„Great-Zimmern“ hat viel zu lachen

Pfarrfastnacht bietet Programm mit Gesang, Tanz und Philosophie

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Fast wie ein Finale, und tatsächlich ein Finale: Die Huppdohle machen Schluss nach 25 Jahren Bühenpräsenz. Zum Abschied ließen sie noch einmal die Kostüme dieses Vierteljahrhunderts Revue passieren.

GROSS-ZIMMERN - „Es lebe der Unterschied. “ Das ist das Eine. Und „Eins bedingt das Andere. “ Was wäre Zimmern ohne Dibborsch und umgekehrt? Diese Fragen stellten sich „Zimm’ner Leit“ bei der Pfarrfastnacht am Samstag in der Mehrzweckhalle. Von Sebastian Richter 

„Ohne die Kleinen gäb’s keine Großen. Wenn die Großen nämlich unter sich wären, wüssten die gar nicht, dass sie groß sind. Sie müssen auf die Kleinen runterschauen können, damit sie merken, dass sie groß sind.“ Das Lachen setzt erst nach ein, zwei Atemzügen ein. „Ah, da sind welche, die haben’s kapiert“, freut sich Manfred Göbel von den „Zimm’ner Leit“, die den gut 400 Besuchern der Pfarrfastnacht nach der Pause zu denken und zu lachen geben.

Na ja, es hätte zumindest eine etwas kürzere Fastnachtssitzung, wenngleich das Volumen des Spotts über die Nachbarn nicht mithalten konnte mit den Exzessen der KVD-Sitzungen. Philosophie, gepaart mit Klamauk, einem weißhaarigen Petrus Emig, einem Engel Gabiel Geier, und einem teuflischen Beutel-Teufelchen 6112, das in Dieburg ganz viel Durcheinander stiftet. Am Ende wird’s dann doch wieder versöhnlich, aber Göbel kann sich nicht verkneifen, noch einmal zu necken: „Unser Kerb ist älder als die Fassenacht!“

Die „Zimm’ner Leit“ gehören zu den festen Größen der Pfarrfastnacht, so wie das Männerballett „Elfchen“ und die Frauengruppe „Huppdohlen“. Schon allein der selbstironische Name ist einen Fastnachtsorden wert. Diesmal gab’s für die Bollywood-Dohlen sogar einen Oskar, überreicht von – den Elfchen. Anlass der zusätzlichen Auszeichnung: Die Dohlen wollen nach 25 Jahren in den närrischen Ruhestand. Großes „Ooooch“ im Saal. Und große Freude darüber, noch einmal ein Defilee all der prächtigen Kostüme dieser Zeit erleben zu dürfen.

„Bollywood“ lieferte die Vorlage für Kostüme und Tanz des Auftritts der Huppdohlen.

Eine ebenso feste Größe ist Sitzungspräsident Friedrich Faust, der ziemlich pünktlich nach Musiker Gerhard Kuhrs elf Glockenschlägen mit dem Elferrat einmarschierte, während die Musik die Frage aufwarf: Was wollen wir trinken? Motto der Sitzung, im Jahr 2017: Mittelalter. Faust spielte in seiner Begrüßung ein wenig mit diesem Motiv, das auch Leitgestirn für viele Kostüme der Besucher war, im Sitzungsverlauf allerdings so gut wie keine Rolle spielte. Als beinchen-schwingende Begrüßung hatte sich der Elferrat die kleine Garde mitgebracht, putzig anzuschauen und nicht nur von den zugehörigen Erwachsenen gefeiert. So richtig brach die elterliche Dokumentationswut allerdings erst bei der Maxigarde aus, bei deren Auftritt zahlreiche Handy- und Videocams im Blickfeld auf die Bühne schwebten. Dazwischen zeigten sich die Kantorinnen als „zu heiß geduscht“ und demonstrierten Zimmerner Hinkelyoga.

Die drei Tenöre (Bürgermeister Achim Grimm, Sascha Löffler und Dirk „Hasi“ Heimburger) besangen eingangs paradiesische Zustände, gossen dann weitere Stimmungslieder ins närrische Feuer. Die Desert Roses setzten mit großen Flügeln himmlische optische Akzente, bevor die Narren ihre erste Ladung Hintersinn bekamen. Einem Protokoller ähnlich sinnierten die zwei „Pfeiffen“ Gregor Beckmann und Michael Gorsboth über Welt- und Lokalpolitik, bedienten sich dabei eines gerade gewählten amerikanischen Narren und sinnierten darüber, wie man Zimmern endlich „great“ machen kann. Ein Grenzzaun zu Dieburg gehört selbstverständlich dazu. Ziemlich leichtathletisch war der Tanz einer Turnvereinsgruppe eingefärbt, und danach konnte das Publikum ein Wiedersehen mit der „alt Fraa“ Marsilia Scharna feiern, die sich vor allem dem Thema „Alter und Sex“ widmete. Achim Schaffrat und Andreas Rynkowsky legten als „Zugeraasde“ mit „Ouwerouä“ den Stand ihrer Integration dar, in „Schwarz und weiß“ stampfte das Männerballett der „Elfchen“ das Publikum in die Pause.

Bilder: Pfarrfastnacht in Groß-Zimmern

Der Abschied von den Huppdohlen war der große emotionale Moment des zweiten Teils, und wäre es nicht so dunkel im Saal und auch zu dunkel auf der Bühne gewesen, hätte man vielleicht sogar das eine und das andere Narrentränchen ausmachen können. Das stimmungsgeladene Männerrudel des Viehtriebs sorgte allerdings dafür, dass etwaige Trauer schnell wieder verflog. Mit ihrem Liedermarathon läuteten die Herren das Finale ein, zu dem Sitzungspräsident Faust kurz vor Mitternacht alle Akteure auf die Bühne bat, die damit dann ziemlich voll war.

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