Erfolg kommt nicht vom Reißbrett

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Auf zahlreichen Samplern, nicht nur aus dem Dance- und House-Genre, befinden sich Titel von Thiessen.

Groß-Zimmern (jd) ‐ Ist Erfolg planbar? Andreas Thiessen sagt nein. „Erfolg kannst Du nicht berechnen“, meint der 37-Jährige aus Groß-Zimmern. „Es gibt so viel Dinge, in die du Zeit, Liebe, Geld steckst – doch es klappt dann meist mit etwas ganz anderem.“ Erfolg lässt sich schwer auf dem Reißbrett entwerfen, was Thiessen nicht daran hindert, ihn zu haben: Als Discjockey und Musikproduzent hat der Zimmerner den Durchbruch geschafft.

Wobei es hier weniger darum gehen soll, welche Projekte Thiessen nach oben katapultierten, mit welchen namhaften Künstlern er zusammenarbeitet, wo er überall auflegt. Gewiss, es ist spannend, wenn der sympathische Musiker von diesen Dingen erzählt: Wie er 2003 in wenigen Stunden einen Remix-Auftrag annahm, die Datei verschickte und Monate später plötzlich eine E-Mail erhielt: „Deine Nummer ist in der nächsten Woche auf Platz sieben der Club Charts.“ Wie er kurz mal ins türkische Antalya fliegt, um als DJ vor Tausenden die Nacht zum Tag zu machen. Oder wie Bassist Umbo regelmäßig in seinem Studio nahe dem „Glöckelchen“ vorbeischaut, um dort Basspartien für Thiessens Nummern einzuspielen. Umbo, den er als „Kollege, Freund und Mentor“ bezeichnet, ist einer der Songschreiber für Xavier Naidoo, Christina Stürmer und Paul Young.

Dieser Text soll vielmehr darum gehen, wie man es mit Geduld und Können schafft, sein Brot im brettharten Musikgeschäft zu verdienen. Andreas Thiessen hat es mittlerweile gepackt: Er kann von seiner Kunst leben. „Wichtig ist: Das Umfeld muss stimmen – privat und familiär. Das hatte ich zum Glück immer“, sagt er. Vor Tiefen einer Karriere schützt das nicht, den Umgang mit ihnen erleichtert das aber.

Der gebürtige Heidelberger, der anschließend in München und Dieburg wohnte, ehe er nach Groß-Zimmern kam, macht seit 2004 nichts mehr anderes als Musik. Eine Zeitlang studierte er auch Informatik, doch die wahre Leidenschaft blieb die Welt der Klänge. „Musik habe ich schon immer gemacht“, blickt er zurück. Mit 13 wurde er erstmals richtig aktiv, ging in Richtung Dance und House. Thiessen würde sich dennoch nie abwertend über die anderen Genres äußern: „Die haben alle ihre Berechtigung und sind teilweise überraschend ähnlich: Schlager und House zum Beispiel.“ Nur Heavy Metal gehe nicht an ihn heran: „Das berührt mein Herz nicht“, sagt er.

Im Musikgeschäft braucht man mehrere Standbeine

Nachdem Thiessen vier Wochen nach seiner Exmatrikulation seinen ersten Plattenvertrag bei „Milk & Sugar Recordings“ unterschrieben hatte, lief es zwei Jahre gut. Dann fiel er anderthalb Jahre lang in ein kleines – privates wie künstlerisches – Loch. Thiessen spricht ganz offen darüber und beschreibt den Entwicklungsprozess, den er bis heute durchgemacht hat. Dazu gehöre auch zu reflektieren, ob es wirklich an einem selbst gelegen habe, wenn etwa ein Gig als DJ weggefallen sei. Mit dem neuen Studio in Groß-Zimmern und neuen Aufträgen ging es wieder bergauf.

Neben seinem Tun als DJ und Produzent – am 25. Dezember legt er im Darmstädter „Nachtcafé“ auf, 2011 erscheinen seine Singles „Amber Is Gone“ und „Touch The Sky“ – bietet Thiessen auch technischen Support an: Der Zimmerner berät Produzenten telefonisch, steht dafür täglich fünf Stunden lang zur Verfügung. Überhaupt brauche man im Musikgeschäft eine Referenzliste und am besten gleich mehrere Standbeine: „Von der Produktion allein kannst du nur schwer leben.“

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