Beim Vortrag im Pflegeheim der Gersprenz geht es um Leben und Tod

Ernährung im hohen Alter

Anja Schnellen vom Hospizverein referierte über „Ernährung am Lebensende“. Foto: Bernauer

Groß-Zimmern - „Ich kann das nicht mehr aushalten!“, dieser Satz steht oft kurz vor dem Lebensende eines Menschen. Von Ulrike Bernauer

Wobei der Ausruf nicht unbedingt von dem Schwerkranken oder Sterbenden kommen muss, oft verschaffen sich auch Familienangehörige oder Pflegepersonal mit diesen Worten Luft.

Anja Schnellen vom ökumenischen Hospizverein Groß-Umstadt widmete sich am Donnerstagabend bei ihrem Vortrag im Gersprenz-Pflegeheim zwei schwierigen Themen: Der Ernährung und den ethischen Entscheidungen am Lebensende.

Bei den ethischen Entscheidungen gehe es vor allem darum, allen Beteiligten den letzten schweren Weg so leicht wie irgend möglich zu machen. „Wie kann eine hundsmiserable Situation in eine miserable oder bessere verändert werden?“, diese Frage stellte die Referentin.

Wichtig sei es dabei, alle Fragen und Überlegungen zuzulassen, auch die eigene Unsicherheit bei dieser schwierigen und nicht alltäglichen Situation. Bei ethischen Überlegungen, die den Prozess des Sterbens begleiten, müssten selbstverständlich auch die behandelnden Ärzte mit einbezogen werden. Schnellen streifte auch das Thema aktive und passive Sterbehilfe. „Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten und ich bin auch der Meinung, wir benötigen sie nicht“, erklärte sie. „Schon heute liegt es in der Hand des Arztes zusammen mit den Angehörigen und der Kenntnis der Wünsche des Patienten, den Sterbevorgang zu erleichtern.“

Hilfreich wäre dabei auch eine ganz spezielle Patientenverfügung, die erst in den letzten Lebenswochen mit dem Arzt zusammen ausgefüllt wird. Da könnte beispielsweise auch der Satz angekreuzt werden: Der Patient darf in der nächsten Krise versterben. „Das werden in der Regel nicht die Angehörigen ankreuzen“, sagte Schnellen. „Aber die Frage muss erlaubt sein.“

Nicht minder schwierig ist auf den zweiten Blick die Frage der Ernährung am Lebensende.

„Es geht hier nicht um eine Ernährung, die einen Menschen wieder gesund machen kann“, stellte Schnellen klar, „sondern wirklich um eine Verbesserung der letzten Lebenswochen oder Tage“.

Bekannt sei, dass viele Menschen im hohen Alter schlecht oder sehr wenig essen und trinken. Erster Schritt sei auch hier die Ursachenforschung. Wenn auf das Essen immer Übelkeit folge, dann sei klar, dass der Patient das Essen meide.

Gerade für Angehörige, die zu Hause pflegen, sei das Gespräch mit dem Patienten sehr wichtig. Manche würden sich dem Kranken anpassen und auch nicht mehr auf ihr eigenes Essverhalten achteten, was dazu führen könne, dass sie selber vom Fleisch fallen und erkranken.

Wichtig sei aber auch, dem Patienten andere „Nahrung“ zuzuführen. Heilsame Kräfte könnten durch andere Zuwendungsformen geweckt werden, wie zum Beispiel durch Mundpflege, aber auch Spaziergänge, Gespräche oder Vorlesen.

Viele Patienten leiden unter Mundtrockenheit, die man nicht mit Durst verwechseln dürfe. Hier sei eigentlich einfach, aber zeitaufwändig Abhilfe zu schaffen. „Es genügt, den Mund mit einem nassen Tuch oder Wattebausch zu befeuchten. Das dann allerdings alle Viertelstunde, das bringt vielen Leidenden Erleichterung.“

Die Referentin beschäftigte sich auch mit einem entsetzten Ausruf einer Angehörigen: „Ich kann doch die Oma nicht verdursten lassen!“

„Wenn jemand keinen Durst pürt, kann ich ihn auch nicht verhungern oder verdursten lassen.“ Diese Angst sollte man Angehörigen auf jeden Fall nehmen.

Hilfe bei der Begleitung Angehöriger in den letzten Lebenstagen vbietet der Hospizverein Groß-Umstadt an, unter s  06078 759047.

Unterstützung bei Problemen und Fragen bot auch der Leiter des Gersprenz-Pflegeheims, Franz Josef Partsch, an. „Ich helfe gerne, auch dann, wenn es Menschen betrifft, die nicht bei uns im Pflegeheim wohnen.“

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