Erinnerungen beim Tanz in den Mai

+
Über zwei neue Plattenspieler freut sich Nicole Dengler.

Groß-Zimmern - „Darf ich bitten...“ lautete das Motto, unter dem kürzlich beim dritten Tanzcafé für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen etliche Besucher das Tanzbein schwangen. Das MehrGenerationenHaus (MGH), stellte hierfür seine Räume zur Verfügung. Von Gudrun Fritsch

Lila und weißer Flieder schmückte die Tische und an einer Tafel standen Sprüche zum Thema Mai. „Tanz in den …“ oder „Alles neu macht der …“ warteten darauf, vervollständigt zu werden.

Tanzen hat seit jeher einen hohen Aufforderungscharakter, spricht die Gefühle der Menschen an und fördert die Gemeinschaft. Musik kann weitgehend unabhängig von körperlichen und geistigen Fähigkeiten erlebt werden. Aus diesem Grund sind Musik und Tanz besonders wirksame Therapieformen bei Menschen mit Demenz.

Vergessen darf man nach Ansicht von Nicole Dengler vom Demenzservicezentrum aber vor allem eines nicht: „Wichtig ist nicht die musikalische Perfektion, sondern die Tatsache, dass Tanzen Spaß macht!“

Das Demenzservicezentrum (DSZ) ist eine Informations- und Anlaufstelle für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, Ehrenamtliche und Fachkräfte sowie alle interessierten Bürger. Nicole Dengler ist jeden Montag und Dienstag von 10 bis 15 Uhr und jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr erreichbar unter 06071 61 89 98.

Das Tanzcafé ist zwar ein Angebot insbesondere für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Es richtet sich aber zugleich auch an alle Senioren, und ältere Menschen, die Freude an Musik, Bewegung und Kontakt haben. Pflegende Angehörige sollen entlastet werden. Sie können Kontakt zu anderen Angehörigen aufbauen. Sie erleben Emotionen und Gefühle außerhalb der Pflege und entdecken ihre Fähigkeiten im Bereich des Tanzes.

Wieder mit dabei war die Schallplattensammlung von Dengler, die nach einigen Spenden an Umfang zugenommen hat. Schallplattenspieler für die Demenzbetreuung

Dank einer freundlichen Spende der Tanzschule Henrich aus Groß-Zimmern kann das Demenzservicezentrum von nun an einen Schallplattenspieler sein eigen nennen.

Frau Jung aus Groß-Zimmern spendete zudem ihren eigenen Schallplattenspieler der Betreuungsgruppe Spurensuche aus Münster.

Was ist ein Mehrgenerationenhaus?

Für Menschen verschiedener Altersgruppen bietet ein Mehrgenerationenhaus Raum, sich ungezwungen zu begegnen und gegenseitig von den Kompetenzen des jeweils anderen zu profitieren. Mehr zum Thema finden Sie hier.

„Wir haben uns sehr über diesen Zuspruch gefreut. Jeder Mensch hat seine eigenen Erinnerungen. Erinnern Sie sich zum Beispiel an die Titelmelodie von Bonanza oder an Ihre erste Beatles-Single? Bei vielen dementen Menschen funktioniert das Langzeitgedächtnis - sie erinnern sich sehr gut an die Zeiten, in denen sie noch ein Grammophon hatten. Mit der Biografie arbeiten und Erinnerungen wecken sind wichtige und längst selbstverständlich gewordene Elemente der Betreuungsgruppen im Landkreis. Bei an Demenz erkrankten Menschen sind Erinnerungen nicht immer präsent und abrufbar. Aber es ist möglich, sie über die Sinne wachzurufen. Mit Musik funktioniert das besonders gut, auch ohne dass der Erkrankte mit seinem Gedächtnisverlust konfrontiert wird und beschämt ist“, so Dengler.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare