Peter Urban hofft, bald wieder mehr Zeit für Familie und Hobbys zu haben

Engagierter FW-Einzelkämpfer

Wichtigstes Organ Groß-Zimmerns ist die Gemeindevertretung. Hier werden Planungen für die Entwicklung der Gemeinde diskutiert und Beschlüsse zu deren Umsetzung gefasst. Haushaltspläne und Änderungen in der Verwaltungsstruktur müssen von diesem Gremium bestätigt werden. Wer sind die 37 Gemeindevertreter? Die Wahl im März 2011 hat einige Neue ins Parlament gebracht, viele sind geblieben. Der Lokal-Anzeiger stellt die Kommunalpolitiker in lockerer Folge vor.

Groß-Zimmern - „Meine erste Legislaturperiode habe ich als Einzelkämpfer der Freien Wähler durchgestanden. Ich habe versucht, in alle Ausschusssitzungen zu gehen. Das war sehr anstrengend“, sagt Peter Urban. Von Ulrike Bernauer

Folglich hat sich der Kommunalpolitiker, der als einziger die Freien Wähler (FWG) in Groß-Zimmern vertritt, nach den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr schnell mit Janek Gola (AUF) und Kurt Werdecker (FDP) zu einer Fraktion zusammen geschlossen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass jeder der drei Politiker nur einen Ausschuss besuchen muss, als Fraktion sind die drei nun auch stimmberechtigt in den Ausschüssen und im Gemeindevorstand.

Peter Urban (62, Elektrotechniker) ist verheiratet mit Diplom-Ingenieurin Sabine und hat zwei Kinder. Sohn Pascal studiert nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt Jura und Tochter Janina bereitet sich gerade auf die Abiturprüfungen vor. Noch zwei Jahre hat Urban bei der Firma T-Systems, einer Tochter der Telekom, vor sich, bevor er in Rente gehen kann. Mit seiner Frau überlegt er, ob sie dann nach Wilhelmshaven ziehen, dort ist der zeitweilige Wahlzimmerer geboren und aufgewachsen.

Urban vermisst das Meer, aber auch das Segeln. Selbst hier hat er ein Boot, es liegt auf dem Langenselbolder See. Zum Segeln kommt er allerdings kaum, auch weil Ehefrau Sabine nicht unbedingt ein Fan des nassen Elements ist. Ein weiteres Hobby ist für Urban sein VW-Käfer-Cabrio. Das ist zwar im Moment nicht fahrtüchtig, aber die notwendigen Arbeiten, wie Bremsen erneuern, will Urban selbst ausführen, wenn es denn irgendwann seine Zeit erlaubt. Auch zum Lesen kommt er in der letzten Zeit kaum, auch wenn im Haus sogar ein besonderer Anbau für die Bibliothek besteht.

Urban trat als Bürgermeisterkandidat im Wahlkampf 2011 an. Ein Thema war ihm schon damals sehr wichtig: die Haushaltskonsolidierung. Logisch, dass er nun im Haupt- und Finanzausschuss sitzt. „Mein Ziel ist ein ausgeglichener Haushalt“, sagt der Freie Wähler. „Ich habe den Eindruck, in Groß-Zimmern wird mehr verwaltet als kreativ gedacht.“

Vorbild ist für ihn die Gemeinde Rednitzhembach in Mittelfranken. Dort hat Bürgermeister Jürgen Spahl das 7 200 Einwohner-Städtchen aus einer hoch verschuldeten Stadt in eine Kommune verwandelt, die sogar Rücklagen auf dem Gemeindekonto hat.

Neue Ideen wünscht sich Urban auch für Groß-Zimmern, dessen Haushalt voraussichtlich für 2012 ein Defizit von mehr als 1,6 Millionen Euro aufweisen wird.

Auf der Wunschliste steht auch eine stärkere, parteiübergreifende Zusammenarbeit. Einen ersten Schritt dazu sieht der Freie Wähler im Runden Tisch, der diesmal mit allen Fraktionen vor der Haushaltseinbringung zwei Mal getagt hat. Kritik äußert er an Bürgermeister Grimm: „Vieles wird schon vorab im Gemeindevorstand entschieden, das Parlament nickt nur noch ab. Dabei sollte es umgekehrt sein, das Parlament ist der eigentliche Entscheidungsträger.“ Nicht zufrieden ist Urban beispielsweise mit der Entscheidung für den neuen Kindergarten auf dem Festplatz. Er plädiert dafür, die bestehenden Kindergärten entweder - wie in Klein-Zimmern - durch Module zu erweitern, oder einen neuen Kindergarten nicht fest zu mauern, sondern ebenfalls durch Module aufzubauen. Die könnten später, falls sich die Kinderzahlen wieder verringern, anderweitig verwendet oder verkauft werden. „Abgearbeitet wird jetzt eine Wunschliste von Erzieherinnen, aber wir sind doch nicht der Weihnachtsmann.“

Urban wendet sich dagegen, dass - wie in diesem Fall - zur Finanzierung Gemeindegrundstücke verkauft werden. „Auch bei der Verwaltung unserer Grundstücke erwarte ich mehr Nachhaltigkeit, so dass für die Generationen nach uns noch etwas übrig ist.“

Der Freie Wähler stellt sich hingegen hinter die Soziale Stadt, die sein Koalitionspartner Werdecker ablehnt. Das mache aber bei Abstimmungen keine Probleme, weil man von vornherein verabredet habe, nicht unter Fraktionszwang, sondern unter Umständen auch kontrovers abstimmen zu können.

Einen Weg, aus der Schuldenmisere heraus zu kommen, sieht Urban in der interkommunalen Zusammenarbeit. Dabei stellt er sich aber andere Wege vor als die Kooperation der Feuerwehren Groß-Zimmerns und Dieburgs, die sich die 60 000 Euro für eine Schlauchwaschanlage geteilt haben. „Hier sind Kosten entstanden, denn einzeln hätten die beiden Feuerwehren diese Anlage gar nicht erst gekauft.“ Urban kann sich eine Zusammenarbeit der Bauhöfe gut vorstellen. „Warum muss jede Gemeinde ein eigenes Streufahrzeug oder große Baufahrzeuge vorhalten. Die könnte man doch sehr gut teilen.“

Neben seiner politischen Arbeit in der Gemeindevertretung ist Peter Urban auch noch Kreisvorsitzender der Freien Wähler. Kein Wunder, dass seine Frau sich manchmal beschwert, dass er kaum noch zu Hause sei.

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