„Golfakademie“: Wohnbebauung steht jetzt im Vordergrund

Nur das Etikett ist geblieben

Eigentumswohnungen und Doppelhäuser sollen jetzt dort entstehen, wo zu Beginn der Planungen eigentlich eine Golfakademie angedacht war.  J Foto: Fritsch

GROSS-ZIMMERN - „Das Etikett „Golfakademie“ ist geblieben, der Inhalt gegen Wohnungen vertauscht“, monierte Marianne Streicher-Eickhoff von den Grünen. Kontrovers wurde in der letzten Gemeindevertretersitzung über das Thema „Golfakademie“ diskutiert. Von Ursula Friedrich

Anlass war ein Antrag des Investors, der Projekta Golfakademie GmbH, auf Änderungen im vorhabenbezogener Bebauungsplan. Begründung: Aus betriebswirtschaftlichen Gründen machten die geplanten 20 Appartements für Mitarbeiter und (rund 1 200) Clubmitglieder keinen Sinn mehr, so der Investor.

Geplant sind nun Wohnungen, aber auch einige Appartements zur kurzfristigen Vermietung während der vorgesehene Veranstaltungssaal mit Konferenzräumen an anderer Stelle erst in einem zweiten Bauabschnitt geplant ist..

Zur Vorgeschichte: Die Planungen gehen bereits auf das Jahr 2007 zurück. Auf weiteren 4 000 Quadratmetern neben dem beliebten Golf Sport Park sollten Appartements sowie ein über 2 000 Quadratmeter großer Bereich mit Seminar-, Funktions- und Lager- sowie Geräteräumen entstehen.

In einem angrenzenden kleinen Wohngebiet war von der Gemeindevertretung außerdem grünes Licht für den Bau von zwölf Doppelhaushälften erteilt worden. In dem modifizierten, abgespeckten Gesamtkonzept schnurrt der Seminarbereich deutlich zusammen, die Appartements sind Wohnungen gewichen.

War im ursprünglichen Bebauungsplan noch von „Appartements zur Übernachtung von Nutzern der Golfakademie (Seminarbetrieb)“ die Rede, steht nun der Charakter des Wohnens im Mittelpunkt.

Eine Entwicklung, die von der SPD unisono mitgetragen wurde, „wir wollen nicht aus Prinzip auf einer Nutzung bestehen, für die es zwischenzeitlich keine Abnehmer mehr gibt“, sagte Dieter Emig (SPD), für ein Schulungszentrum und eine Art Hotelbetrieb habe es offenkundig keinen entsprechenden Markt gegeben. „Ich hätte allerdings auch kein Problem damit, diesen Wohnraum für jedermann und nicht ausschließlich für Clubmitglieder und Mitarbeiter zu öffnen“, sagte Emig. Eine Haltung, die Teile der Christdemokraten und die Fraktion der Grünen nicht mittragen.

Von der ursprünglichen Idee einer Golfakademie sei wenig geblieben, monierte Marianne Streicher-Eickhoff, das Ganze sei ein „Täuschungsmanöver“. „Das hochtrabende Wort Seminar wird mit 43,77 Quadratmetern abgehandelt“, rechnete sie vor. „Ist es städtebauliches Ziel der Gemeinde, 18 Wohneinheiten als Eigentumswohnungen mit rund 2 300 Quadratmetern Wohnfläche auf dem Gelände zu ermöglichen? Mit den bereits vorgesehenen zwölf Doppelhaushälften haben wir dann 30 Wohneinheiten in einer Splittersiedlung im Außenbereich!“

Durch die Hintertür wurde so ein neues Wohngebiet ausgewiesen, das Liebhabern des Golfsports vorbehalten werden soll – dies ist auch die Auffassung des Kreisbauamts. Die Kommune habe allerdings Planungshoheit und das Gemeindeparlament dem Vorhaben gegen das Veto der Grünen und von sechs Christdemokraten zugestimmt. Die Gemeinde habe mit dem geänderten Vorhaben kein Problem, bekräftigte Bürgermeister Achim Grimm.

Die nun vom Parlament beschlossene Änderung des Bebauungsplans „Golfakademie“ ist Voraussetzung für die Zustimmung des Kreisbauamtes zum Bauantrag des Investors, der dieser Behörde bereits vorliegt.

Ein zusätzliches Baugebiet im Grünen unweit der alten Ziegelei findet zwar nicht die Zustimmung des Kreises, das spielt bei der nun folgenden öffentlichen Auslegung der Pläne nur eine untergeordnete Rolle.

Ein Trostpflaster für manchen Skeptiker mögen da die von Bürgermeister Grimm ausgehandelten 100 000 Euro Infrastrukturbeitrag sein, die der Investor an die Gemeinde zahlen soll.

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