Fahrt im Zeichen der Orgel

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Die Groß-Zimmerner Reisegruppe hatte ihr Quartier im Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz, dem Tagungshaus des Bistums Dresden-Meißen.

Gross-Zimmern - Das gab es in der hundertvierzigjährigen Geschichte der Orgelbaufirma Hermann Eule in Bautzen noch nie: Da kam ein Pfarrer vom Rand des fernen Odenwalds, um einen Orgelbauvertrag zu unterzeichnen.

Im Gefolge hatte er eine ganze Busladung von Gläubigen aus seiner Gemeinde, die sich während der Arbeitszeit zuerst den ganzen Betrieb ansahen und danach auch noch in der Werkskantine mit Kaffee und Kuchen verköstigt wurden.

Dieser „Massenbesuch“ hatte auch etwas Symbolisches, denn das Orgelprojekt der Pfarrgemeinde St. Bartholomäus Groß-Zimmern wird im Wesentlichen von Tausenden von Klein- und Kleinstspendern getragen, die durch Sammlungen, Pfeifenpatenschaften, Veranstaltungen und Verkaufserlöse bereits fast 140.000 Euro ansparten. So war auch der „Orgelsekt“, den die Besucher aus Groß-Zimmern mitbrachten und den Vertrag damit begossen, eines der vielen Produkte der örtlichen Handwerker und Händler, die das Projekt unterstützen.

Zimmerner staunten nicht schlecht

Bis 2016 die neue Orgel in Groß-Zimmern spielen wird, müssen sich die Organisatoren des Orgelfördervereins allerdings noch eine Menge einfallen lassen, denn die Minimalausstattung des Instruments, die jetzt bestellt wurde, kostet bereits 250.000 Euro.

Verständlich wird der Preis angesichts der vierzig Spezialisten, die bei der Fa. Eule Tausende von Einzelteilen für jede Orgel selbst herstellen und dann präzise zusammenbauen. Aus Zinnbarren und Brettern entstehen in monatelanger Arbeit klingende Kunstwerke, die in aller Welt bekannt sind und die Zimmerner staunten nicht schlecht, dass neben computergesteuerten Kreissägen auch noch uralte Handbohrer in den Werkstätten vorhanden sind.

Auch sonst gab es auf der diesjährigen Pfarreifahrt einiges zu bestaunen: Das uralte Rittergut Schmochtitz, das heute als Tagungszentrum des Bistums Dresden-Meißen dient und in dem sich die Zimmerner während ihres Aufenthalts sehr wohl fühlten.

Die Stadt Bautzen mit ihren vielen Türmen und dem Dom, der schon seit Jahrhunderten von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt wird. Das Kloster St. Marienthal an der Neiße, das seit fast 800 Jahren ununterbrochen besteht, 2010 nach einem Staudammbruch in Polen meterhoch überschwemmt wurde und nun in kleinen Schritten wieder seinen alten Glanz zurückerhält. Das große Zittauer Fastentuch: 500 Jahre alt und nach fast unglaublicher Geschichte (u. a. Saunatuch für russische Soldaten) endlich sicher verwahrt.

Fünf aufregende Tage

Das Zittauer Gebirge mit seinen bizarren Felsformationen, die während der Fahrt gespenstisch aus dem Nebel auftauchten. Und nicht zuletzt Dresden mit seinen vielen historischen Bauten, vor allem aber der wiederauferstandenen Frauenkirche.

Es waren fünf auf- und anregende Tage mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen, aber auch vielen besinnlichen Stunden mit Gebet und Gesang in der Scheunenkirche des Ritterguts. Ein zweiter Höhepunkt der Reise folgte noch am letzten Tag: Auf der Rückfahrt von Bautzen konnten die Orgelfreunde in der Nikolaikirche in Leipzig die durch die Fa. Eule generalüberholte Ladegast-Orgel sehen und hören und mancher träumte da von vielen zusätzlichen Registern und Klangfarben, mit denen man auch die Zimmerner Orgel noch ausstatten könnte, aber angesichts der Größe dieser Orgel wird das wohl ein Traum bleiben – außer es fände sich noch ein Gönner, der neben einer größeren Orgel auch noch ein größeres Gotteshaus spendieren würde.

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