Bunter Nachmittag mit der ungarischen Kulturgruppe Bokreta

Erbe an die Kinder weitergeben

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Auch die Erwachsenen kneten mit Begeisterung bunte Bällchen aus Filz und Seife.

Groß-Zimmern - Die Wurzeln hier – die Heimat dort. Ein Schicksal, das viele deutsche Einwanderer teilen. Der ungarischen Familiengruppe Bokreta (Blumenstrauß) des Mehrgenerationenhauses (MGH) in Groß-Zimmern gelingt der Spagat: Die Integration in die Wahlheimat Deutschland und das Bewahren der Kultur des alten Zuhauses Ungarns.

Das Erbe, dass sie unvergessen im Herzen tragen, wollen sie an ihre Kinder weitergeben: „Bokreta ist eine Gruppe, die von Anfang an im MGH aktiv war“, erklärt Christiane Hucke vom MGH am Samstagnachmittag stolz. „Ich bin begeistert, wie sie durch Lesen, Spielen, Schauspiel, Singen und Reimen ihre Muttersprache erhalten.“ Die ungarische Kulturgruppe arbeitet autark, kooperiert und sucht jedoch das Miteinander im MGH. Als „Bokreta“ zum zehnten Geburtstag des Hauses unter Trägerschaft des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg im Juni mit einem musikalischen Geburtstagsständchen begeisterte, wurde ein Herzenswunsch vorgetragen: einen Familiennachmittag mit Lesung zu veranstalten.

Der Stein kam ins Rollen. Im Kulturzentrum Glöckelchen hatten alle Gäste Platz, ein paar Ur-Zimmerner mischten sich unter die Besucher, um der Autorin Fatime Páll zu lauschen. Die ungarische Landsfrau publizierte gerade ihr zweites Kinderbuch. Ein bunt illustriertes Werk, das zweisprachig verfasst ist. Damit trifft die junge Autorin punktgenau den Ansatz von „Bokreta“. Die Mitglieder, die auch aus Dieburg, Ober-Ramstadt, Klein-Zimmern, ja sogar Schmitten jeden Samstag zum Treffen kommen, erziehen ihren Nachwuchs zweisprachig. „Unsere Kinder sollen die Wurzeln ihrer Eltern nicht vergessen“, erklärt Andrea Miklosi-Gagyi, mit Melinda Szöke und Zita Szanto Leiterin von „Bokreta“. Als sich 1989 die ungarische Grenze in den Westen öffnete, war die wirtschaftliche Lage des Landes katastrophal. „Zuerst sind die Intellektuellen ausgewandert“, erzählt Andrea Miklosi-Gagyi, später die Arbeiterfamilien, „die in Deutschland den Wunsch haben, sich zu assimilieren.“

Um die ungarische Kultur, das Volksliedgut und andere Bräuche aber auch die Sprache am Leben zu erhalten, trifft man sich wöchentlich. Für den jüngsten Nachwuchs wurde inzwischen sogar eine weitere (Krabbel-)Gruppe aufgemacht.

Zum bunten Familiennachmittag hätte sich Christiane Hucke noch ein paar Zimmerner mehr gewünscht. Gemeinsam verbrachten die Besucher ein paar schöne Stunden, zuhörend oder munter plappernd und natürlich zweisprachig. Bevor die Kinder die Kreativ-Stationen stürmten, teilten alle eine internationale Leidenschaft: In der Cafeteria wurde die Lust auf Süßes gestillt. (zah)

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