Emotionen gegen das Vergessen

+
Fast in allen Landkreisgemeinden sind inzwischen Gruppen der IG-Demenz tätig.

Groß-Zimmern - Längst ist es bekannt und die demographischen Untersuchungen bestätigen es: wir sind eine alternde Gesellschaft. Mit dieser Entwicklung einher geht die Zunahme der Demenzerkrankung mit ihren verschiedenen Erscheinungsformen. Von Gudrun Fritsch

Die Demenz zeigt sich zunächst an örtlicher und zeitlicher Desorientierung; ganz allmählich beginnt das große Vergessen. Namen und Gesichter selbst nahestehender Personen gehen verloren, ebenso die vertrauter Dinge. Im fortgeschrittenen Stadium macht der Verlust aller kognitiven Fähigkeiten eine selbstständige Teilnahme am normalen Leben unmöglich.

Aufhalten kann man die Krankheit nicht - im besten Fall verzögern. Aber man kann die betroffenen Menschen adäquat begleiten. Der Prozess der Demenz schreitet fast immer langsam fort. Es gilt auch hier eine Art Barrierefreiheit zu schaffen, die Betroffenen so lange es geht an den schönen Dingen des Lebens teilhaben zu lassen und so ihr Leben und auch das ihrer Angehörigen zu bereichern. „Wir wollen in der Gesellschaft ein größeres Bewusstsein für das Krankheitsbild schaffen“, meint Angelika Seidler beim Pressegespräch im Demenzservicezentrum. Die Mitbegründerin des fünf Jahre alten „Lichtblicks“ in Groß-Umstadt hat deshalb mit weiteren sechs Gruppen eine Wanderausstellung erarbeitet.

Auch einige junge Menschen versuchten ihre Erfahrung mit Demenz kreativ umzusetzen.

Um ihr Bemühen auch im Bereich der Kunst zu intensivieren, wurde nach dem Motto des diesjährigen Weltalzheimertages „Demenz - nicht nur ein Wort“ in den letzten Monaten ein Gemeinschaftsprojekt des Groß-Zimmerner Zentrums und der IG Demenzbetreuung durchgeführt. Im Vordergrund stand das künstlerische Schaffen dementiell erkrankter Menschen sowie ihrer Betreuer um den verschiedenen Perspektiven Ausdruck zu verleihen. Die kreative Tätigkeit von psychisch Kranken hat seit Jahrzehnten einen festen Platz in der Kunstwelt. Wenig bekannt war bisher, dass auch Menschen mit Demenz in der Lage sind, über künstlerisches Tun neue Ausdrucksmöglichkeiten zu entwickeln und eindrucksvolle Bilder zu schaffen. Über 200 Werke sind unter der Leitung von Kunsttherapeutin Margrid Wagner und der Malerin Monika Belke entstanden. Wagner war für die kreative Betreuung der sieben Demenzgruppen verantwortlich. Innerhalb von vier Maleinheiten ging es vor allem darum, die Freude am spielerischen Umgang mit Fingerfarben zu wecken. „Die Betroffenen haben unterschiedlich reagiert“, berichtet die Therapeutin. „Manche waren gleich begeistert, andere haben zögerlich mitgemacht“.

Weitere Informationen über das Projekt finden Sie hier.

Angefangen von der Begegnung mit Farbe, über rhythmisches Malen zu klassischer Musik, der Aufarbeitung des Themas Wasser und einer kleinen Ausstellung, bei der die Erinnerung an den Entstehungsprozess sowie damit verbundene Gedanken und Gefühle im Mittelpunkt standen, ging es darum, über die Bilder das eigene kreative Potential und die Lust am Malen (wieder) zu entdecken. Belke begleitete zwölf Betreuer dementiell Erkrankter bei einer Auseinandersetzung mit den Symptomen der Krankheit und half, diese malerisch umzusetzen. „Wichtig war mir bei den Jüngeren, Verständnis für die Krankheit zu wecken und Solidarität aufzubauen“, so Belke. Dabei entstanden sehr emotionale Werke. Ausgewählte Bilder der werden von September bis Dezember in einer Wanderausstellung im Raum Darmstadt-Dieburg der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Termine der Wanderausstellung

Am Freitag, 25. September wird die Ausstellung um 19 Uhr im Foyer der Stadthalle Groß-Umstadt mit der Gruppe „Lichtblick“ eröffnet. Dort wird sie bis zum 4. Oktober zu sehen sein. Vom dem 5. bis 9. Oktober zeigen Oase und Spurensuche die Bilder in der Dieburger Pfarrkirche St. Peter und Paul (Eröffnung 17 Uhr). Nach acht weiteren Orten ist am 30. November um 19 Uhr Ausstellungseröffnung im Groß-Zimmerner Glöckelchen. Bis 11. Dezember sind die Werke im Rathaus während der Öffnungszeiten zu sehen. Vom 14. bis 18. Dezember ist Finissage im Landratsamt Darmstadt-Kranichstein.

Kommentare