Bunte Hände und Unterricht in Klassen der Gesamtschule

Was erwartet junge Menschen an der ASS?

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Mut zur Farbe: Die Klasse G7a langte am „Tag der offenen Tür“ der Albert-Schweitzer-Schule kräftig in die Farbtöpfe.

Groß-Zimmern (ula) ‐ Gymnasium oder Gesamtschule? Realschulzweig oder Hauptschule? Der Wechsel von der Grund- zur weiterführenden Schule beschäftigt derzeit Eltern und Kinder. Um die Entscheidung zu erleichtern, präsentierten Schüler, Lehrer und engagierte Eltern die Albert-Schweitzer-Schule (ASS) beim „Tag der offenen Tür“ die Gesamtschule in all ihren Facetten.

760 Kinder und Jugendliche drücken in der ASS die Schulbank, das Kollegium umfasst 50 Lehrer und Pädagogen. Die Gesamtschule hat den Status „Familienfreundliche Schule“ mit Mittagessen und Nachmittagsbetreuung. Was erwartet junge Menschen, die einen guten Teil ihres Lebens an der Schule verbringen?

An der ASS gab es Einblicke in den Schulalltag, aber auch besonders attraktiven Unterricht und Freizeitspaß. Da brüteten Lehrer mit ihren Schülern über einer kniffligen Partie Schach. Ältere verkauften gebrauchte Literatur zu Gunsten aidskranken Frauen in Äthiopien. „Wir sind Klasse“ war die Losung bei der G7a, die im Zuge eines Sozialprojekts mit viel Farbe und Fingerspitzengefühl kreativ auf die Wände des Klassenzimmers losging.

„Wir wollen uns authentisch präsentieren“

Magnetismus zum Anfassen: Mit Eisenpuder und Haarspray zauberten die Schülerinnen der G10 a filigrane Bilder.

In etlichen Klassenzimmern präsentierten Schüler Unterrichtsfächer von Chemie bis Musik, Mathematik bis zu den Fremdsprachen. Wer bei den Naturwissenschaftlern effektvolle Experimente erhoffte, wurde nicht enttäuscht: Warme Fußbäder, von Haarspray durchtränkte Kunstwerke, sichtbar gewordene Fingerabdrücke und vieles mehr lockte Besucher zum mitmachen. „Unser Engagement ruht auf vielen Säulen“, so Schulleiter Helmut Buch. Das gelte vom Schulförderverein bis zum Elternbeirat, für die Schüler selbst und natürlich das motivierte Lehrerteam. Aber: „Wir wollen uns authentisch präsentieren“, so Buch, man wolle also nichts vortäuschen, wo die Schule an Grenzen stößt: Etwa angesichts veralteter naturwissenschaftlichen Räumen oder der Holzwerkstatt.

Gymnasiasten stellen die größte Gruppe

Die vom Gesetzgeber eingeräumte Chance, das verkürzte Abitur (G 8) in die ursprüngliche, neunjährige Gymnasialzeit (G 9) zurückzuversetzen, hat die Schule vor eineinhalb Jahren ergriffen. „Das Dilemma ist, dass uns ein System übergestülpt wurde, dem der pädagogische Unterbau fehlt“, kritisiert der Schulelternbeiratsvorsitzende Helmut Löw. Gerade wenn die Kinder in der Pubertät sind, in der achten und neunten Klasse, wird der Schulstoff stark komprimiert. „G9 ist der bessere Weg“, pries auch eine Ausstellung im Erdgeschoss an. „G8 bedeutet Stress, Leistungsdruck und 540 Unterrichtsstunden weniger.“ Viele Eltern sehen dies wohl ähnlich, denn der Gymnasialzweig an der ASS ist gut besucht – der stärkste von drei Schulzweigen.

Im aktuellen Schuljahr stellten die Gymnasiasten mit 90 Schülern in drei Klassen den größten Teil. 60 Schüler werden in der Förderstufe unterrichtet. Erst nach dem sechsten Schuljahr verzweigt sich das Schicksal dieser Klassen in Haupt- und Realschulbereich. Ob Abi oder Hauptschulabschluss, „wir kümmern uns, egal auf welchen Schulzweig unsere Schüler gehen“, verspricht Schulleiter Buch.

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