dem die Natur so groß geschrieben wurde.“ Dünn besiedelt weise er wenig versiegelte Fläche auf und zahlreiche Bäume, die extra gepflanzt werden. Damit habe der Planer die Vorgaben umgesetzt, oder wie Früchtenicht es formuliert: „Es galt, mit einem fließenden Übergang keinen Strich zwischen Mensch und Natur zu machen.“

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