Erich Fritsch

Bei Mauerbau und -fall dabei

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Erich Fritsch.

Groß-Zimmern - Erich Fritsch (67) hat sowohl den Bau der Mauer als auch den Mauerfall in Berlin erlebt. Von Gudrun Fritsch 

Geboren wurde Fritsch in Baden-Württemberg, aber mit acht Jahren zog er mit seinen Eltern nach Berlin. „In Neukölln habe ich im März 1961 meine Konfirmation gefeiert“, erinnert er sich. Damals war auch seine Tante aus Borgsdorf bei Oranienburg zu Besuch. Bei ihr hat der junge Erich regelmäßig die Ferien verbracht. „Natürlich wollte ich auch in den Sommerferien "61 hin. Aber die Tante hat gesagt, komm lieber nicht, hier ist etwas am Grummeln, hier ist etwas am Werden“, erzählt er und ergänzt: „Die hat das damals im März schon gemerkt.“

So ist er in Berlin-Neukölln geblieben und „im August hat es dann auf einmal geheißen: Alles ist zu. Man kam nicht mehr rüber“, so Fritsch. Später, nachdem die Passformalitäten geklärt waren, ist er dann noch einmal rüber gekommen. „Da habe ich die Tante und Verwandten zum letzten Mal gesehen“, sagt er mit zittriger Stimme und Tränen in den Augen.

Mit seiner Mutter ist er bis 1975 in Berlin geblieben und dann durch den Beruf als Kellner auf Schiffen in die weite Welt gereist. „Aber natürlich bin ich immer wieder nach Berlin zurückgekehrt, um die Mutter und die Stadt zu besuchen.“

Am 9. Oktober 1989 war er wieder einmal zu Hause in Neuköllen, am Kottbusser Damm. Am Abend haben wir im Radio gehört „die Mauer ist auf!“ und dann den Fernseher angemacht: „Da haben wir gesehen, dass drüben nichts mehr gegangen ist und dass sie die Leute raus gelassen haben. Ich bin dann auch mal nach draußen gegangen. Die Kaufhäuser waren bis in die Nach hinein gerammelt voll. Es war überall so viel los, dass es mir regelrecht unheimlich war.“

Fritsch ist froh, dass Deutschland wieder eine Einheit ist. In der Schule haben die Kinder zu Zeiten des Mauerbaus ein Aufsatzthema bekommen: was wäre wenn...‘?‘ „Ich habe damals geschrieben: die haben eine Mauer gebaut. Stellt euch vor, alle würden das machen, Amerikaner, Franzosen und Engländer. Das wäre doch Irrsinn. Dann gäbe es doch überall auf der Welt nur Mauern.“ Und bei dem Gedanken erinnert er sich wie es war, wenn man damals nach Berlin gereist ist. „Immer über die streng kontrollierten Grenzen und dann den langen Weg durch die DDR - das war einfach nur furchtbar!“

Seit 1990 lebt Fritsch in Groß-Zimmern und hat hier eine neue Heimat gefunden und einige kennengelernt, die aus Sachsen oder ebenfalls aus Berlin hergekommen sind. Er ist engagiert und übt etliche Ehrenämter bei den Ruheständlern oder beim VdK aus. Dieses Jahr im April hat er auch seine Mutter „rübergeholt“, sie lebt jetzt hier im Seniorenheim der Gersprenz.

Ich habe bei mir zu Hause noch Mauerstücke und natürlich viele Bilder im Album, berichtet er. Gerne fährt er hin und wieder nach Berlin. Zuletzt war er vor kurzem dort, „mit meiner Lebensgefährtin Threresa. „Es ist eine wunderschöne und unheimlich grüne Stadt“, schwärmt er. Aber es ist ihm ínzwischen zu trubelig in der Hauptstadt, so dass er es vorzieht, nur für einen Wochenendurlaub hinzufahren.

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