Vielfalt gemeinsam gefeiert

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Die Gruppe Salaman zeigte Tanzimpressionen aus dem Orient.

Groß-Zimmern - Die Grünfläche zwischen den Wohnblöcken Angelgarten- und Dresdnerstraße wurde am Samstag zum Schmelztiegel der Nationen. Zum vierten Mal feierten mehrere hundert Besucher hier ihr „Fest der Kulturen“. Von Ursula Friedrich

Groß-Zimmern bietet Menschen aus über 70 Herkunftsländern eine Heimat – das Fest der Kulturen eine Bühne, diese Vielfalt zu zeigen. Was allen gleich ist: Feiern geht durch den Magen. Latte-Macchiato-Kuchen, Ingwer-Bier und Yamwurzel-Gemüse, gefüllte Weinblätter, Lamacun und Sacher-Torte legten Zeugnis von der bunten Küchenkultur ab. „Ziel des Fests der Kulturen ist es, Menschen zusammenzubringen“, sagte Tobias Lauer, Mitarbeiter der Projektwerkstatt Soziale Stadt des Diakonischen Werks. Die kunterbunte Feier ist aber auch Fortführung eines Vorzeigeprojektes in diesem Wohngebiet: der Gestaltung des Grünbereichs als Kinderspiel- und Erholungsfläche gemeinsam mit der Projektwerkstatt und den Anwohner.

Eben dieses Areal war nun Austragungsort der interkulturellen Feier. Ihr Zentrum wurde zur Bühne für Türkische Folklore, orientalische Tänze, ghanaischen Trommelzauber und eine Show-Einlage des Ringernachwuchses vom Athletenverein. Der ghanaische Musiker Wuwu bot mit den Frauen seines Stands auch landestypische Harrkultur, Rastalocken, die sich auch auf deutschen Köpfen prächtig machten. Meral Akkoyoun und ihr türkisches Küchenteam, engagierte Anwohnerinnen, die seit der ersten Stunde mit im Boot sind, hatten sich die Nacht um die Ohren geschlagen, um eine Fülle landestypischer Speisen vorzubereiten.

Besonders exotisch mundete das Angebot am afrikanischen Stand. Doro, ein Hühnergericht aus Eritrea, serviert auf hauchdünnen Brotfladen mit duftendem Gemüse. Doro war diesmal auch Synonym für das Schicksal eritreischer Flüchtlinge - aber auch zarter Bande, die sich zwischen den dunkelhäutigen, lächelnden Menschen und der hiesigen Bevölkerung sanft entwickeln. „Ich bin seit neun Monaten in Groß-Zimmern“, erklärte Lemlem auf englisch. Der 23-Jährigen gelang die Flucht aus Eritrea, ihre Familie sitzt in Italien fest. Munter wechselte sie, je nach Gesprächspartner, zwischen bruchstückhaftem deutsch, englisch, arabisch und tigrinisch hin und her - „ich lerne jetzt deutsch“, verkündete sie. Gemeinsam mit drei Schicksalsgenossinnen hat es Lemlem gewagt, hier einen Stand mit Speisen und Getränken ihrer Heimat zu betreiben. Unter der Zeltplane vis à vis herrschte eine internationale Sprache: die der Kunst. Nach Herzenslust durften Kinder Acrylfarben auf Leinwand pinseln.

Mit einem bunten Büchertisch warb die Gemeindebücherei außerdem für gedruckte Medien. 650 Menschen aus etwa 40 Nationen bevölkern dieses Wohngebiet der Gemeinde und nutzten die Feier auch zur Imagepflege. Das Fest der Begegnungen trägt einer Entwicklung Rechnung, die mit dem Zuzug der ersten türkischen Gastarbeiter begann und sich in der aktuellen Flüchtlingspolitik weiter fortsetzt.

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