Halbjahreszeugnisse:

Eltern sollten nicht zu viel erwarten

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Los geht"s: In der Klasse 4c schauen sich alle Kinder gleichzeitig ihre Zeugnisse an.

Groß-Zimmern - Am Freitag war es mal wieder soweit. An den Schulen des Landes wurden Halbjahreszeugnisse verteilt. In der Regel sind Schüler und Eltern über die schulischen Leistungen informiert, so dass es selten zu bösen Überraschungen kommt. Von Gudrun Fritsch 

Wer sich an die eigene Schulzeit erinnert, weiß noch, dass es teilweise ausgeklügelte Belohnungssysteme für gute Noten gab. Waren aber zu viele Fünfer oder gar Sechser im Zeugnis, gab es Ärger. Wir fragten den Leiter der Friedensschule, Axel Pucknat, wie das heutzutage läuft. „Wir wissen, dass es Geld für gute Noten gibt, sind davon aber nicht begeistert“, sagt er. Den Eltern werde eher dazu geraten, „etwas Schönes“ mit ihren Kindern zu unternehmen. „Im vierten Schuljahr geht es jedoch um den Übergang zur weiterführenden Schule, da werden allerdings manche Eltern erst wach.“ Er glaubt, dass die Noten in der Grundschule gar nicht so schlecht sind. „Eine Drei ist ganz in Ordnung, aber häufig sehen Eltern nur Einser und Zweier als gut an“, erzählt der Pädagoge. Der Druck, der aufgebaut werde, entstehe oft durch die Erwartungen der Eltern. „Das Kind könnte mit der Note ganz gut leben, bekommt aber vermittelt, nicht zu genügen“, gibt er zu bedenken. Ein richtig schwarzer Tag sei die Zeugnisausgabe aber gewiss nicht.

Entsprechend entspannt verläuft die Zeugnisvergabe auch in der Klasse 4c von Konrektorin Christine Rohn. „Die Kinder kennen eigentlich ihre Noten. Wir machen es immer so, dass ich die Zeugnisse für alle verkehrt herum auf den Tisch lege und auf Los dürfen die Schüler das Blatt dann wenden“, beschreibt sie. Und tatsächlich, ruhig und diszipliniert warten alle auf das Zeichen. Nach der kollektiven Wendeaktion sehen sie dennoch zur Kontrolle ihre Zeugnisse an. Fast überall sieht man in freudige Gesichter und hier und da gibt"s ein leises Nicken und die selbstkritische Äußerung: „Ja, da muss ich mich noch etwas anstrengen.“

Das Für und Wider von Notengebung sei auch Diskussionsthema im Kollegium, berichtet Pucknat. An der Friedensschule gibt es ab der zweiten Klasse in den Unterrichtsfächern die Einstufungen von „sehr gut“ bis hin zu „ungenügend“. Nur die Kopfnoten, die Auskunft über das Sozial- und Arbeitsverhalten der Schüler geben, werden nicht mit einer schlichten Eins oder Zwei eingestuft, sondern erhalten eine verbale Beurteilung. Diese textliche Beschreibung der Leistungen und Fähigkeiten von Kindern fänden jedoch insbesondere bei den Eltern wenig Resonanz, so die Kritik vieler Lehrer. Der Schulleiter selber ist zwar der Meinung, dass die Beschreibungen wesentlich mehr aussagen, aber wahrscheinlich werde man auch hierfür bald wieder traditionelle Noten vergeben.

Zufrieden ist Pucknat mit den bisherigen Lösungen beispielsweise für den Deutschunterricht. Es gibt Vorlagen für die Kommentare zur Note, die dem Zeugnis beiliegen. Viele Schulen beschränken sich auch dabei auf wenige Kompetenzbereiche. „Wir machen uns noch die Arbeit und gliedern die Beurteilungen etwa für die Bereiche wie Schreiben, Lesen und Rezipieren, Sprechen und Zuhören oder Sprache nach breit gefächerten Kriterien“, sagt der Rektor.

Für Pucknat endet die Schulzeit mit dem kommenden Schuljahr. „Auch ich wurde vom Kultusminister angeschrieben und gefragt, ob ich nach meinem Renteneintritt weiterarbeiten könnte“, sagt der 64-Jährige. (Ein Bericht über die Lehrerversorgung an der Grundschule folgt). Er habe sich entschieden, das Schuljahr noch zu beenden und bis zum Sommer 2018 zu arbeiten. „Damit bin ich ein paar Monate über der Zeit“, sagt er lächelnd. Zum einen hofft Pucknat, die Friedensschule dann einer kompetenten Nachfolge übergeben zu können und zum andern will er gerne selber die Wiedereröffnung des alten Schulhauses und die Neugestaltung des Pausenhofs übernehmen. „Darauf freue ich mich schon sehr lange.“

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