Erich Daub ist seit 65 Jahren Organist

Groß-Zimmern - (bea) „Ich habe die Treppe zur Empore schon ein bisschen ausgetreten“, lacht Erich Daub. Und damit hat der 78-Jährige wohl recht. Seit 65 Jahren spielt er die Orgel in der Groß-Zimmerner evangelischen Kirche.

Mit 13 Jahren wurde er ins kalte Wasser geworfen, nachdem Heinrich Klemm eingezogen wurde. An einer Orgel hatte Daub noch nicht gesessen. Er hatte bei Lehrer Hunecke Klavier spielen gelernt.

Nach dem Krieg hat Klemm das Amt nie wieder übernommen, Daub spielte weiter.

Inzwischen ist ihm das Orgelspiel in Fleisch und Blut übergegangen. „Ein Sonntag ohne Orgelspiel ist für mich ein Greuel“, versichert er. Wenn er einmal nicht in Groß-Zimmern spielen kann, dann spielt er in Reinheim. Obwohl ihm die Orgel dort nicht so liegt, die quietsche nämlich, wegen zu geringer Luftfeuchtigkeit.

Für die Orgel in Zimmern hat Daub hingegen nur Lob. Die ist seiner Ansicht nach gut aufgestellt und hat einen hervorragenden Klang. Zum üben bleibt er in der Regel allerdings zu Hause. Dort hat er hat eine 2,55 Meter hohe Pfeifenorgel. Wem er die später einmal vererben wird, weiß er noch nicht genau. Die Kinder und Enkel haben seine Musikerlaufbahn nicht eingeschlagen.

Daub unterrichtete bis zu seiner Pensionierung an der Eleonoren-Schule in Darmstadt. Allerdings nicht Musik, sondern Englisch und Latein. Musiklehrer wollte er nie werden. „Ich habe es nicht so mit der Theorie“, sagt er und schüttelt den Kopf, wenn er an den heutigen Musikunterricht denkt. „Wir haben damals gesungen. Das macht man heute fast gar nicht mehr“. Eine Ausbildung als Kirchenmusiker hat er erhalten. Das reicht ihm, um seine Sätze selbst zu schreiben. „Ich spiele selten nach dem Choralbuch, da muss man so viel blättern“.

Beneidenswert findet er Chorleiter Ulrich Kuhn. „Der kann einfach alles, setzt sich an die Orgel, spielt Posaune und singen kann er außerdem hervorragend“. Daub schätzt die Zusammenarbeit mit dem Kantor. Um den Dirigenten beim Orgelspiel auch sehen zu können, hat er einen Spiegel an der Tastatur angebracht. „Da kann ich die Einsätze sehen, ohne mich umzudrehen“, lacht er.

Obwohl Daub im Februar 78 Jahre alt geworden ist, denkt er nicht ans Aufhören. „Ich merke schon, dass die Koordination zwischen Kopf und Fingern nicht mehr so schnell ist wie früher“, sagt der Organist und fügt hinzu: „ich fürchte mich vor dem Moment, wo es mit dem Spielen nicht mehr geht“.

Eich Daub wird am morgigen Sonntag im Rahmen des evangelischen Gottesdienstes für seine langjährigen Dienste geehrt.

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