Fast alles beim Alten

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Zählen, zählen und nochmal zählen, hieß es für die Rathausbediensteten in den letzten Tagen. Dennoch konnten (von links) Elisabeth Buchheimer, Petra Fornoff, Roland Fröhlich und Markus Römermann der Wahlauszählung auch etwas Positives abgewinnen. „Es ist mal was anderes“, meinten die vier übereinstimmend.

Groß-Zimmern (guf) ‐ Die Wähler scheinen mit der Arbeit der Zimmerner Gemeindevertreter doch zufrieden zu sein. Neben der Wiederwahl von Bürgermeister Achim Grimm (CDU), der gleich im erste Durchgang bestätigt wurde (wir haben berichtet), hat sich nämlich auch an der Sitzeverteilung in der Gemeindevertretung zuletzt wenig geändert.

Im Rathaus wurde drei Tage lang addiert, wobei die Zahlen aus Groß-Zimmern ähnlich lange auf sich warten ließen, wie die aus Frankfurt oder Gießen. Entgegen der Trendrechnung, bei der nur angekreuzte Listen berücksichtigt wurden und das Kräfteverhältnis geändert schien, haben die Bürger durch eifriges Kumulieren und Panaschieren die vorherigen Verhältnisse annähernd wieder hergestellt.

Die CDU behält auch fortan ihre 17 Sitze im Parlament. SPD (jetzt noch 12 Sitze) und FDP (nurmehr ein Sitz) verlieren je ein Mandat. Diese zwei gehen an die Grünen, die als Wahlgewinner mit nunmehr fünf Vertretern (bisher drei) ins Parlament einziehen können. Bei den Freien Wählern und der AUF-Partei bleibt es bei „Ein-Mann-Fraktionen“.

Pentz: „Wir sind hochzufrieden“

„Wir sind hochzufrieden“, kommentiert der CDU-Fraktionsvorsitzende (MdL) Manfred Pentz das Ergebnis. Ohne die Ereignisse in Japan, die den Grünen Auftrieb verschafft hätten, wären seiner Meinung nach noch drei Sitze mehr möglich gewesen. „Wir werden uns am Freitag zusammensetzen und programmatische Überschneidungen suchen. Dort, wo die meisten Schnittmengen sind, werden wir Gespräche führen.“

Ob er den Fraktionsvorsitz weiterhin übernehmen wolle, mochte er nicht sagen, nur so viel: „Es sind einige auf unserer Liste, die diese Arbeit gut machen können.“

„Wir hätten uns mindestens einen Sitz mehr erhofft und nicht einen weniger“, kommentiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Hader enttäuscht. Auch die Resonanz für den SPD-Bürgermeisterkandidaten Stefan Fröhlich fand er zu wenig.

Trotzdem wolle seine Fraktion nun mit zwölf Vertretern im Parlament „ordentliche Arbeit leisten.“ Er werde auch weiterhin für den Vorsitz zur Verfügung stehen und freue sich, dass einige junge SPDler nachrücken werden. Die Genossen werden Anfang der kommenden Woche ihr weiteres Vorgehen beraten und darüber diskutieren, ob und mit wem künftig Bündnisse oder gar Koalitionen möglich sind.

Die großen Parteien müssen mit den kleinen reden

Fast wie vor der Wahl sieht die Sitzeverteilung in der Groß-Zimmerner Gemeindevertretung aus. SPD und FDP haben je ein Mandat an die Grünen verloren. Eine Mehrheit wäre für die CDU wie zuvor mit Janek Gola und der FDP möglich. Aber auch SPD und Grüne würden mit je zwei der Kleinen eine Mehrheit bilden. Die sind also immer das Zünglein an der Waage.

Die Grünen sind der klare Wahlgewinner. „Es ist ein ehrliches Ergebnis für unsere sachbezogene Arbeit und unser grünes Potenzial“, meint Fraktionsvorsitzende Marianne Streicher-Eickhoff. Ihrer Meinung nach habe die Groß-Zimmerner Partei nicht sonderlich von den „schlimmen Ereignissen“ profitiert. „Wir haben keine Eile und werden uns nächste Woche zusammensetzen.“ Der Grüne-Listenvorschlag wurde von den Wählern weitestgehend unverändert belassen.
Spekulationen über mögliche Aufgaben in der Fraktion oder eventuelle Bündnispartner wollte Streicher-Eickhoff nicht vornehmen. „Eine Voraussetzung für Bindungen oder gar Koalitionen ist Kompromissbereitschaft“, meint sie. An der fehle es jedoch oft.

Janek Gola, der in Zimmern kürzlich erst die AUF-Partei (Arbeit, Umwelt und Familie) gegründet hat, hat zwar als Bürgermeisterkandidat weniger Stimmen erhalten als er gehofft hatte, aber mit 1300 Kreuzchen hinter seinem Namen haben die Wähler deutlich gemacht, dass er als Gemeindevertreter gern gesehen ist (hierzu die Liste der Gemeindevertreter auf Seite 2). „Darüber freue ich mich. Für den Anfang ist das ganz OK“, sagt Gola. Gut gefällt ihm an dem Ergebnis, dass die großen Parteien in jedem Fall mit den Kleinen reden müssen. Die werden nämlich beim aktuellen Stand der Sitzeverteilung wohl immer das Zünglein an der Waage sein. „Ich werde sehen, ob ich mit den anderen beiden gemeinsame Sache machen kann“, beschreibt Gola sein eigenes Polit-Einmaleins, denn: „Dreimal eins kann auch einmal drei sein.“

Der Freie Wähler Peter Urban, der bereits eine Legislaturperiode als „Einzelbänkler“ hinter sich hat, will gerne weitermachen. „Ich bin der Meinung, dass die fernen Ereignisse hier keinen großen Einfluss haben sollten. Von der Bürgermeisterwahl bin ich enttäuscht, insgesamt aber im Ich bestärkt.“ Im Großen und Ganzen sieht Urban die Möglichkeit, punktuell gemeinsame Vorgehensweisen wie in der Vergangenheit mit SPD und Grünen fortzusetzen.

„Das war eine Ohrfeige. Wir wurden für Ereignisse abgestraft, für die wir nichts können“, meint der FDP-Vorsitzende Jürgen Günster. Die Liberalen wollen jedoch mit Kurt Werdecker als „reduzierte Mannschaft“ auch im Parlament weiter mitmischen.

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