Ex-Lehrer wird 90

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Adalbert Schmidt

Groß-Zimmern (ula) ‐ Adalbert Schmidt kam im August 1946 nicht freiwillig nach Groß-Zimmern. Er war einer von vielen Heimatvertriebenen und strandete hier mit 50 Kilo Gepäck und der Trauer um die verlorene Heimat Groß-Lomnitz (Slowakei) im Herzen.

Wenn Schmidt am Sonntag (21.) seinen 90. Geburtstag feiert, wird das Haus in der Karl-Marx-Straße als Veranstaltungsort nicht ausreichen. Die Fülle von Freunden und Bekannten, die mit dem Jubilar feiern werden, belegen, wie stark der ehemalige Lehrer in der neuen Heimat wurzelte.

Wir haben uns hier gleich wohl gefühlt“, erzählt der Jubilar. Die Schrecken des Krieges blieben ihm als junger Mann nicht erspart. Noch 1944 wurde der damals 24-Jährige eingezogen und an der Front verletzt. Bis heute macht ihm diese Knieverletzung Beschwerden. In der „alten Heimat“ wurde die deutsche Bevölkerung 1945 enteignet und in Lager gesperrt. Hier lernte Schmidt seine spätere Frau Emilie (86) kennen und lieben. Das Schicksal verschlug die beiden nach Groß-Zimmern, wo sich das junge Paar im Februar 1947 das Ja-Wort gab.

Die Liebe zum Fußball baute Brücken

Adalbert Schmidt war damals als Lehrer in Harpertshausen tätig, wurde jedoch 1948 an die Friedensschule nach Groß-Zimmern versetzt. Schnell waren auch privat Kontakte zu den Einheimischen geknüpft, die gemeinsame Liebe zum Fußball baute Brücken. Der Lehrer trat in den FSV ein und fieberte am Spielfeldrand viele Jahrzehnte mit. 1950 wurde er Vorsitzender des Vereins und engagierte sich in dieser Position siebzehn Jahre lang. Privat krönte die Geburt eines Sohnes das Familienglück.

Schon nach kurzer Zeit an der Friedensschule wechselte der Pädagoge an die Albert-Schweitzer-Schule. Hier unterrichtete er vor allem die „Buben“ in sämtlichen Fächern. „Damals wurden die Kinder ab der siebten Klasse getrennt“, berichtet er. Mit Feuereifer lehrte er seine Jungs Eishockey und Fußball und meisterte die Herausforderung, riesige Schulklassen mit über 50 Schülern zu unterrichten.

Ehrenamt mit Verdienstkreuz am Bande gewürdigt

Im Dezember 1950 gelang es den Schmidts mit Hilfe des damaligen Bürgermeisters Reinhard, Nachbarn und Sportkameraden, das eigene Haus in der Karl-Marx-Straße zu beziehen. Zwei Jahre später begann Schmidt eine weitere Karriere: Er wurde stellvertretender Kreisfußballwart. Von 1962 bis 1986 engagierte er sich als Kreisfußballwart und organisierte den gesamten Spielbetrieb des Kreises Darmstadt-Dieburg.

Dieses unermüdliche Wirken im Ehrenamt wurde mit dem Verdienstkreuz am Bande gewürdigt. 1983 wurde er feierlich aus dem Schuldienst an der ASS verabschiedet. Trotz der Liebe zur neuen hat auch die alte Heimat weiterhin einen großen Platz im Herzen des Senioren. Ihr hat er ein Büchlein gewidmet: „Groß-Lomnitz – ein Dorf unter der hohen Tatra.“

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